Superjet-Absturz

13. Mai 2012 04:32; Akt: 13.05.2012 10:06 Print

War das Frühwarnsystem ausgeschaltet?

Eine Aufnahme aus dem Cockpit des abgestürzten Suchoi Superjets sorgt in Aviatik-Kreisen für Diskussionen: Das Terrain-Frühwarnsystem scheint darin ausgeschaltet.

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Bevor ein Flugzeug auf dem Boden aufprallt oder an einem Berg zerschellt, wird der Pilot im Normalfall von einem Bordinstrument, dem sogenannten Terrain Awareness and Warning System (TAWS), auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht. Dieses Frühwarnsystem gibt dem Piloten genügend Zeit für ein Korrekturmanöver, um die Katastrophe abzuwenden.

Seit einigen Tagen macht ein Bild des russischen Aviatik-Bloggers Sergej Dolja in Aviatik-Kreisen die Runden, auf dem das TAWS vor dem Start der Unglücksmaschine ausgeschaltet scheint.
Laut Rohit Rao von «AeroBlogger» ist das nicht normal. Er glaubt die Wartungscrew könnte das TAWS ausgeschaltet und nachher vergessen haben, es wieder zu aktivieren. Dasselbe könnte den Piloten selbst passiert sein, die das System möglicherweise auf einem früheren Flug ausgeschaltet hatten.

Eine weitere Erklärung verweist auf die Theorie, wonach die Piloten absichtlich tief geflogen waren, um die Passagiere zu beeindrucken. In diesem Fall wäre denkbar, dass sie das TAWS für den Unglücksflug ausgeschaltet hatten, um die lästigen und bei zunehmender Gefahr sehr lauten Alarmgeräusche zu vermeiden. In unbekanntem Terrain und bei schlechtem Wetter eine riskante Entscheidung.

Normales Verhalten beim Aufstarten

Sergej Dolja, der die Spekulationen unbewusst ausgelöst hatte, schob später ein weiteres Bild nach, auf dem das TAWS offenbar aktiviert ist. Auf seinem Blog schreibt er, dass in den ersten 35 Sekunden, wenn ein Superjet gestartet und seine Systeme geladen werden, alle Lämpchen aufleuchten und anschliessend erlöschen: «Ähnlich wie wenn man einen Computer startet.» Somit wäre die erste Aufnahme kein verlässlicher Hinweis, dass das TAWS tatsächlich deaktiviert war.

Rohit Rao weist allerings darau hin, dass sich in diesem Fall die Frage aufdrängt, weshalb das TAWS den Absturz nicht verhindern konnte. Dass die Piloten das Warnsignal ignorierten, scheint ihm eher unwahrscheinlich, da es sich um eine sehr erfahrene Crew handelte. Möglicherweise war das System defekt und warnte die Piloten zu spät oder gar nicht. Das wäre ein in den Worten des Bloggers ein «schwerwiegender Konstruktionsfehler». Er erinnert daran, dass auch die Emergency Locator Transmitters (ELTs) für die Ortung des Wracks nicht funktionierten und die Suche verzögerte.

(kri)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 13.05.2012 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Fragen-keine Antworten

    Vieles spricht dafür, das fahrlässiges Verhalten der Verantwortlichen im Cockpit zum Unglück führte. Unbekanntes Terrain, fragwürdiger Sinkflug in diesem Gebiet, Schlechtwetterzone, etc.! Bin weder Pilot noch sonst ein Experte von Flugzeugen, aber wenn ich das alles so lese, komme ich vermehrt zu diesem Schluss der Fahrlässigkeit. Aber auch techn. Versagen kann dazu geführt haben, in dem Warnsysteme z.B. nicht funktionierten, ohne die kein Pilot der Welt korrekt reagieren kann. Wer weiss, ob man das je herausfindet, letzteres dürfte den Russen eher unangenehm sein.

  • Bert Angerer am 13.05.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Superjet

    Die Mindestflughöhe in diesem Gebiet beträgt 10000 feet. Begründung: Am Mt. Salak pressen Nordwinde am Nachmittag Luftmassen wie ein Kompressor an die Bergflanke, für jedes Flugzeug eine unberechenbare Situation, die Crew hat sich selbst wie auch die Möglichkeiten des Superjets überschätzt, aus welchem Grund auch immer.

