Eklat im Weissen Haus

08. November 2018 02:41; Akt: 08.11.2018 08:50 Print

Trump sperrt CNN-Reporter aus

Während der Pressekonferenz zu den Zwischenwahlen kommt es zu einem Streit zwischen dem US-Präsidenten und einem CNN-Star-Journalisten – mit Folgen.

Trump greift bei seiner Pressekonferenz einen CNN-Journalisten hart an. Video: The White House/Youtube
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Nach einer verbalen Konfrontation mit US-Präsident Donald Trump hat das Weisse Haus dem bekannten CNN-Journalisten Jim Acosta die Akkreditierung entzogen. Der Presseausweis für das Weisse Haus sei bis auf Weiteres ausgesetzt, teilte Trumps Sprecherin am Mittwoch mit.

Sie warf Acosta ein «absolut inakzeptables» Verhalten vor. Trump hatte den CNN-Korrespondenten zuvor wegen hartnäckiger Nachfragen als «unverschämte, fürchterliche Person» und «Feind des Volkes» bezeichnet.

Die Auseinandersetzung begann, als Acosta Trump bei einer Pressekonferenz zu seinen Verbalattacken auf die zentralamerikanischen Flüchtlinge befragte, die sich derzeit zu Tausenden auf dem Weg in Richtung USA befinden. Auf die Frage des Journalisten, ob er die Flüchtlingstrecks im Wahlkampf bewusst «verteufelt» habe, reagierte Trump zunächst ausweichend. «Nein, ich möchte, dass sie ins Land kommen. Aber das muss auf legalem Weg geschehen», sagte er.

Weisses Haus entzieht CNN-Reporter Akkreditierung

Als Acosta nachhakte und sagte, bei den Migranten lasse sich kaum von einer «Invasion» sprechen, platzte dem Präsidenten der Kragen. «Ehrlich gesagt sollten Sie mich das Land führen lassen. Sie leiten CNN, und wenn Sie gut wären, wären die Einschaltquoten höher», fuhr er den Reporter an.

Video: Acosta muss Presseausweis abgeben.

Als der CNN-Journalist am Mittwochabend ins Weisse Haus zurück wollte, wurde ihm beim Eingang zu seiner Überraschung der Zutrittsausweis entzogen. (Video: Twitter/Acosta)

«Junge Frau angefasst»

Als dieser eine weitere Frage stellen wollte, entzog Trump ihm das Wort und sagte wiederholt: «Das reicht.» Eine Praktikantin des Weissen Hauses wollte Acosta daraufhin das Mikrofon abnehmen, der Journalist drehte sich aber weg, hielt das Mikrofon fest und stellte Trump eine Frage zu den Russland-Ermittlungen.

Trump antwortete kurz – und griff Acosta dann scharf an: CNN müsse sich schämen, ihn als Mitarbeiter zu haben. «Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten.» Kurz darauf bezeichnete der Präsident Acosta wegen der angeblichen Verbreitung von «Falschnachrichten» durch CNN als «Feind des Volkes».

Das Weisse Haus entzog Acosta kurze Zeit später die Akkreditierung. Trump glaube an eine freie Presse und begrüsse «harte Fragen», erklärte seine Sprecherin Sanders. «Wir werden aber nie tolerieren, dass ein Reporter eine junge Frau anfasst, die nur ihren Job als Praktikantin im Weissen Haus machen wollte» – offenbar ein Verweis auf den Moment, an dem Acosta das Mikrofon nicht abgeben wollte. «Dieses Verhalten ist absolut inakzeptabel.»

Kritik des Korrespondenten-Verbands

Der CNN-Journalist bezeichnete den Vorwurf auf Twitter als «Lüge». CNN stellte sich hinter Acosta. Der Entzug der Akkreditierung sei eine «Vergeltungsmassnahme» wegen der hartnäckigen Fragen des Journalisten. Sanders Vorwürfe seien «betrügerisch». Der Entzug der Akkreditierung sei «beispiellos» und «eine Bedrohung für unsere Demokratie».

Der Verband der im Weissen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) hat den Entzug der Akkreditierung für Acosta als «schwach und fehlgeleitet» kritisiert. Den Zugang zum Weissen Haus zu widerrufen stehe in keinem Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei «nicht akzeptabel», heisst es in einer Erklärung. Der WHCA forderte das Weisse Haus auf, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Der US-Präsident greift regelmässig kritisch über ihn berichtende Medien heftig an, indem er ihnen die Verbreitung von «Falschnachrichten» vorwirft. Auch prangert er sie immer wieder als «Volksfeinde» an.

