US-Justiz

10. Juni 2011 18:37; Akt: 10.06.2011 18:49 Print

Wegen geplantem Blutbad verurteilt

Ein pakistanischer Geschäftsmann wollte die Räume der dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» stürmen. Die US-Richter befanden ihn für schuldig. Er muss für 30 Jahre ins Gefängnis.

storybild

Lashkar-e-Taiba vor seinem Richter. (Bild: AFP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In den USA ist ein aus Pakistan stammender Geschäftsmann wegen der Unterstützung der Islamisten-Organisation Lashkar-e-Taiba schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Chicago sah es als erwiesen an, dass Tahawwur Hussain Rana an einem geplanten Anschlag auf eine dänische Zeitung beteiligt gewesen ist.

Die Zeitung «Jyllands-Posten» hatte mit der Publikation von Karikaturen des Propheten Mohammed den Zorn islamischer Extremisten auf sich gezogen. Rana wurde auch eine Helferrolle im Zusammenhang mit den verheerenden Anschlägen im indischen Mumbai vom November 2008 mit etwa 200 Toten zur Last gelegt, in diesem Punkt stellten die Geschworenen allerdings seine Schuld nicht fest.

Die Anklageschrift des Verfahrens las sich wie das Drehbuch eines Thrillers: Rana stellte demnach sein auf Auswanderer spezialisiertes Reisebüro als Tarnung zur Verfügung, damit ein weiterer Komplize, David Coleman Headley, Anschlagsziele im Auftrag von Lashkar-e-Taiba ungestört ausspähen konnte.

Headley sagte im Prozess als Kronzeuge aus, der am Donnerstag (Ortszeit) zu Ende ging. Der Sohn eines pakistanischen Diplomaten und einer US-Bürgerin hatte sich im März 2010 schuldig bekannt, um der Todesstrafe zu entgehen. Headley und Rana kennen sich aus einer gemeinsamen Zeit an einer Militärakademie in Pakistan.

Bei den Anschlagsplänen in Dänemark gab sich Headley nach eigener Aussage im Herbst 2008 als Vertreter von Ranas Reisebüro aus und wurde in der Anzeigenabteilung der Zeitung «Jyllands-Posten» vorstellig, um die Räume auszukundschaften.

Bis zu 30 Jahre Haft

Lashkar-e-Taiba wollte offenbar das Gebäude stürmen und so viele Mitarbeiter der Zeitung wie möglich enthaupten, die pakistanische Islamisten-Organisation führte die Pläne allerdings nie aus. Für seine Verwicklung drohen Rana, der seine Unschuld beteuert, nun bis zu 30 Jahre Haft. Seine Anwälte kündigten an, gegen das Urteil vorzugehen.

Headley und Rana sollen der Anklage zufolge auch zwei Jahre lang die Mumbai-Anschläge vorbereitet haben, bei denen aus Pakistan eingereiste Islamisten zwei Luxushotels und andere Ziele in der Finanzmetropole angriffen und 166 Menschen töteten. Die Jury befand aber, dass die Beweislage für eine Verurteilung Ranas dabei nicht ausreiche.

(sda)