Kalifornien

18. November 2018 20:28; Akt: 18.11.2018 20:28 Print

Wären die Waldbrände verhinderbar gewesen?

US-Präsident Trump sieht noch immer die lokale Forstwirtschaft in der Pflicht. Doch müsste man solchen Bränden mit anderen Mitteln vorbeugen.

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Eine Woche nach dem Ausbruch der verheerenden Waldbrände hat Donald Trump am Samstag die betroffenen Gebiete in Kalifornien besucht. Der US-Präsident reiste in das Gebiet des «Camp Fire» im Norden des US-Bundesstaats. Dort kamen mindestens 71 Menschen ums Leben, mehr als tausend weitere werden vermisst.

«Das ist sehr traurig», sagte Trump in der beinahe komplett zerstörten Stadt Paradise. Allerdings sei ihm gesagt worden, dass andere Gebiete noch schlimmer betroffen seien, «die sind nur noch Asche». Dabei ging er vorbei an geschmolzenen Autos, Baumstümpfen und bis auf die Grundmauern abgebrannten Häusern.

«Bäume, Büsche und Unkraut»

Im Anschluss an seinen Besuch vor Ort verlieh Trump gegenüber «Fox News» seiner Meinung Ausdruck, dass schlechte Forstarbeit stärker für die Brände verantwortlich seien als der Klimawandel: «Man müsste die kleinen Bäume, Büsche und das Unkraut zusammenrechen, dann kann sich der Brand nicht ausbreiten», sagte der Präsident und verwies darauf, dass er dies so in Finnland gesehen habe.

Auf die Nachfrage des Journalisten, ob nicht vor allem die anhaltende Dürreperiode, die dem Klimawandel geschuldet ist, der Auslöser der Brände sei, gab Trump zur Antwort: «Vielleicht ein kleines bisschen. Aber das grosse Problem ist die schlechte Arbeit der örtlichen Forstämter.»

Staatliche Gelder streichen

Damit wiederholte der Präsident seine Kritik an den lokalen Behörden, denen er wenige Tage nach dem Ausbruch der Feuer per Twitter mit dem Streichen von staatlichen Geldern gedroht hatte.


Ungeachtet der Proteste der genannten Behörden und der betroffenen Bürgern, hält Trump also weiter an seiner Strategie fest, den von Demokraten regierten Bundesstaat an der Westküste zu kritisieren.

Rodungen sind kontraproduktiv

Die «CNN» konterte mit einem Artikel, der einen eindeutigen Titel trägt: «President Trump is wrong about wildfire prevention» – Donald Trump irrt sich im Bezug auf die Prävention bei Waldbränden.

Darin reagiert ein Experte auf Trumps zuvor geäusserten Vorschlag, man müsse den Feuern im Vorfeld mit gezielter Rodung begegnen. Dies sei kontraproduktiv, so der Umweltaktivist Chad Hanson, zumal Abholzung eine Vielzahl von kleinen Ästen auf dem Boden zurück liesse. Hier entstünden und verbreiteten sich Feuer am schnellsten. Auch weil durch das fehlende Blätterdach die Böden und Sträucher viel schneller austrocknete.

Es sei nämlich so, dass besonders dichte und verwachsene Wälder eine Ausbreitung von Waldbränden eher bremsen. Auch weil ein sauber aufgeräumter, respektive teilgerodeter Wald dem Wind viel mehr Angriffsfläche biete.

Als aktuelles Beispiel nennt der Experte das nordkalifornische Butte County, wo das «Camp Fire» wütet. Hier sei in vergangenen Jahren sehr stark abgeholzt und aufgeräumt worden. Tote Bäume seien aus Wäldern und von Privatgrundstücken entfernt worden. Als Effekt davon habe sich das Feuer in diesem Gebiet viel schneller ausgebreitet, sodass den Bewohnern kaum noch Zeit geblieben sei, sich in Sicherheit zu bringen.

Feuerfeste Häuser

Handlungsbedarf sieht der Experte jedoch bei den Bauten: Hier müsse man vermehrt feuerfeste Materialien einsetzen und mit entsprechenden Regenrohren verhindern, dass der Wind Funken ins Haus blasen könne. Ein richtig gebautes Haus würde sogar einen Waldbrand überstehen.

Am meisten Potenzial sieht er aber darin, das Bewusstsein der Bevölkerung zu schärfen: Die Polizei müsse viel radikaler gegen illegales Feuerwerk vorgehen, und Ranger müssten in der Trockenzeit vermehrt nach Lagerfeuern Ausschau halten.

Mögliche Schuldige gefunden

Gemäss einer Studie des National Park Service werden 90 Prozent der Waldbrände in Amerika von unvorsichtigen Menschen verursacht – durch unbeaufsichtigte Lagerfeuer, brennende Abfälle oder Zigaretten. Acht Prozent gingen auf die Rechnung von Brandstiftern. Und nur in zwei Prozent der Fälle war ein Blitz der Auslöser.

Auch müssten einige der im Boden verlegten Starkstromleitungen in gewissen Monaten vom Netz genommen werden, urteilt der Umweltforscher Hanson.

Als mögliche Verursacher der aktuellen Brände wird aktuell gegen Pacific Gas und Electric and Southern California Edison ermittelt. Den beiden lokalen Versorgungsunternehmen wurde bereits bei früheren Brände eine Mitschuld nachgewiesen. Die Ermittlungen sind noch im Gang, aber erste Erkenntnisse zeigen, dass es sowohl bei der vermuteten Ausbruchstelle des «Camp Fire» als auch jener des «Woolsey Fire» kurz zuvor zu Fehlfunktionen von technischen Anlagen dieser Anbieter gekommen sei.

(mat)