Axt-Anschlag

20. Juli 2016 19:50; Akt: 20.07.2016 19:50 Print

Was macht Würzburg mit der Willkommenskultur?

von Oliver Fischer - Der Axt-Angriff spielt populistischen Kräften in die Karten. Migrationsforscher Marcus Engler befürchtet, das bestehende Ängste verstärkt werden.

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Die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry beklagte auf Facebook nach dem Axt-Attentat in Bayern mangelnde innere Sicherheit in Deutschland. Wie auch auf der Facebook-Seite der Partei selbst ist bei Petry Kritik an der Einzelfall-Theorie bei terroristischen Angriffen zu lesen. Ein Polizeibeamter betritt am 19. Juli das Kolpinghaus in Ochsenfurt. Dort soll der Täter seit seiner Ankunft in der Region im Frühjahr bis vor etwa zwei Wochen untergebracht gewesen sein. Der IS hat ein Video veröffentlicht, das den Angreifer von Würzburg zeigen soll. Am Tag nach der Tat: Polizeibeamte laufen entlang der Gleise, etwa auf der Höhe, wo der Zug nach dem Attentat zum Halten gekommen war. Auf der Flucht erschossen: Polizeibeamte tragen den Leichnam des 17-jährigen Angreifers, einem Flüchtling aus Afghanistan, weg (19. Juli 2016). Angriff mit Axt und Messer: Polizisten suchen die Umgebung bei den Gleisen nahe Würzburg nach Beweismaterial ab (19. Juli 2016). Verletzt worden sind vier Mitglieder einer Familie aus Hongkong, drei von ihnen schwer. Blut und Überreste von Verbandsmaterial zeugen von der brutalen Attacke eines jungen Afghanen auf Zugpassagiere. Nach der Attacke verdichteten sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Beim 17-jährigen Angreifer wurde eine IS-Flagge gefunden. Der Jugendliche sei «brutal auf andere Fahrgäste in der Bahn losgegangen», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einem TV-Interview. Die Passagiere verlassen den von der Attacke betroffenen Regionalzug in Bayern. (18. Juli 2016) Der Angreifer soll «Allahu Akbar» gerufen haben: Blick ins Innere des Zuges. (18. Juli 2016) Polizei und Rettungskräfte waren mit einem Grossaufgebot vor Ort. (18. Juli 2016) Die Verletzten seien laut Polizeisprecher ausser Lebensgefahr.(18. Juli 2016) Der 17-jährige Flüchtling wurde von der Polizei erschossen. (18. Juli 2016) Der Regionalzug kam in der Nähe von Würzburg nach einer Notbremsung zum Stehen. (18. Juli 2016)

Zum Thema
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Herr Engler, können die AfD oder auch die Pegida von der Axt-Attacke in Würzburg profitieren?

Leider sind solche Ereignisse Wasser auf die Mühlen von politischen Kräften, die bewusst Ängste schüren und immer wieder den Zusammenhang von Flüchtlingen und Terrorismus herstellen. Es ist vorhersehbar, dass diese Akteure – etwa die AfD – das Thema für sich instrumentalisieren und die gerade hier gebotene Sachlichkeit vermissen lassen. Inwieweit sie daraus auch politisches Kapital ziehen können, bleibt abzuwarten. Das hängt nicht zuletzt von den Vertretern der anderen politischen Parteien und auch von der Sachlichkeit der medialen Berichterstattung ab.

Wie steht es heute um die Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen in Deutschland?

Zahlreiche Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung im Hinblick auf die Aufnahme und Unterstützung von Schutzsuchenden seit langem gespalten ist. Der Anschlag wird daran vermutlich wenig ändern. All jene, die seit Monaten regelmässig Kontakt mit Flüchtlingen haben, werden ihre Hilfsbereitschaft kaum wegen der abscheulichen Tat eines Einzelnen reduzieren. Klar ist aber, dass solche Ereignisse dazu führen, dass schon vorhandene Ängste in der Bevölkerung verstärkt werden. Bereits vor dem Attentat hatte ein Teil der Bevölkerungen in Deutschland und Europa die Befürchtung, dass die Terrorgefahr infolge des Zuzugs vom Schutzsuchenden zunimmt.

Was lässt sich gegen diese Ängste ausrichten?

Wichtig ist, zu betonen, dass nach bisherigen Erkenntnissen nur äusserst wenige Personen, die als Flüchtlinge nach Deutschland und Europa gekommen sind, gewaltbereit sind. Die Allermeisten sind ja gerade vor dem Terror des «Islamischen Staats» oder der Taliban geflohen.