Trump hatte sich bei der Pressekonferenz am Tag nach den Kongress- und Gouverneurswahlen mit gleich mehreren Journalisten persönlich angelegt. Einer afroamerikanischen Journalistin warf er vor, eine «rassistische Frage» gestellt zu haben.

Im Verlauf der Pressekonferenz im Weissen Haus am Mittwoch steigerte sich Trump regelrecht in Rage auf diverse Fragesteller. Er beklagte eine «feindselige» Stimmung im Raum, beschwerte sich über angeblich grobes Verhalten von Reportern und forderte mehrere von ihnen barsch auf, sich hinzusetzen, wenn sie eine Frage stellen wollten.

Wutausbruch auch bei anderen Reportern

Auch der NBC-Journalist Peter Alexander bekam während der Pressekonferenz sein Fett weg, als er Acosta als «gewissenhaften Reporter» in Schutz nahm. «Ich bin auch kein Fan von Ihnen», schimpfte Trump. «Um ehrlich zu sein, gehören Sie nicht gerade zu den Besten».

Später wurde der Zorn des Präsidenten dann durch die afroamerikanische Korrespondentin Yamiche Alcindor erregt, die unter anderem für den öffentlichen Fernsehsender PBS arbeitet. Sie merkte an, dass Trumps im Wahlkampf formulierte Selbstbeschreibung als «Nationalist» von manchen Beobachtern als «ermutigendes» Signal an «weisse Nationalisten» gedeutet werde.

Trump schnitt Alcindor daraufhin das Wort ab und warf ihr vor, ihn mit einer «rassistischen Frage» beleidigt zu haben. Was die Reporterin gesagt habe, «ist so beleidigend für mich, es ist eine sehr schreckliche Sache, was sie gesagt haben». Er behauptete auch, die «höchsten Zustimmungsraten» unter afroamerikanischen Wählern zu haben.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 08.11.2018 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Inakzeptabel

    Es wird immer besser: Wer kritische Fragen stellt, wird ausgeschaltet und diskreditiert. Ein solches Verhalten ist einer Demokratie und eines Präsidenten nicht würdig. Wer ständig auf alle Seiten austeilt wie Trump, sollte selber demselben Ton mit Fassung einstecken können.

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  • Maler50 am 08.11.2018 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demokratieverständnis

    Trumps Ego verträgt keine Kritik, gleich welcher Art. Sein Demokratieverständnis scheint sehr minimal zu sein.

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  • S.B. am 08.11.2018 05:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur lächerlich

    Wie ein beleidigtes Kleinkind verält sich dieser Präsident!...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • René am 08.11.2018 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der Reporter macht seinen Job

    und dazu gehören nun mal auch kritische Fragen. Politiker müssen darauf gefasst und professionel reagieren können.

  • MKA1919 am 08.11.2018 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pfui Amerika

    Wo sind jetzt all die Leute, die Erdogan,Putin,Kim Jong Un etc etc als Diktator bezeichnen? Ist das Freiheit? Ist das Demokratie von dem Amerikaner immer sprechen? Das zeigt wiedermal dass es nur dann gut ist wenn man es selber macht und wenn andere dasselbe tun ist es inakzeptabel.

    • mth.sch. am 08.11.2018 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MKA1919

      Es hat sehr wohl kritische Kommentare hier. Sie sollten alle lesen.

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  • Swissman73 am 08.11.2018 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hat es nicht anders verdient

    Vor, während und nach der Präsidentenwahl wurde/wird Trump permanent von den linken Medien angegriffen. Nach den Midterm genau gleich. Also jetzt seit über 2,5 Jahren. Er löst Wahlversprechen ein und kümmert sich um die Bevölkerung. Das sind auch Fakten. Es ist Zeit, dass den Medien ein Riegel vorgeschoben wird. (Ich spreche hier nicht von Zensur oder dergleichen.) Denn die Medien sind nicht unschuldig an der Spalterei. Trump macht das schon gut so.

    • CHer Patriot am 08.11.2018 17:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Swissman73

      wann begreift das Rechts, nicht alles was nicht rechts ist. ist automatisch links!

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  • Lucy F am 08.11.2018 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    versteht er eigentlich was er sagt?

    Er sollte sich besser mal um das Land kümmern und das theatralische Getue lassen. Er lässt einerseits ganze Familien an der Grenze verhungern und stellt sich bei einer angeblichen Berührung einer Assistentin so an

  • alright am 08.11.2018 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump hat recht

    Die Frage der Reporterin war wirklich rassistisch.