#WhereIsShe

26. Januar 2018 20:15; Akt: 26.01.2018 20:15 Print

Was ist mit der mutigen Iranerin passiert?

Eine Frau ohne Hidschab wurde zum Gesicht der Proteste im Iran. Eine Social-Media-Kampagne fragt jetzt nach ihrem Schicksal.

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Als vor wenigen Wochen Tausende iranische Bürger gegen das Regime auf die Strassen gingen, wurde sie zum Symbol des Protests: eine junge Frau, die mitten in Teheran ihren Hidschab an einem Stock wie eine Flagge durch die Luft schwenkt, anstatt sich damit zu bedecken – in einem Land, in dem Frauen verpflichtet sind, ihr Haar zu verhüllen. Ihr Bild wurde in sozialen Medien tausendfach geteilt.


Aktivisten und die Netzgemeinde fragen sich nun, was aus der Demonstrantin geworden ist. Die mutige Aktion geschah am 27. Dezember 2017, seitdem ist es still um die Frau geworden. Unter den Hashtags #WhereIsShe und #Where_Is_She und unter einem persischen Äquivalent erkundigen sich Zehntausende User auf Twitter und auf anderen Kanälen über ihr Schicksal. Auch die Identität der Frau, die von vielen nur «Girl of Enghelab Street» genannt wird, blieb bis vor kurzem im Unklaren.

Demonstrantin wurde festgenommen

Bereits Ende Dezember kursierten gemäss BBC Gerüchte über ihre Festnahme. Laut der persischen Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh wurde die Demonstrantin tatsächlich noch am 27. Dezember festgenommen. Kurz darauf sei sie wieder freigelassen, dann aber erneut festgenommen worden, teilte die Aktivistin am Sonntag auf Facebook mit. Die Frau ist demzufolge 31 Jahre alt und hat ein 20 Monate altes Baby. Ihren Namen konnte Sotoudeh nicht nennen. Bisher hätten weder Familienmitglieder noch Freunde sie identifiziert – vielleicht, um sich selbst zu schützen, mutmasst die Anwältin.

Unbestätigten Angaben der Organisation Iran Human Rights Monitor zufolge heisst die Frau Vida Movahed. Die NGO verbreitete ein vermeintliches Bild der Frau mit ihrem Kind. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte am Montag ihre Freilassung.


Ladeninhaber, die die 31-Jährige beobachtet hatten, berichteten laut «Los Angeles Times», dass ihr Protest mehr als eine Stunde gedauert habe. Sie sei schliesslich von zwei Polizistinnen abgeführt worden.

#WhiteWednesday

Genau genommen schwenkte die junge Frau ihre Kopfbedeckung an jenem Mittwoch Ende Dezember, einen Tag bevor die landesweiten Proteste gegen ökonomische Missstände und Korruption ihren Anfang nahmen. Seit Monaten gehen am sogenannten #WhiteWednesday (Weisser Mittwoch) Aktivistinnen in weisser Kleidung und weissen Kopftüchern auf die Strasse. Damit protestieren sie gegen die Kleidervorschriften im Land, die von den Frauen seit der Iranischen Revolution 1979 Sittsamkeit verlangen.

Ihr friedlicher Protest ist nun auf immer verbunden mit den kurz darauffolgenden regimekritischen Demonstrationen, auch wenn die junge Frau nicht wirklich Teil davon war. Im Internet kursieren verschiedene Memes, die die Bedeutung der stillen Demonstrantin für die Proteste hervorheben.

«Das ist unsere Waffe, das ihre. Wisst ihr, was der Unterschied ist? Unsere ist stärker und hält länger an», twittert ein User.




(mlr)

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