Krieg in Syrien

01. Oktober 2015 08:53; Akt: 01.10.2015 11:35 Print

Video zeigt, wie Putins Bomben einschlagen

Die westlichen Zweifel an der russischen Wahl von Zielen in Syrien mehren sich. Das Verteidigungsministerium sagt jedoch, man greife IS-Ziele an – und veröffentlicht ein Video.

Piloten haben unter anderem «das Hauptquartier der IS-Truppen in den Bergen vollständig zerstört», sagt Moskau: Aufnahmen der Zielerfassung und Detonationen am Boden. (Video: Russisches Verteidigungsministerium/Youtube)
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Unmittelbar nach dem Start der russischen Intervention im syrischen Bürgerkrieg wachsen im Westen Zweifel an den Absichten Moskaus. Russland hat bei seinen Luftangriffen nach US-Informationen offenbar auch Gebiete bombardiert, in denen sich keine Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat aufhielten, sagte Pentagonchef Ashton Carter. Ähnlich äusserten sich westliche Amtskollegen.

Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video (siehe oben) und gab an, man habe acht Einrichtungen ins Visier genommen. Unter anderem seien Munitions-, Waffen- und Treibstofflager sowie Militärfahrzeuge, Kommando- und Kommunikationsstellen getroffen worden. Piloten hätten «das Hauptquartier und Koordinationszentren der IS-Truppen in den Bergen vollständig zerstört».

Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, der Einsatz diene dazu, das eigene Land vor extremistischen Rückkehrern aus Syrien zu schützen und Assads Offensive gegen den Terror zu unterstützen.

Russland giesst Öl ins Feuer

Doch herrschte nach den Angriffen Verwirrung darüber, was tatsächlich getroffen wurde. Aktivisten vor Ort berichteten von Luftangriffen in Homs und Hama mit Dutzenden Toten – allerdings in Gebieten, die nicht unter Kontrolle des IS stehen.


Zerstörte Gebäude, Flüchtende und Verletzte: Szenen nach angeblich russischen Bombenangriffen. (Video: Reuters/Youtube)

Pentagonchef Carter stützte diese Auffassung. «Wenn man Assad unterstützt und offenbar jeden unter Feuer nimmt, der gegen Assad kämpft, dann nimmt man den ganzen Rest des Landes unter Feuer», sagte er in Washington. «Das entspricht nicht unserer Position. Zumindest einige Teile der Opposition gegen Assad gehören zum politischen Übergang. Deshalb ist der russische Ansatz zum Scheitern verurteilt.» Morskau giesse «Öl ins Feuer» in Syrien, sagte Carter.

Russische Luftschläge gemäss dem Institute for the Study of War (ISW):(Karte: ISW)

In Paris erklärte Frankreichs Verteidigungsminister Jeyn-Yves Le Drain vor Abgeordneten: «Eigenartigerweise haben sie den Islamischen Staat nicht getroffen. Ich lasse Sie Ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen.» Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmaier sagte indes am Rande der UNO-Vollversammlung, es gebe noch keine verlässlichen Informationen über die russischen Aktionen in Syrien. Doch müsse Russland selbst grosses Interesse daran haben, dies rasch zu klären.

Moskau dementiert zivile Todesopfer

Der Führer des Syrischen Nationalrats, Chaled Chodscha, sprach von 36 getöteten Zivilisten durch die russischen Luftangriffe in Homs, unter den Opfern seien fünf Kinder. Das russische Aussenministerium wies die Vorwürfe indes als falsch zurück. Sie seien Teil eines «Informationskriegs», sagte eine Sprecherin. Im Übrigen seien die Vorwürfe publik geworden, ehe die Luftangriffe überhaupt begonnen hätten. Russland handele «absolut legitim» im Rahmen internationalenRechts.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow hatte die Weltgemeinschaft zuvor aufgefordert, den Kampf gegen Terrorgruppen gemeinsam zu organisieren. Dazu kündigte er eine UN-Resolution an. Gleichzeitig versicherte er, sein Land wolle Kommunikationskanäle schaffen, um einen «maximal effektiven Kampf gegen Terrorgruppen» mit den USA und anderen Staaten sicherzustellen.

Paris stellt Bedingungen

Frankreich schloss eine Zusammenarbeit mit Russland nicht grundsätzlich aus, stellte aber Bedingungen. So müsse die Gewalt gegen Zivilisten in Syrien beendet und das Ausscheiden von Präsident Assad vorbereitet werden, sagte Fabius. Ziel müsse ein politischer Übergang sein, ohne dass «Syriens Henker» an der Macht bleibe. Darüber hinaus müsse absolute Klarheit darüber herrschen, wer bekämpft werden soll.

Russland will dagegen an Assad festhalten. Das ist auch ein wichtiger Streitpunkt mit den USA, die ebenfalls ein Ende von Assads Herrschaft betreiben.

(rub/ap)