Meinungs- und Religionsfreiheit

07. Juni 2011 21:22; Akt: 07.06.2011 21:23 Print

Wenig Rückhalt für Muslimbrüder in Ägypten

Eine Umfrage hat die Stimmung nach der Revolution in Ägypten ermittelt. Sie zeigt, dass die Partei der Muslimbruderschaft keine grosse Unterstützung geniesst.

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Die Führungsriege der Muslimbruderschaft mit Generalsekretär Mahmud Hussein (Mitte). (Bild: Keystone/Khaled Elfiqi)

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Nach dem Sturz von Hosni Mubarak wurden im Westen Befürchtungen laut, Ägypten könne sich zu einem islamistischen Staat entwickeln. Dabei wurde vor allem auf den Einfluss der Muslimbruderschaft verwiesen, der wohl am besten organisierten Kraft im Land. Doch eine Umfrage des Forschungsinstituts Gallup relativiert dieses Bild: Nur 15 Prozent der Befragten erklärten, sie unterstützten die Muslimbruderschaft.

Die Führung der Gruppe wies diesen Befund zurück: «Wir glauben, dass unsere Popularität grösser ist», sagte Generalsekretär Mahmud Hussein der Zeitung «Al Masry Al Youm». Das ist durchaus möglich, denn in der Gallup-Umfrage wurde nur nach drei weiteren Parteien gefragt, die alle auf zehn Prozent und weniger kamen. Dabei haben sich bereits mehr als 20 Parteien gebildet, die an den Parlamentswahlen vom September teilnehmen wollen.

67 Prozent für Religionsfreiheit

Und doch zeigt die Umfrage, die im April landesweit unter 1000 Personen im Alter von 15 Jahren und mehr durchgeführt wurde, «einen deutlichen Wandel in der ägyptischen Haltung gegenüber sozialen, religiösen und politischen Reformen», schreibt CNN. So wollen 92 Prozent der Ägypter, dass in der neuen Verfassung die Meinungsfreiheit festgeschrieben wird. 67 Prozent sind zusätzlich für eine garantierte Religionsfreiheit.

Die Religion soll im künftigen Ägypten weiter eine wichtige Rolle spielen. 69 Prozent der Befragten sind dafür, dass religiöse Führer eine beratende Rolle beim Erlass neuer Gesetze erhalten. Nur 14 Prozent aber wollen ihnen die volle Autorität in dieser Frage gewähren, und weniger als ein Prozent wollen Ägypten in eine Islamische Republik umwandeln – die Befürchtungen, am Nil werde ein zweiter Iran entstehen, wirken da leicht übertrieben.

Optimistisch für die Zukunft

Die Umfrage, die von der Gallup-Zweigstelle in Abu Dhabi seit mehreren Jahren durchgeführt wird, zeigt zudem, dass die Ägypter zwar die Gegenwart pessimistisch beurteilen, für die Zukunft aber optimistisch sind. So glauben 53 Prozent, dass sich die wirtschaftliche Lage in ihrer Region verschlechtern wird, und nur 63 Prozent sind mit ihrem Lebensstandard zufrieden. Aber 88 Prozent der Befragten wollen im Land bleiben und nicht auswandern – noch im letzten Herbst waren es «nur» 75 Prozent.

Weiter räumt die Erhebung mit dem Mythos der «Facebook-Revolution» auf. Nur gerade acht Prozent haben sich über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter über den Aufstand gegen das Mubarak-Regime informiert. Dagegen bezogen 63 Prozent ihre Informationen vom Satellitensender Al Jazeera und sogar 81 Prozent vom Staatsfernsehen, das sich nicht gerade durch grosse Objektivität ausgezeichnet hat.

(pbl)