Angriff aus Israel

16. Juli 2014 17:14; Akt: 17.07.2014 11:43 Print

Vier Kinder am Strand von Gaza getötet

Israel erhöht den militärischen Druck auf die Hamas. Gezielt werden die Häuser von Anführern der radikalislamischen Palästinenserorganisation angegriffen. Auch vier Kinder sterben.

storybild

Palästinensische Beamte am Strand des Gazastreifens im Juni 2014. (Bild: Keystone/AP/Adel Hana)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Israel verstärkt nach dem Scheitern einer von Ägypten vermittelten Waffenruhe seine Luftangriffe auf den Gazastreifen und setzt auch zunehmend die Marine ein. Am Mittwoch wurden nach palästinensischen Angaben rund 30 Häuser bombardiert, darunter auch die von vier ranghohen Hamas-Führern. Auch vier Kinder kamen demnach beim Beschuss eines Küstenstreifens durch ein Kriegsschiff ums Leben. Das israelische Militär kommentierte die Angriffe zunächst nicht.

Auch die Hamas feuerte am Mittwoch wieder Dutzende Raketen auf israelisches Gebiet ab. Berichte über grössere Schäden oder Verletzte lagen nicht vor. Am Mittwoch hatte die radikalislamische Palästinenserorganisation auch offiziell den ägyptischen Dreipunkteplan zur Beendigung der Gewalt abgelehnt, wie der ranghohe Hamas-Funktionär Sami Abu Suhri der Nachrichtenagentur AP sagte.

Häuser der Hamas-Führer beschossen

Gescheitert war die Waffenruhe aber de facto bereits am Dienstag, dem Tag, an dem sie hätte beginnen sollen. Nach einer kurzen Pause hatte Israel, das der Waffenruhe ursprünglich zugestimmt hatte, die Angriffe wiederaufgenommen. Am Mittwochmorgen wurden unter anderem die Häuser der Hamas-Führer Mahmud Sahar, Dschamila Schanti, Fathi Hamas und Ismail Aschkar beschossen, wie das Innenministerium in Gaza auf seiner Website mitteilte.

Sahar war eine Schlüsselfigur bei der Machtübernahme der Hamas 2007 im Gazastreifen. Die übrigen drei sind Mitglieder des palästinensischen Parlaments und wurden 2006 gewählt. Zahlreiche Hamas-Funktionäre sind seit Beginn der Auseinandersetzung mit Israel am 8. Juli untergetaucht.

Cousins beim Spielen am Strand getötet

Die vier Jungen, Cousins im Alter von neun bis elf Jahren, die nach palästinensischen Angaben getötet wurden, spielten an einem Strand westlich von Gaza-Stadt, als sie von einem Schiff der israelischen Marine beschossen wurden. Sieben andere – Kinder und Erwachsene – seien verletzt worden, erklärte der Arzt Aschraf al-Kedra. «Es ist ein kaltblütiges Massaker», sagte der Onkel der Jungen, Abdel Karim Baker. Das israelische Militär teilte mit, es würde den Zwischenfall untersuchen.

Die Zahl der Toten ist nach palästinensischen Angaben auf mindestens 213 gestiegen. Auf israelischer Seite wurde seit Beginn des Raketenbeschusses durch militante Palästinenser in der vergangenen Woche ein Mann getötet. Zahlreiche Raketen wurden vom israelischen Abwehrsystem abgefangen.

Tausende fliehen

Zehntausende Einwohner in der Stadt Beit Lahija und den Vierteln Seitun und Schidschaija in Gaza-Stadt forderte das Militär auf, bis Mittwochmorgen ihre Häuser zu verlassen. Die Warnungen wurden mit automatisierten Telefonanrufen, SMS und von Flugzeugen abgeworfenen Flugblättern verbreitet. Darin hiess es, aus diesen Gebieten seien zahlreiche Raketen abgefeuert worden und Israel werde sie daher unter Beschuss nehmen.

Hunderte Menschen folgten dem Aufruf und zogen eilig mit Taschen und leichtem Gepäck über die Strassen. Ältere Kinder trugen kleinere Kinder auf dem Arm. Frauen und Kinder weinten und schauten verängstigt aus.

(sda)