Wie steht es um die Integrationsbemühungen in Deutschland?

Die Aufnahme Hunderttausender Schutzsuchender stellt nach wie vor eine enorme Herausforderung für die deutsche Gesellschaft, die beteiligten Behörden und auch für die Zivilgesellschaft dar. Grosse Anstrengungen wurden bereits unternommen und politische Weichenstellungen getroffen. Dennoch gibt es an vielen Stellen Engpässe – etwa bei adäquatem Wohnraum, qualifiziertem Lehrpersonal, Übersetzern oder spezialisierten Therapeuten. Das führt bei vielen Flüchtlingen zu Frustrationen. Hier sind weitere und langfristige Anstrengungen erforderlich.

Lassen sich solche Taten wie die des 17-jährigen Afghanen erklären?

Daraus ein Potenzial für terroristische Handlungen abzuleiten, wäre die falsche Schlussfolgerung. Es müssen schon extreme Umstände zusammenkommen, bevor ein Mensch andere Menschen tötet oder dies versucht und zugleich seinen eigenen Tod in Kauf nimmt. Die Ideologie des IS ist hier nur ein Element.

Wie kann und wird Deutschland im Bereich innere Sicherheit auf diesen Angriff reagieren?

Für eine genaue Analyse der Ursachen und Umstände, die zu der Tat geführt haben, müssen zunächst die weiteren Ermittlungsergebnisse abgewartet werden. Erst dann kann sinnvoll darüber diskutiert werden, ob und welche politischen Massnahmen ergriffen werden sollten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Riaan Vlakplaas am 20.07.2016 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logische Konsequenz:

    Willkommenskultur NEIN DANKE.

  • Tro Janer am 20.07.2016 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    nur den Populisten?

    Kleine Korrektur: Diese abscheuliche Tat spielt nicht nur Populistischen Kräften in die Hände, sondern auch jenen Lösungsorientierten (und vernünftigen) Politikern die bei der sogenannten Willkommenskultur ebenfalls die Schraube anziehen wollen, (auch wenn das die SPler nicht gerne hören oder wahrhaben wollen).

  • Klaus K am 20.07.2016 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sarkasmus enthalten

    wäre es denn politisch nicht sogar korrekter wenn sich die Deutsche Gesellschaft den Gepflogenheiten der einreisenden Flüchtlingen anpassen ??? !!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • QonoS am 21.07.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst ist da

    Es heisst immer "von denen die bewusst die Angst schüren" - Angst muss nicht geschürt werden, die ist nach all den Anschlägen da und Politiker die das noch immer nicht kapiert haben leben auf einem anderen Planeten.

  • Herr Schneuwly am 21.07.2016 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kulturlosigkeit

    Willkommenskultur. Was für ein paradoxes Wort. Es gibt auch eine Nichtwillkommenskultur? Wieso ist dann noch Kultur im Wort mit dabei, wenn man genau diese Komponente nicht willkommenheissen will, die Kultur zu Kultur macht?

  • MASAI MARA am 21.07.2016 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das führt bei Flüchtlingen zu Frustrationen......

    Es kann doch nicht sein, dass Flüchtlinge, die angeblich vor Krieg und Verfolgung geflüchtet sind, eine solch niedrige Frustrationsgrenze haben. Was sollen denn die Bürger des Gastlandes empfinden, wenn sie ihre Sitten und Gebräuche verleugnen müssen nur um politisch korrekt zu sein, Wohnräume zur Verfügung stellen, die nach einem Jahr total runtergekommen sind weil nicht Sorge getragen wird dafür, friedliche Bürger belästigt und angegriffen werden und schlussendlich das ganze Theater noch bezahlen müssen? Da ist für mein Verständnis Frustration noch viel mehr angebracht!

  • Raggii am 21.07.2016 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechtfertigte Vorwürfe

    Kommt es zu einem Ereignis. das den Rechten in die Hände spielt, so wird ihnen immer vorgeworfen, sie würden das Ereignis für ihren Stimmenfang missbrauchen. Geht ein AKW in die Luft, tun die Grünen nichts anderes, bekommt ein CEO wieder mal ein Millionengehalt, so schreien Linke auf. Jede Partei hat das Recht aus ALLEM Profit für den Wahlkampf zu schlagen.

  • Romanrussia am 20.07.2016 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf abstand

    Die Politiker in ihren Villen abgelegen der Armut wo sie nie einen Flüchtling zu sehen bekommen können ja gut reden von der Willkommenskultur...