Der Countdown läuft

22. Mai 2019 16:26; Akt: 22.05.2019 18:20 Print

Lässt Böhmermann heute eine neue Bombe platzen?

Die deutschsprachige Medienwelt fiebert dem Ende des Countdowns von Satiriker Jan Böhmermann entgegen. Heute um 20.15 Uhr ist es so weit.

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Am 20. Mai 2019 kündigte Jan Böhmermann auf seinem Twitter-Account an: «Diese Woche haben wir ein kleines Special vorbereitet» Dazu postete er einen Link zu einer Website mit einem Countdownfeld, das am Mittwoch um 20:15 Uhr ablauft. Im Quellcode der Internetseite versteckt sich das Wort «Ibiza». Eine Abfrage bei Whois zum Domain-Inhaber der Website lässt erkennen: Diese wurde am 15. Mai von «info@btf.de» registriert - «btf» ist eine von Böhmermanns Produktionsfirmen. Bereits einen Monat vor der Veröffentlichung des Strache-Videos gab der deutsche Comedian Hinweise darauf, dass er von der Existenz des Videos wisse. Das Enthüllungsvideo stürzte Österreich in eine Krise: Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache trat am 18. Mai 2019 zurück. Hintergrund ist das heimlich aufgenommene Video, in dem sich Strache vor der Parlamentswahl 2017 bereit zeigt, als Gegenleistung für finanzielle Unterstützung im Wahlkampf öffentliche Aufträge an die angebliche Nichte eines russischen Oligarchen zu vergeben. Kanzler Kurz kündigte als Konsequenz am Samstagabend vorgezogene Neuwahlen an. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen wandte sich später an die Öffentlichkeit. Strache sprach von einer «Schmutzkübel-Aktion» gegen ihn, einem «geheimdienstlichen Angriff» und einem «gezielten politischen Attentat». Trotzdem räumte er Fehler ein: gravierendes Fehlverhalten ein: «Ja, es war dumm, es war unverantwortlich und es war ein Fehler.» Tausende Menschen demonstrieren am Wiener Ballhausplatz und fordern Neuwahlen. Die «SJ» spricht von 10'000 Teilnehmern. Sie fordern ... ... ein Ende des Albtraums.

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Der Countdown läuft – und die Medienwelt wartet gespannt auf das, was Jan Böhmermann heute um 20.15 Uhr bringen wird. Seit Montagmorgen sorgt der Satiriker mit einer geheimnisvollen Website für Spekulationen. Im Quellcode der Internetseite dotheyknowitseurope.eu versteckt sich das Wort «Ibiza». Dass Böhmermann hinter der Aktion steckt, lässt sich mit einer Abfrage bei Whois zum Domain-Inhaber der Website erkennen: Diese wurde am 15. Mai von info@btf.de registriert – «btf» ist eine von Böhmermanns Produktionsfirmen.

Bereits einen Monat vor der Veröffentlichung des Enthüllungsvideos, das Österreich in eine politische Krise warf, sagte der deutsche Comedian während der Gala beim österreichischen Filmpreis Romy, er könne den Preis nicht persönlich entgegennehmen, da er «gerade ziemlich zugekokst und Red-Bull-betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in einer russischen Oligarchen-Villa auf Ibiza rumhänge». Dann, einen Tag vor der Publikation des brisanten Strache-Videos, erwähnte Böhmermann in seiner TV-Show nebenbei, dass «morgen vielleicht Österreich brennen» werde.

Scharfe Kritik an die FPÖ

In der Vergangenheit hatte sich der Satiriker ungewöhnlich stark in die österreichische Politik eingemischt. Oft übte er offen Kritik an Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, den er einen «früheren Neonazi» nannte. Sein Engagement sei eine Art «kulturelle Entwicklungshilfe», sagte Böhmermann.

Anfang Mai eröffnete er im Künstlerhaus in Graz eine Ausstellung, bei der am Eingang zu lesen stand: «Österreich – nie vom Faschismus geheilter Blinddarm Grossdeutschlands». Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sei die Installation «Wehrsport 1989» das Herzstück der Ausstellung: Sie zeigt eine Schaufensterpuppe in Uniform, die offensichtlich ein Foto des jungen Strache nachstellt, das diesen als maskierten und bewaffneten Neonazi zeigt. Neben der Figur baumeln zwei österreichische Verfassungen von der Decke. An der Wand steht ein Baseballschläger mit einer Kette, die allerdings zu kurz ist, um die Puppe zu treffen. Ihr die Verfassung um die Ohren zu schlagen, das geht hingegen.

Auf Instagram postete Böhmermann ein Video, in dem er sich direkt an Strache wendet: «Servus, Herr Vizekanzler. Kommens mich doch mal besuchen in Graz, ich wart auf Sie», sagt der Satiriker, ehe er zum Baseballschläger greift und ausholt.

Böhmermann mit «kleinem Special»

Nun hat Böhmermann auf Twitter ein «kleines Special» angekündigt, ohne allerdings Genaueres bekannt zu geben. Journalisten und Politiker spekulieren: Hat der Satiriker weitere Videos, die ein noch schlechteres Licht auf die ohnehin schon komplett verfahrene Situation werfen lassen? Gesteht er, dass er der Mastermind hinter der Ibiza-Falle von Heinz-Christian Strache ist? Oder aber, und davon ist am ehesten auszugehen, nutzt Böhmermann das unfreiwillige Rampenlicht einfach nur aus, um alle zu ärgern? Von Seiten des ZDF hiess es am Dienstag, das angekündigte Special werde keine Neuigkeiten zum Ibiza-Gate beinhalten.

(kle)