George W. Bushs Memoiren

05. November 2010 11:16; Akt: 05.11.2010 12:27 Print

Waterboarding, «Darth Vader» und Kanye West

George W. Bush hat seine Memoiren geschrieben. Er verteidigt den Irak-Krieg und die Wasserfolter, zeigt Ansätze von Selbstkritik und ärgert sich immer noch über einen Rap-Superstar.

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George W. Bush und sein Schattenmann: 2003 wollte er seinen Vize Dick Cheney (l.) ersetzen. (Bild: Keystone/Pablo Martinez Monsivais)

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Manche behaupten, der frühere US-Präsident George W. Bush habe in seinem Leben nie ein Buch gelesen. Nun hat er sogar eines geschrieben, offenbar eigenhändig. «Decision Points» erscheint am nächsten Dienstag in den USA, gleichzeitig wird Bush zu einer Lesetour aufbrechen. Es sind seine ersten grossen Auftritte in der Öffentlichkeit, seit er vor bald zwei Jahren das Weisse Haus mit miserablen Umfragewerten verlassen hat.

Der Zeitpunkt ist günstig gewählt, denn nach dem Sieg der Republikaner bei den Kongresswahlen und angesichts der Enttäuschung über seinen Nachfolger Barack Obama kann Bush, der als «schlechtester Präsident der Geschichte» geschmäht wurde, auf neue Sympathien bei den Amerikanern hoffen. Bei dem Buch handelt es sich nicht um klassische Memoiren, vielmehr schildert Bush 14 Schlüsselmomente seines Lebens, wie die «New York Times» schreibt, die vorab ein Exemplar von «Decision Points» behändigen konnte.

Cheneys Rauswurf erwogen

Dazu gehört sein Entschluss, im Alter von 40 Jahren von einem Tag auf den anderen mit dem Alkohol aufzuhören. Das grösste Interesse aber richtet sich auf seine Präsidentschaft. Für Aufsehen sorgte dabei, dass er vor dem Wahlkampf 2004 ernsthaft daran dachte, seinen Vizepräsidenten Dick Cheney durch Bill Frist zu ersetzen, den damaligen Fraktionschef der Republikaner im Senat. Cheney habe bei einem Mittagessen Mitte 2003 selber seinen Rücktritt angeboten. «Ich habe das Angebot in Betracht gezogen», schreibt Bush.

Viele Beobachter hielten Cheney für den eigentlichen Chef im Weissen Haus, worüber sich der Präsident ärgerte: Mit seiner Absetzung hätte er beweisen können, dass «ich am Steuer bin», so Bush. Letztlich habe er sich dagegen entschieden, denn er habe Cheney vertraut und seine Standhaftigkeit geschätzt, obwohl er als «finster und herzlos» gesehen worden sei – als «Darth Vader der Regierung». Gegen Ende der Präsidentschaft allerdings litt das Verhältnis, so lehnte Cheney etwa den Rücktritt von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nach der republikanischen Niederlage bei der Kongresswahl 2006 ab.

Waterboarding ist «verdammt richtig»

Den Irak-Krieg verteidigt George W. Bush natürlich vehement: Amerika sei sicherer «ohne einen mörderischen Diktator», der nach biologischen und chemischen Waffen strebe. Die Tatsache, dass im Irak keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden, habe bei ihm allerdings «ein Gefühl von Übelkeit» erzeugt. Und anders als während seiner Amtszeit gibt er sich in einem Punkt selbstkritisch: Die zu rasche Reduktion der Truppenbestände nach dem Sturz von Saddam Hussein sei «das grösste Regierungsversagen» in diesem Krieg gewesen.

Bush rechtfertigt auch die «harschen» Verhörmethoden von Terrorverdächtigen. Als die CIA ihn um die Erlaubnis gebeten habe, Chalid Scheich Mohammed, den mutmasslichen Drahtzieher der 9/11-Anschläge, dem so genannten Waterboarding zu unterziehen, habe er erwidert: «Verdammt richtig.» Barack Obama hat die Prozedur als Verstoss gegen internationales Recht verboten, doch sein Vorgänger behauptet, damit seien «Leben gerettet» worden. Konkrete Belege kann aber offenbar auch er nicht liefern.

Bush, der Rassist?

Besonders geschadet hat Bush die zögerliche Reaktion auf Hurrikan «Katrina», der 2005 New Orleans verwüstet hatte. In «Decision Points» schreibt der 64-jährige Ex-Präsident, er bedauere den Flug über die Stadt in der Air Force One, dadurch sei ein Eindruck von Abgehobenheit entstanden. Noch nicht verraucht ist sein Zorn auf Hiphop-Superstar Kanye West, der in der «Katrina»-Spendengala am Fernsehen live gesagt hatte: «George Bush sind die Schwarzen egal.»

Noch fünf Jahre danach empfinde er bei diesen Worten Abscheu, schreibt Bush. Er habe viel Kritik einstecken müssen wegen dem Irak-Krieg oder den Steuersenkungen, die angeblich nur den Reichen nützten, doch die Andeutung, er sei ein Rassist, sei «ein absoluter Tiefpunkt» seiner Amtszeit gewesen. In einer ersten Reaktion äusserte West Verständnis. Er habe die gleiche Erfahrung gemacht, als er Country-Sängerin Taylor Swift bei den MTV Video Music Awards 2009 blossgestellt habe, sagte der Rapper in einem Radiointerview.

Bush vertraut auf die Geschichte

Kritik an seinem Nachfolger äussert George W. Bush nicht, er lobt Barack Obama vielmehr für die Aufstockung der Truppen in Afghanistan. Ganz in altbekannter Manier zeigt er sich überzeugt, dass die Geschichte ihn rehabilitieren wird: «In einigen Jahrzehnten werden die Leute mich hoffentlich als Präsidenten sehen, der die zentrale Herausforderung unserer Zeit erkannt und seinen Schwur gehalten hat, das Land unversehrt zu halten.»

Mehr über George W. Bush im Dossier «Amuse-Bush»

(pbl)