Tod in Istanbul

12. November 2019 09:27; Akt: 19.11.2019 13:55 Print

«Weisshelme»-Gründer hatte Schnitte im Gesicht

Der Gründer der syrischen Rettungsorganisation «Weisshelme» ist in Istanbul tot aufgefunden worden. Er soll Verletzungen an mehreren Stellen am Körper aufgewiesen haben.

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Der Brite James Le Mesurier, bekannt als Gründer der syrischen Zivilschutzorganisation «Weisshelme», ist in Istanbul tot aufgefunden worden. Le Mesuriers Leiche wurde am frühen Montagmorgen vor seinem Haus im zentralen Stadtteil Beyoglu von Passanten entdeckt.

Die Umstände seines Todes seien bislang unbekannt, erklärte das Amt des Gouverneurs von Istanbul und kündigte eine «umfassende Untersuchung» an. Nichts werde ausgeschlossen, weder Selbstmord, noch Mord oder ein Sturz vom Balkon aus dem dritten Stock der Wohnung des Briten.

Betroffenheit in Syrien

Die Nachrichtenwebsite Habertürk meldete, der 48-Jährige habe Schnittverletzungen im Gesicht gehabt, Beine und Arme seien gebrochen gewesen. Die Tür zu der Wohnung, in der Le Mesurier seit vier Jahren lebte, sei nur mit einem Fingerabdruck zu öffnen gewesen. Le Mesuriers Ehefrau sagte der Polizei, sie und ihr Mann hätten ein Schlafmittel genommen, sie habe nicht bemerkt, was passiert sei.

Der syrische Chef der «Weisshelme», Raed al-Saleh, sagte der britischen Zeitung «The Independent»: «Wir sind tief betroffen.» Die private Zivilschutzorganisation leistete in Syrien humanitäre Hilfe in Gebieten, die nicht unter der Kontrolle der Assad-Regierung standen, was zuletzt immer schwieriger wurde.

Grosser Einsatz im Osten Aleppos

Die «Weisshelme» wurden durch ihren Einsatz im syrischen Bürgerkrieg bekannt, vor allem im Osten der lange Zeit heftig umkämpften Stadt Aleppo. Sie waren nach Bombenangriffen oft unter den ersten Helfern vor Ort. In den vergangenen acht Jahren retteten sie nach US-Angaben mehr als 115'000 Menschen. 2016 wurde die Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Eine Kurz-Dokumentation über sie wurde ausserdem mit einem Oscar ausgezeichnet.

Die Weisshelme sind offiziell als Syrischer Zivilschutz (SCD) bekannt. Der frühere britische Armee-Offizier James Le Mesurier galt als eine treibende Kraft bei der Gründung der Organisation im Jahr 2013. Die Arbeit der rund 3000 Freiwilligen wird mitunter durch Spenden aus dem Ausland möglich gemacht. Die deutsche Regierung unterstützt die Weisshelme schon seit längerem, die US-Regierung hatte erst vor drei Wochen Hilfen in Höhe von 4,5 Millionen Dollar zugesagt.

Auch Gründer von Mayday Rescue Foundation

Le Mesurier hatte auch die in den Niederlanden registrierte Mayday Rescue Foundation gegründet, die Retter für Einsätze bei Konflikten und Naturkatastrophen ausbildet. Die Organisation hatte auch die Weisshelme mit Ausrüstung sowie finanziell unterstützt. Le Mesurier sei ein «grossartiger Anführer, Visionär sowie ein geschätzter Kollege und Freund» gewesen, teilte die Mayday Rescue Foundation mit.

(red/sda)