Israel

18. Oktober 2015 00:24; Akt: 18.10.2015 00:36 Print

Vier Palästinenser nach Messerangriffen getötet

Die Attacken auf israelische Sicherheitskräfte reissen nicht ab: Seit Monatsbeginn starben sieben Israelis. 40 Palästinenser kamen ums Leben.

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Gewalt in Jerusalem: Die Polizei sichtert den Ort, an dem ein Israeli mit einem Messer angegriffen wurde. (Bild: Getty Images)

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In Nahost eskaliert die Gewalt weiter: Am Samstag sind im Westjordanland und in Ost-Jerusalem wieder vier junge Palästinenser nach versuchten Messerattacken auf Israelis erschossen worden, ein fünfter wurde verletzt. Unter den Getöteten war auch ein junges Mädchen, das in Hebron im Westjordanland mit einem Messer auf eine israelische Soldatin losgegangen war. Sie war palästinensischen Medienberichten zufolge erst 16 Jahre alt.

Allein drei der Angriffe ereigneten sich in Hebron im Westjordanland, wo 500 jüdische Siedler abgeschottet unter 200.000 Palästinensern leben. Bei dem ersten Angriff ging nach Armeeangaben ein junger Palästinenser mit einem Messer auf einen Siedler los. Der Siedler zog eine Pistole und erschoss den jungen Mann. Nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte war der Attentäter 18 Jahre alt.

Einige Stunden später erschoss eine israelische Soldatin in Hebron eine 16-jährige Palästinenserin, die mit einem Messer auf sie losgegangen war. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurde die Soldatin leicht verletzt.

Attacken in Hebron, Ost-Jerusalem und im Westjordanland

Später attackierte ein weiterer Palästinenser in Hebron einen israelischen Soldaten mit einem Messer. Der Angreifer wurde bei dem Vorfall von Kugeln getroffen, wie das israelischen Militär erklärte. Unklar blieb zunächst, ob der Mann dabei getötet wurde. Der Soldat wurden bei der Attacke leicht verletzt.

In Ost-Jerusalem griff ein Palästinenser, der im jüdischen Viertel Armon Hanatziv nach seinem Ausweis gefragt wurde, einen israelischen Soldaten mit einem Messer an. Er wurde nach Polizeiangaben von anderen Soldaten erschossen. Der Angreifer war ebenfalls erst 16 Jahre alt und stammte aus dem benachbarten Palästinenserviertel Dschabal Mukabber.

Am Übergang Kalandija zwischen Jerusalem und dem Westjordanland wurde ein Palästinenser erschossen, der einen Grenzschützer mit einem Messer angriff. Der Beamte habe den Angreifer am Samstag zunächst angeschossen; als dieser einen weiteren Angriffsversuch unternommen habe, habe er ihn getötet, sagte Polizeisprecherin Luba Samri.

Begräbnis in Dura

Die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis hatten zuletzt wieder deutlich zugenommen, insbesondere in den von Israel besetzten Gebieten im Westjordanland und Ost-Jerusalem. Bei Angriffen von Palästinensern starben seit Monatsbeginn sieben Israelis. Auf palästinensischer Seite gab es rund 40 Tote, darunter mehrere mutmassliche Angreifer und steinewerfende Demonstranten.

In Hebron lieferten sich palästinensische Demonstranten am Samstag wieder gewaltsame Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften. Im nahegelegenen Dorf Dura nahmen mehrere hundert Menschen an dem Begräbnis eines Palästinensers teil, der sich am Freitag als Pressefotograf ausgegeben und einen Soldaten mit einem Messer verletzt hatte.

Treffen in Berlin

Die USA verstärkten ihre Anstrengungen für eine Deeskalation: US-Aussenminister John Kerry telefonierte am Freitag mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, wie ein US-Diplomat mitteilte. Mit Netanyahu sprach Kerry demnach auch über ein mögliches Treffen «in Europa in naher Zukunft». Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich sehr beunruhigt über die jüngste Gewalteskalation.

Kerry wird Netanyahu voraussichtlich nächste Woche in Berlin treffen. Der israelische US-Botschafter Ron Dermer sagte dem Nachrichtensender CNN, Kerry wolle mit Netanyahu über die eskalierende Gewalt in Israel und den Palästinensergebieten sprechen. Da sich Netanyahu kommende Woche zu einem Besuch in Berlin aufhalte, werde Kerry in die deutsche Hauptstadt reisen, um den israelischen Ministerpräsidenten zu treffen. Netanyahu wird am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen.

(bee/afp)