Justizminister

11. August 2019 07:53; Akt: 11.08.2019 11:15 Print

«Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf»

Jeffrey Epstein ist tot. Nun stellt sich die Frage: Wie geht es nun weiter mit den Untersuchungen? Kommen etwa die mächtigen Männer, die im Fall involviert sein sollen, glimpflich davon?

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Die Autopsie des Leichnams des US-Multimillionärs Jeffrey Epstein hat am 16. August 2019 bestätigt, dass der 66-Jährige Suizid begangen hat. Der angeklagte Epstein habe sich laut dem offiziellen Obduktionsbericht erhängt. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er sass in New York im Gefängnis. In der Nacht auf Samstag, 10. August 2019, wurde der Unternehmer tot in seiner Zelle aufgefunden. Bereits zwei Wochen zuvor wurde Epstein in seiner Gefängniszelle in New York verletzt vorgefunden. Gemäss US-Medien entdeckten Wächter Epstein fast bewusstlos mit Blutergüssen am Nacken. Kurz vor seinem Tod soll er einen ersten Selbstmordversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein. Trotzdem stand Epstein zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter besonderer Beobachtung. Dies, weil das Sondersetting kurz zuvor aufgehoben wurde. US-Justizminister William Barr sprach von «schweren Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Epstein zählte früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

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Das US-Justizministerium und die US-Bundespolizei FBI untersuchen den mutmasslichen Suizid des Multimillionärs Jeffrey Epstein. Der Wall-Street-Manager stand im Verdacht, einen Sex-Sklavinnen-Ring mit minderjährigen Mädchen unterhalten zu haben. Zu seinen Kunden gehörten angeblich mächtige Männer, die sich zu Sexpartys auf Epsteins Insel in der Karibik trafen.

Am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr fanden Wächter Epsteins Körper mit sichtbaren Verletzungsspuren am Hals in seiner Zelle. Er hatte sich offenbar erhängt. Der Financier wurde sofort ins Spital gebracht, die Ärzte konnten jedoch nur noch seinen Tod feststellen.

Warum stand er nicht unter Beobachtung?

Der Tod des 66-Jährigen in seiner Gefängniszelle wirft laut dem Justizminister Bill Barr «ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen.» Er habe daher eine Untersuchung der Umstände angeordnet. Der Tod des Finanzmannes, der zu Lebzeiten Ex-Präsident Bill Clinton, Prinz Andrew und den heutigen US-Präsidenten Donald Trump zu seinen Freunden zählen durfte, liefert auch Nährstoff für zahlreiche Verschwörungstheorien.

So fragen sich viele Internetnutzer, wieso Epstein nach einem ersten angeblichen Suizidversuch am 23. Juli nicht wegen Suzidgefahr unter ständiger Beobachtung stand. Wie «New York Times» berichtet, hatten die Gefängnisbehörden am 29. Juli angeordnet, die besondere Bewachung zu unterbrechen. Stattdessen besuchte ihn täglich der Chefpsychologe der Anstalt.

Alle Finger zeigen auf die Clintons

Die grösste Frage lautet aber: Was passiert nun mit den Ermittlungen zum Sexskandal? Eine erste Antwort gab der ehemalige Bundesanwalt Renato Mariotti: Der Fall sei nun mit dem Angeklagten gestorben, twitterte er. Denn bis anhin sei niemand anderes als Epstein im Fall angeklagt gewesen. Mit anderen Worten: Es wird zu keinem Prozess kommen, bei dem Zeugen gegen die angeblich mächtigen involvierten Männer aussagen könnten.

Mehrere Stunden nachdem der mutmassliche Selbstmord bekannt geworden war, entwickelten sich laut «The Daily Beast» die Hashtags #Clintons und #ClintonBodyCount zum Trending Topic. Trump-Beraterin Lynne Patton twitterte sogar «Hillary’d!!» - in Anspielung darauf, dass Hillary Clinton für den Tod des Financier verantwortlich sein könnte.

Ob die Untersuchungen zum Sexhandel mit Minderjährigen ganz beendet werden, ist noch ungewiss. Laut dem Portal «The Cut» könnten nun Epsteins Mitarbeiterinnen als mutmassliche Komplizen ins Visier der New Yorker Staatsanwälte rücken. «Mit Epsteins Tod erhalten etwa seine beste Freundin Ghislaine Maxwell und seine Angestellten Sarah Kellen Vickers, Adriana Ross und Lesley Groff oder die Pilotin Nadia Marcinkowa die volle Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft.» Die Frauen werden verdächtigt, Epstein bei der Organisation seines Prostituierten-Netzwerkes geholfen zu haben.

(kle)