  • Keinplane am 13.05.2012 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Die übliche Verschwörungstheorie

    Kann es sein, dass die Treibstoffzufuhr sabotiert wurde und die Maschine dank den vorauszuahnenden Turbulenzen bei diesem Terrain nicht hochziehen konnte und desshalb so tief flog? Ich würde Sabotage nicht ausschliessen, schliesslich ist der Flugverkehr heutzutage sicherer als der Strassenverkehr und desshalb ist es manchmal recht komisch wenn wieder mal ein Flugzeug mit polnischen oder russischen Politikern an Board vom Himmel fällt. Irgendwie fällt einem da schon fast eine Pattern auf und so schlecht können die Flugzeuge ja nicht alle gebaut worden sein wenn es Boeing Konkurenz machen soll.

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 13.05.2012 21:26 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Fragen-keine Antworten

    Vieles spricht dafür, das fahrlässiges Verhalten der Verantwortlichen im Cockpit zum Unglück führte. Unbekanntes Terrain, fragwürdiger Sinkflug in diesem Gebiet, Schlechtwetterzone, etc.! Bin weder Pilot noch sonst ein Experte von Flugzeugen, aber wenn ich das alles so lese, komme ich vermehrt zu diesem Schluss der Fahrlässigkeit. Aber auch techn. Versagen kann dazu geführt haben, in dem Warnsysteme z.B. nicht funktionierten, ohne die kein Pilot der Welt korrekt reagieren kann. Wer weiss, ob man das je herausfindet, letzteres dürfte den Russen eher unangenehm sein.

  • Keinplane am 13.05.2012 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nummer 3

    Mit so einem Jet fliegt man nicht so tief, dh. wenn es keine Probleme mit dem Auftrieb und den Triebwerken gab, wäre eine weitere erklärung, dass sie versucht haben unter dem Radar zu fliegen um möglichen 'hostile airplanes' oder 'stealth drones' auszuweichen, in betracht auf die Politiker an Bord und deren Sicherheit. Hier habt ihr mal eine richtige Verschwörung. :)

  • Keinplane am 13.05.2012 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungstheory Fortsetzung

    Ebenfalls möchte ich anmerken, dass diese Foto nicht viel aussagt. Wenn das Foto vor dem Takeoff geschossen wurde, dann haben die Piloten zwangsmässig noch mal die Checkliste (obligatorisch) durchgemacht und alle Einstellungen überprüft. Wenn das Foto während dem Flug gemacht wurde, dann ist die fehlende 'Gas Pressure' Anzeige viel Besorgnis erregender, als das Frühwarnsystem, da der Hügel anhand der Absturzstelle klar aus dem Cockpit gesichtet werden musste, die haben doch keine Tomaten auf den augen und fliegen in so einer Situation nicht mit dem Autopilot. Das Wetter/Sicht war auch sauber.

  • Keinplane am 13.05.2012 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Die übliche Verschwörungstheorie

    Kann es sein, dass die Treibstoffzufuhr sabotiert wurde und die Maschine dank den vorauszuahnenden Turbulenzen bei diesem Terrain nicht hochziehen konnte und desshalb so tief flog? Ich würde Sabotage nicht ausschliessen, schliesslich ist der Flugverkehr heutzutage sicherer als der Strassenverkehr und desshalb ist es manchmal recht komisch wenn wieder mal ein Flugzeug mit polnischen oder russischen Politikern an Board vom Himmel fällt. Irgendwie fällt einem da schon fast eine Pattern auf und so schlecht können die Flugzeuge ja nicht alle gebaut worden sein wenn es Boeing Konkurenz machen soll.

  • Bert Angerer am 13.05.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Superjet

    Die Mindestflughöhe in diesem Gebiet beträgt 10000 feet. Begründung: Am Mt. Salak pressen Nordwinde am Nachmittag Luftmassen wie ein Kompressor an die Bergflanke, für jedes Flugzeug eine unberechenbare Situation, die Crew hat sich selbst wie auch die Möglichkeiten des Superjets überschätzt, aus welchem Grund auch immer.