Entlarvender Bericht

06. Dezember 2016 17:07; Akt: 06.12.2016 17:07 Print

Was das Pentagon vertuschen wollte

Bob Woodward deckte Anfang der 1970er den Watergate-Skandal auf. Jetzt hat der Starreporter der «Washington Post» wieder zugeschlagen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bereits der frühere US-Präsident Dwight D. Eisenhower warnte vor den «unberechtigten Einflüssen des militärisch-industriellen Komplexes», vor einem übermächtigen «Staat im Staat». Diese Warnungen von 1961 gelten heute erst recht. Das verdeutlicht ein aufsehenerregender Artikel der «Washington Post» und ihres Starreporters Bob Woodward.

Demnach wurden in den Mühlen der schier undurchdringlichen Bürokratie des Pentagons über einen Zeitraum von fünf Jahren 125 Milliarden Dollar zermahlen. Mehr noch: Eine interne Studie, die diesen gewaltigen bürokratischen Verschleiss ans Licht brachte, wurde vom Verteidigungsministerium bewusst begraben: aus Angst, der Kongress könnte aufgrund dieser Ergebnisse das Verteidigungsbudget beschneiden.

Fast 70 Millionen Dollar – pro Tag

125 Milliarden Dollar, versickert in der undurchschaubaren Pentagon-Bürokratie: Das sind fast 70 Millionen – pro Tag. Die geheime Studie, für die auch Unternehmens- und Strategieberater von McKinsey hinzugezogen worden waren, kam unter anderem zum Schluss, dass das Pentagon allein für Buchhaltung, Personalwesen und Logistik gewaltige Summen ausgibt: Diese Posten verschlingen fast einen Viertel des gesamten 580-Milliarden-Dollar-Jahreshaushaltes der Behörde.

Der Bericht brachte auch ans Licht, dass das Verteidigungsministerium eine wahre Heerschar ziviler und militärischer Auftragnehmer bezahlt: Über eine Million von ihnen unterstützte fern aller Frontlinien die 1,3 Million Mann und Frau starken aktiven Truppen – ein echter Verhältnisblödsinn.

«Die ganze Scheisse wird an die Oberfläche geschwemmt»

Die Studie war vom Pentagon ursprünglich in Auftrag gegeben worden, um die Administration der Mega-Behörde effizienter zu gestalten. Die erreichten Einsparungen sollten praktischere Verwendung finden, etwa für die Truppen oder das überalterte Atomwaffen-Arsenal.

Dabei hatte das Pentagon unter dem stellvertretenden Verteidigungsminister Robert Work die Studie mit viel Enthusiasmus und dem Willen zum grossen Reinemachen in Auftrag gegeben. Die «Washington Post» beschreibt, wie dabei der Widerstand interner Stellen zur Offenlegung ihrer Kosten und die Angst vor Budgetkürzungen das Projekt erst lähmten, bevor die ernüchternden Ergebnisse in der Schublade verschwanden. «Sie sind dabei, das Licht in einem sehr dunklen Zimmer anzumachen. Die ganze Scheisse wird an die Oberfläche geschwemmt werden und der Gestank wird alles einhüllen», wurde Work gewarnt.

Widerstand des Chef-Waffeneinkäufers

Er hat die Studie dennoch vorangetrieben. Widerstand gegen die ersten ernüchternden Erkenntnisse gab es etwa vom Chef-Waffeneinkäufer des Pentagons, Frank Kendall III, dessen Geschäftsgebaren wegen regelmässiger Budgetüberschreitungen im Bericht offenbar schlecht wegkommen. Kendall habe, so die «Washington Post», die Ergebnisse der Studie angezweifelt und die Verfasser als inkompetent hingestellt. «Behaupten Sie etwa, dass wir nicht wüssten, wie wir unseren Job machen sollen?», habe er in einem Meeting gewütet.

