Israel

30. Juni 2014 19:35; Akt: 01.07.2014 11:25 Print

Vermisste Jugendliche tot aufgefunden

Die drei jungen Talmud-Schüler, die im Westjordanland entführt wurden, sind tot aufgefunden worden. Israels Premier droht der Hamas mit Vergeltung.

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Mitte Juni wurden in den von Israel besetzten Gebieten des Westjordanlandes drei israelische Jugendliche entführt. Darauf reagierte Israel mit einer gigantischen Suchkampagne. Am 30. Juni kam dann die traurige Gewissheit: Die drei Jungen sind tot. Man fand die Leichen auf einem Feld in der Nähe von Hebron. Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht zum Vergeltungsanschläge gegen Ziele im Gazastreifen geflogen. Kurz nach dem Leichenfund meldeten sich zahlreiche internationale Politiker. Der britische Premier David Cameron verurteilte etwa die Tötung als «unentschuldbaren Akt des Terrorismuses» und der französische Präsident Francois Hollande sprach von einem «feigen Mord». US-Präsident Barack Obama nannte die Tat einen «sinnlosen Terrorakt gegen unschuldige Jugendliche». UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hoffte, dass Israelis und Palästinenser «zusammen arbeiten werden, um schnell die Verantwortlichen zu finden und vor Gericht zu stellen» Für Israel ist die Täterschaft schon lange klar: Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu drohte der Hamas, dass diese für den Tod der Jugendlichen «bezahlen» werde. Bei der Suche handelte sich um die grösste Militäraktion im Westjordanland seit zehn Jahren. Die Soldaten schauten scheinbar in jedes Loch. Dabei wurden auch militärische Drohnen in das Gebiet geschickt, das eigentlich unter der Verwaltung der palästinensischen Autonomiebehörde steht, aber de facto von Israel besetzt ist. Die Suche wurde auch von den palästinensischen Polizeien unterstützt. Oder in diesem Fall: Beobachtet. Die israelischen Kräfte gingen bei der Suche nicht zimperlich vor. Sie verhafteten im Verlauf der Suche mehrere Hundert Palästinenser. Darunter auch einen Parlamentarier. Bei einer Razzia tötete die Armee mehrere palästinensische Jugendliche. Darunter auch einen 15-jährigen. Der tote Mohammed starb bei Zusammenstössen mit der Armee in Ramallah. So sieht eine Wohnung nach einer Razzia durch die israelische Armee aus. Palästinensische Polizisten verhindern ein weiteres Eskalieren der Proteste der Bevölkerung gegen das Vorgehen der israelischen Armee. In Israel dominierte nur ein Thema: Wo sind die drei Jungen? Sogar in New York wurde für eine Aufklärung der Entführung von Gilad Schaar (16), Naftali Frenkel (16) und Eyal Yifrach (19) demonstriert.

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Die drei im Westjordanland Mitte Juni entführten israelischen Jugendlichen sind tot aufgefunden worden. Ihre Leichen seien bei der Ortschaft Halhul in der Nähe von Hebron entdeckt worden, teilte das israelische Militär am Montag mit. Bei Halhul waren die drei Religionsschüler am 12. Juni auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab der radikalislamischen Hamas die Schuld. Mit seinen Sicherheitsexperten beriet er über eine Reaktion.

«Die Hamas ist verantwortlich und die Hamas wird bezahlen», erklärte Netanjahu. Die Jugendlichen seien von «wilden Bestien entführt und kaltblütig ermordet» worden, teilte er mit. Israel hatte früh Mitglieder der Hamas beschuldigt und die grösste militärischen Bodenaktion seit knapp einem Jahrzehnt gestartet, um die Jugendlichen zu finden. Rund 400 Menschen wurden in Zusammenhang mit dem Fall festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder. Zwei mutmassliche Drahtzieher sind jedoch noch auf der Flucht.

Leichen auf Feld vergraben

Die Körper der Jugendlichen würden nun untersucht und die Familien seien benachrichtigt worden, teilte das Militär mit. Aus Geheimdienstkreisen wurde bekannt, die drei seien auf einem Feld bei Halhul vergraben gewesen.

Einer der Helfer bei der Suche habe etwas Ungewöhnliches am Boden gesehen, Pflanzen, die nicht an ihrem Platz zu sein schienen, und habe die Erde beiseite geschoben, schilderte einer der zivilen Unterstützer der Suche dem Fernsehsender Kanal 2. Dann seien die Leichen zum Vorschein gekommen und die Armee verständigt worden.

Das Militär hatte am Montag einen Grosseinsatz in der Nähe von Halhul gestartet. Das Fernsehen zeigte Bilder von Soldaten, die das Dorf absuchten. Medienberichten zufolge hatte es zuvor Ausschreitungen in der Gegend gegeben.

Hamas rief immer wieder zu Entführungen auf

Noch am Wochenende hatten Zehntausende in Tel Aviv für die Freilassung der drei Jugendlichen demonstriert. Die Demonstranten versammelten sich mit Fahnen und Bildern auf dem Rabin-Platz. Die Mütter der drei Entführten im Alter zwischen 16 und 19 Jahren sprachen zu der Menge und erklärten, dass die Nation vereint sei im Gebet für die Sicherheit ihrer Söhne. «Sie wissen, dass wir niemals aufgeben werden zu versuchen, sie wieder nach Hause zu bringen», sagte Rachelle Fraenkel, Mutter eines 16 Jahre alten Opfers.

Die Hamas hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Entführungen von Israelis aufgerufen. Mehrere andere Gruppen bekannten sich aber zu der Tat. Eine Al-Kaida-Splittergruppe verkündete auf Flugzetteln, sie habe die drei aus Rache für den Tod dreier Kämpfer durch israelische Soldaten in diesem Jahr verschleppt. In einer zweiten Erklärung übernahmen offenbar die Al-Kuds-Brigaden die Verantwortung. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte die Tat verurteilt.

(sda)