Nahost-Konflikt

26. Juli 2014 23:43; Akt: 27.07.2014 09:07 Print

Waffenruhe einseitig – Hamas feuert Raketen ab

Israel hat seine Feuerpause im Konflikt mit der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen um 24 Stunden verlängert. Die Hamas will diese nicht akzeptieren.

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Israel verlängert seine Waffenruhe auf Ersuchen der UNO um 24 Stunden bis Sonntagabend. Doch die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas lehnt die Feuerpause ab und feuert Raketen. Das israelische Militär sprach in der Nacht zum Sonntag von acht Raketen und drei Mörsergranaten. Militante in Gaza meldeten sogar den Abschuss von 42 Raketen auf Israel, darunter zwei auf Tel Aviv.
(Video: Reuters)

Ein Hamas-Sprecher sagte, seine Organisation werde keine humanitäre Waffenruhe akzeptieren, die nicht den Rückzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen beinhalte. Auch müssten Ambulanzen ungehindert durch die zerstörten Strassenzüge fahren können, um Leichen abzutransportieren.

Tunnelzerstörung geht weiter

Am Samstagabend hatte Israels Sicherheitskabinett einer Verlängerung der humanitären Waffenruhe für den Gazastreifen um weitere 24 Stunden bis Sonntagabend zugestimmt. Damit sei einer Bitte der Vereinten Nationen entsprochen worden, sagte ein israelischer Regierungsvertreter.

Die «Einsätze gegen die Tunnel» der Hamas würden hingegen fortgeführt, sagte der Regierungsvertreter. Israel verzichtet demnach also vorerst auf Angriffe aus der Luft, vom Meer aus und am Boden, behält seine Infanteristen aber vor Ort. Am Sonntag soll die Regierung weiter über die Militäroperation im Gazastreifen beraten.

Über tausend Tote im Gazastreifen

Die Feuerpause am Samstag hatten zahlreiche Menschen in Gaza dazu genutzt, ihre Vorräte aufzustocken. Die Rettungskräfte erreichten erstmals seit Beginn der israelischen Bodenoffensive am 17. Juli bis dahin schwer umkämpfte «Todeszonen». Sie bargen mehr als 150 Leichen, wie die Rettungsdienste mitteilten.

Seit Beginn der israelischen Offensive vor knapp drei Wochen kamen nach neuesten Angaben der Rettungskräfte mehr als tausend Palästinenser ums Leben, etwa 6000 wurden verletzt. Die weitaus meisten von ihnen waren Zivilisten, darunter viele Kinder. Auf israelischer Seite kamen 42 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben.

Bemühungen um längere Waffenruhe

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eindringlich nochmals alle Beteiligten auf, eine siebentägige Waffenruhe auszurufen. Auch bei einem Krisentreffen in Paris war zuvor eine Verlängerung der Feuerpause gefordert worden.

Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu, der an den Gesprächen in Paris teilnahm, sagte, die Konferenzteilnehmer seien dort sehr nahe dran gewesen, eine längere Waffenruhe zu erreichen. «Aber Israel wies den Vorschlag in letzter Minute zurück.» Die Türkei werde alles daran setzen, eine längere Feuerpause durchzusetzen.

(cho/sda)