Nahost-Konflikt

20. Juli 2014 12:01; Akt: 20.07.2014 15:22 Print

Waffenruhe im Gazastreifen gebrochen

Nach heftigen Angriffen auf den Gazastreifen mit vielen Toten hat Israel eine zweistündige Feuerpause verkündet – wenig später sind erneut Schüsse gefallen.

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Kurz nach ihrer offiziellen Verkündung am Sonntag ist die Waffenruhe im nördlichen Gazastreifen nach Angaben des israelischen Militärs schon wieder gebrochen worden.
Die israelische Armee habe «auf Beschuss der Hamas» reagiert und «zurückgeschossen», erklärte ein Armeesprecher.

Die um 13.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr MESZ) ausgerufene humanitäre Waffenruhe war auf Drängen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zustandegekommen und hätte bis 15.30 Uhr Ortszeit andauern sollen, um die Bergung von Opfern im Vorort Schedschaija östlich von Gaza-Stadt zu ermöglichen.

Massive Angriffe am Sonntag

Bei israelischen Angriffen in der Stadt Gaza hat es am Sonntag mindestens 30 Tote gegeben, zuvor war von 40 Toten die Rede. 400 weitere Menschen seien in dem Viertel Sadschaija verletzt worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium mit. Unter den Opfern seien zahlreiche Zivilisten.

Nach Angaben der Rettungsdienste in Gaza sind unter den Toten zudem ein palästinensischer Sanitäter und ein Journalist.

Die israelische Armee hat zusätzliche Soldaten in das Palästinensergebiet geschickt und die Stadt Gaza am Sonntagmorgen unter massiven Beschuss genommen – laut der Rettungsdienste mit Raketen und Granaten. Es war der Angriff mit den meisten Todesopfern seit Beginn der israelischen Offensive im Gazastreifen seit dem 8. Juli.

Die Palästinenser melden inzwischen fast 380 Tote seit Beginn der Kämpfe.

Tausende flüchten, Verletzte eingekesselt

Tausende Palästinenser flohen in Panik aus dem östlichen Stadtviertel Schedschaija, viele von ihnen zu Fuss, wie Augenzeugen berichteten. Auf den Strassen lagen zahlreiche Leichen.

Nach palästinensischen Behördenangaben wurden mindestens acht Menschen in dem Viertel getötet, darunter der Sohn, die Schwiegertochter und zwei Enkel des Hamas-Führers Chalil al-Haja.

Krankenwagen konnten zunächst nicht in das Gebiet vordringen. Rettungskräfte sagten, offenbar seien viele Verletzte wegen der Angriffe eingekesselt. Demnach wurden bereits mindestens 20 Tote in Schedschaija geborgen, es soll hunderte Verletzte geben. Die Opferzahl könne aber noch deutlich steigen.

Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen in hoffnungslos überfüllten Spitälern im Gazastreifen. Die israelische Offensive in dem blockierten Palästinensergebiet hat die ohnehin schwierige humanitäre Lage weiter verschärft. Palästinensische Ärzte beklagen einen Mangel an Medikamenten und Ausrüstung bei der Behandlung der vielen Opfer.

(sda)