«Je suis Charlie» – der Film

07. Januar 2016 07:57; Akt: 07.01.2016 14:22 Print

Während Attentat lag sein Hund auf seinem Gesicht

von Ann Guenter - Der Film «Je suis Charlie» gedenkt der Opfer des Attentats auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion. Überlebende geben eindrucksvolle Einblicke.

Der Trailer zum Dokfilm «Je suis Charlie». (Quelle: Youtube/kinofilme)
Zum Thema
Fehler gesehen?

11. Januar 2015: In Paris gehen nach dem Attentat auf die Redaktion von «Charlie Hedbdo» zwei Millionen Menschen auf die Strasse: Mit der eingefangenen Stimmung zwischen Trotz und Trauer, zwischen Betroffenheit und Wut beginnt der Dokumentarfilm «Je suis Charlie».

Der Film zeichnet das Attentat vom 7. Januar 2015 nach, bei dem islamistische Extremisten fast die gesamte Redaktion des Satiremagazins ausradierten: Herausgeber Stéphane «Charb» Charbonnier, die Zeichner Jean «Cabu» Cabut, Bernard «Tignous» Verlhac, Philippe Honoré und Georges Wolinski, den Journalisten Bernard Maris, die jüdische Kolumnistin Elsa Cayat, den Lektor Mustapha Ourrad sowie zwei Polizisten – sie starben im Kugelhagel mitten in Paris. Der Film ist eine Hommage an sie. Immer wieder sind diese Toten im rund zweistündigen Dok zu sehen, sei es während der Arbeit auf der Redaktion oder singend und Wein trinkend bei privaten Festen. Das geht ans Herz.

Hund legte sich auf schützend aufs Gesicht

Spätestens wenn sie über ihr Magazin, ihre Arbeit und ihre Überzeugungen sprechen, macht einem der Film unangenehm bewusst: Das Attentat läutete das Terrorjahr 2015 ein und verblasste angesichts der nicht enden wollenden weltweiten Terrorattacken dennoch. Die interviewten Überlebenden hingegen sorgen dafür, dass die Ereignisse um den 7. Januar schnell wieder fassbar werden: Eindrucksvoll sind die scheuen Schilderungen der Zeichnerin Corinne Rey, genannt Coco. Sie war von den Attentätern unter Waffengewalt gezwungen worden, die Türen zur Redaktion zu öffnen. Sie wurde verschont, ihre Kollegen und Freunde starben. Diese Schuld und «innere Zerrissenheit» werden die Frau ein Leben lang begleiten.

Auch wenn der damalige Finanzdirektor des Magazins, Eric Portheault, davon erzählt, wie er während der Schussabgaben unter sein Pult kroch und sein Hund sich schützend auf sein Gesicht gelegt habe, wird klar: Dieser Mann wird nie vergessen.

Freiheit der Satire

Gedreht haben den Dokumentarfilm «Je suis Charlie» Daniel Leconte und sein Sohn Emmanuel. Dass sie mit dem Magazin eng verbunden sind, lässt sich nicht nur aufgrund der liebevollen Portraits der «Charlie Hebdo»-Macher erahnen. Daniel Leconte war mit seiner Kamera auch 2007 dabei, als islamische Organisationen «Charlie Hebdo» wegen «öffentlicher Beleidigung» verklagten, nachdem das Magazin «aus Solidarität» die Mohammed-Karikaturen einer dänischer Zeitung veröffentlicht hatte. In einem aufsehenerregenden Prozess wurden die Satiriker unter Verweis auf die Pressefreiheit freigesprochen. «Hätte die französische Presse 2007 die Mohammed-Karikaturen auch gezeigt, müssten wir heute vielleicht nicht um die Zeichner von ‹Charlie Hebdo› trauern», heisst es in dem Dokfilm dazu.

Die Diskussion über die Freiheit der Satire wird in «Je suis Charlie» so eher emotional als analytisch geführt. Offensichtlich steht für die Filmer – und für die «Charlie Hebdo»-Macher sowieso – fest: Satire darf alles. Das Attentat vom 13. November dürfte sie in dieser Haltung weiter bestärkt haben.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • counselorZH am 07.01.2016 08:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Worte

    Je suis libre. Je suis libre de penser. Je suis libre de tolérer. Je suis libre de caricaturer. Je suis un Charlie.

    einklappen einklappen
  • Catherine P. am 07.01.2016 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Film

    Werde ich mir bestimmt anschauen... Und ebenso bestimmt werde ich meine Tränen nicht zurückhalten können... Rip

  • Yännu am 07.01.2016 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Genau Heute vor einem Jahr wurde ich 20 Jahre alt, leider war mein Geburtstag kein grund mehr zum Feiern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Yännu am 07.01.2016 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Genau Heute vor einem Jahr wurde ich 20 Jahre alt, leider war mein Geburtstag kein grund mehr zum Feiern.