Eigentlich sind seit 1996 alle US-Bundesbehörden verpflichtet, in Anhörungen über ihr Geschäften zu informieren. Daran hat sich in den letzten zwanzig Jahren allein das Pentagon nicht gehalten. Es stand – wir erinnern uns an Eisenhowers Warnung – gewissermassen über dem Gesetz.

6,5 Billionen (!) Dollar verschwunden

Der gewaltige US-Militärapparat erhält vom Kongress immer wieder Unsummen zugesprochen, die in Geheimoperationen und vielen anderen dunklen Kanälen versickern. So «verschwanden» etwa 6,5 Billionen Dollar. Man habe weder eine Ahnung noch Belege darüber, was mit dem Geld passiert sei, hiess es im August 2015 in einem Bericht des Generalinspektors des Verteidigungsministeriums.

Der designierte Präsident Donald Trump dürfte an der nun nicht länger unter Verschluss zu haltenden, internen Spar-Studie des Pentagons grosses Interesse bekunden. Im Wahlkampf hatte er angekündigt, die Militärausgaben substantiell zu erhöhen – finanziert durch Einsparungen bei Bürokratie und «Budget-Mätzchen».

(gux)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Auslandschweizer am 06.12.2016 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Sunme

    Wenn 6,5 Billionen "verschwinden" kommt da der Verdacht von Veruntreuung , Vetternwirtschaft und Korruption auf. Wäre das ein Land in Europa, würde die USA es zwingen, alle Untersuchungen zu veröffentlichen.

    einklappen einklappen
  • EMM am 06.12.2016 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    ((6,5 Billionen (!) Dollar verschwunden)) Hmmm, waren die Gelder vor oder nach dem 11 . September 2001 verschwunden? Das würde mich durchaus Interessieren.

    einklappen einklappen
  • Lukas Meister am 06.12.2016 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    wohin denn sonst

    die 6.5 Mia. USD wurden für die Planung und Umsetzung von 9.11. ausgegeben...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sion & Spion am 07.12.2016 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Geht schneller umgekehrt!

    Es ginge schneller, wenn man fragen würde, was das Pentagon alles nicht vertuschen wollte...

  • Martin am 07.12.2016 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    125 Mia für Bürokratie, da hat die USA das Budget für 20 Jahre Schweizer Armee (6Mia/Jahr) verbraten. Bin froh, bin kein Steuerzahler der USA

  • Berner am 07.12.2016 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Billionen oder Milliarden?

    Ich denke, da wurde falsch übersetzt. Billion heisst auf Englisch Milliarde. Es dürfte sich also um 6.5 Milliarden handeln und nicht um 6'500 Millarden!

    • English tutor am 07.12.2016 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Doch stimmt schon

      Lies den verlinkten Artikel, da ist von "trillions" die Rede, also wirklich Billionen!

    einklappen einklappen
  • wooz am 07.12.2016 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    failsflag

    Ja das ausrüsten der Terrormilizen kostet halt schon etwas Geld.

    • Steinwerfer am 07.12.2016 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      @wooz

      Mag sein... aber ganz sicher nicht 6.5 Billionen USD.

    • Armin am 07.12.2016 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      gibt auch andere mit der hohlen Hand

      Richtig, Steinwerfer, aber die wurden - wie weiter oben richtigerweise schon geschrieben steht - für die Sprengung von WTC 1, 2 und 7 ausgegeben und natürlich für die Vertuschung der Sprengung und das Verbreiten der diesbezüglichen Märchen... Für die angebliche "Untersuchung" von 911 wurde übrigens nur ein Bruchteil dessen ausgegeben, was für die Aufklärung von Clintons Sexspielen mit der ollen Monika L. ausgegeben worden ist. Prioritäten muss man eben richtig zu setzen wissen...

    einklappen einklappen
  • Thomas Binder am 07.12.2016 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    9/11...

    Tja, am 10.09.2001 waren es erst 2.1 Billionen, weshalb am 11.09.2001 die Buchhaltungsabteilung des Pentagons gesprengt worden war...