  • Panni am 07.01.2016 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei mit Tragödien

    Der Filmindustrie gehen die Ideen aus & über jedes Thema wird ein Film gedreht. Irgendwie schade, wäre kein finanzieller Grund dahinter, wäre die Idee an sich gut, aber da es sowieso um Geldmacherei geht, finde ich es unpassend.

    • Taifunny am 07.01.2016 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      an Panni

      Die Leute wollen und möchten nicht vergessen und Dokumentationen und Filme können Tragödien ein wenig aufarbeiten. Es geht nicht immer nur ums Geld.

    einklappen einklappen
  • Renato Kurz am 07.01.2016 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Muss das sein?

    Einerseits Geldmacherei und andererseits Stoff für Sympathisanten. Das Geld für den Film hätte man lieber den Hinterbliebenen gegeben oder in die Bekämpfung dieser ideologischen Terroristen gesteckt.

    • Ried Winkel am 07.01.2016 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      Renato Kurz

      Zuerst mal informieren,und dann Schnappatmung einstellen..Ein Teil der Einahmen,von dem durch das französische Kulturministerium unterstützten Film. geht in den Hinterbliebenenfonds der charlie hebedo Opfer.Was dieser Film,der weder Gewalt noch Terror verherrlicht, sondern die Einzelschicksale der Opfer beleuchtet, mit Propaganda für Symphathisanten zu tun haben soll,erschliesst sich mir nicht.

    • Lara am 07.01.2016 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Renato Kurz

      Ja das muss sein! Für alle die dieses Schreckenscenario mitmachen mussten, auch für alle die sterben mussten. Empathie heißt das Zauberwort.

    einklappen einklappen
  • patur96 am 07.01.2016 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Ich finde irgendwie erschreckend, wie aus allem Geld gemacht werden muss. Der Mensch sucht das Schreckliche, darum finde ich das recht krass für die Angehörigen.

    • Jacky M. am 07.01.2016 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      Geldmacherei?

      Es geht darum, zu erinnern! An Menschen, die aus dem Leben und ihren Familien gerissen wurden! An eine Tat, die so nie vergessen werden darf!

    einklappen einklappen
  • kai nschweizer am 07.01.2016 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Weltfrieden

    wo ist der film für die täglich sterbenden Kinder, Frauen und Männer ob alte oder junge in Afrika in Palästina in Syrien und und und vergessen wir nicht die Kinder in Indien oder Bangladesh es gibt so viele Orte wo jede Minute, während wir unser Mitleid nur auf etwas was uns nicht fremd ist reduzieren, jemand stirbt, ihr seid doch alle geblendet.

    • Florian W. am 07.01.2016 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      @kann schweizer

      Bester Kommentar, dem ist in der Aussage nichts hinzuzufügen. Nur inhaltlich wären noch soviele Länder zu erwähnen, aber dafür hats zuwenig Platz

    • CHer am 07.01.2016 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kai nschweizer

      Geblendet? Es sind die immer gleichen Phrasen welche ihr von euch gehen. Wir sind nicht geblendet, wenn wir uns mehr dafür intressieren als für andere Attentate oder Kriege. Um so näher ein Anschlag stattfindet, umso betroffener macht er einem, weil jeder zweite einen Bürger von Paris kennt, jemand der gerade dort in den Ferien war, oder selbst schon dort war. Dies ist absolut natürlich! Wo bleibt denn dein Dokumentarfilm über die Anschläge in Beirut?

    • Mike am 07.01.2016 10:54 Report Diesen Beitrag melden

      @kai

      Es gibt zum Glück viele Dokus über diese Themen. Man muss sie nur suchen!

    • Biker am 07.01.2016 11:08 Report Diesen Beitrag melden

      @kai nschweizer

      Wir sehen das dauernd. Nachrichten, Dokumentationen, Berichte. Was können wir Schweizer mehr tun, als Flüchtlinge aufzunehmen, Geld zu spenden, Mitgefühl zu zeigen, staatliche Subventionen an diese Länder zu vergeben? Wir kennen die Realität und nehmen aus jeder Krise seit dem 2. WK. Menschen auf und helfen ihnen, versuchen sie zu integrieren. Leider danken uns das viele nicht. Das führt dann eben dazu, dass das was sehr weit von uns entfernt ist, uns weniger berührt, als das was in Madrid, Paris oder London geschieht, also in Ländern, die sich ähnlich geprägt sind wie CH.

    einklappen einklappen