Tiananmen-Gedenken

05. Juni 2013 12:20; Akt: 05.06.2013 17:53 Print

Wenn China die «grosse gelbe Ente» zensiert

Am Jahrestag des Tiananmen-Massakers versuchten chinesische Aktivisten, mit kreativen Beiträgen die Internet-Zensur zu umgehen. Meist hatten sie nur kurzfristig Erfolg.

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Am 24. Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz in Peking hat China jegliche Gedenkfeiern verhindert. Polizisten versperrten am Dienstag den Zugang zum Wanan-Friedhof, auf dem Opfer des Massakers liegen. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens markierten die Sicherheitskräfte Präsenz. Dort hatten Studierende, Menschenrechtsaktivisten und Arbeiter vor 24 Jahren für mehr Demokratie demonstriert. Die Regierung beendete die Proteste am 4. Juni 1989 durch den brutalen Einsatz von Polizei und Militär. Je nach Schätzung kamen zwischen 200 und mehr als 3000 Menschen ums Leben.

Rund um den Jahrestag wurde auch die Zensur des Internets erneut verschärft. Neben Ausdrücken wie «Tiananmen» wurden scheinbar harmlose Wörter wie «heute», «morgen» oder «dieses Jahr» blockiert. Auch bestimmte Zahlenkombinationen landeten auf dem Index, etwa «6-4», «64» oder auch «35», womit der 35. Mai gemeint ist – eine codierte Version des 4. Juni. Chinas Online-Aktivisten liessen sich jedoch nicht einschüchtern, sie lieferten sich mit den Zensoren ein «ausgeklügeltes Katz-und-Maus-Spiel», so der «Guardian».

Anspielungen auf den «Tank Man»

Zum wichtigsten «Kampfplatz» wurde Sina Weibo, die chinesische Variante von Twitter. Dort wurden diverse Bilder gepostet, die an das berühmteste Foto der Proteste erinnerten – den so genannten «Tank Man», der sich ganz alleine vier Panzern in den Weg gestellt hatte. In der beliebtesten Version wurden die Panzer durch vier riesige Plastikenten ersetzt. Eine solche ist derzeit im Hafen von Hongkong als Kunstinstallation zu sehen. Das Bild wurde rasch entfernt und der Suchbegriff «grosse gelbe Ente» ebenfalls blockiert. Auf einem anderen Bild wurde das Panzer-Foto mit Legosteinen nachgestellt (siehe Bildstrecke).

Zu den gesperrten Begriffen gehörte am Dienstag auch «schwarzes Hemd» - der bekannte Dissident Hu Jia hatte die Chinesen auf Twitter aufgefordert, am Jahrestag schwarz zu tragen. Prominente Chinesen reagierten auf die Blockade, indem sie als stillen Protest gar nichts auf Sina Weibo veröffentlichten. Andere umgingen die Zensur mit Anspielungen auf die dunklen Wolken, die am Dienstag über Peking aufzogen. «Der Himmel sieht, was die Menschen sehen. Der Himmel hört, was die Menschen hören», schrieb der Historiker Zhang Lifan laut «Wall Street Journal» in Anspielung auf einen konfuzianischen Text.

«Wir werden niemals vergessen!»

Nur in Hongkong und Macau sind aufgrund ihres politischen Sonderstatus Gedenkanlässe möglich. So gedachten mehrere zehntausend Hongkonger am Dienstag trotz strömenden Regens der blutigen Niederschlagung der Tiananmen-Proteste. Die Menschen versammelten sich mit Kerzen zu einer Nachtwache im Victoria Park der Sonderverwaltungszone. «Verteidigt den 4. Juni! Wir werden niemals vergessen!», riefen die Demonstranten.

(pbl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tankman am 05.06.2013 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Panzer

    Seh ich einfach nicht richtig oder haben die Panzer (In der Bildstrecke) im Angrybird-Style kleine Adolfschnäuzer?

  • Pascal.Keller am 05.06.2013 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Länder und Ihre Geschichten

    Hier heisst es das China von seiner Geschichte nichts wissen will. Ja was dort geschehen ist mag unglaublich schrecklich gewesen sein. Doch wie siehr es mit anderen Ländern aus ? Solche Beiträge haben nicht die positive Wirkung die sie haben sollten. Sonst müssten wir auch wieder mal über die Millionen toten durch die USA sprechen oder auch den Genozig in Ruanda wie auch diverse Atomtests an den Menschen. Man sollte vergangenes auch ruhen lassen. Jedes Volk hat seine Schattenseiten.

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  • Lucky Luciano am 05.06.2013 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Begabung

    In Zensur und Wahrheitsunterdrückung sind sie eben Weltmeister und keine Spur besser als Nordkorea.

Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Campanile am 05.06.2013 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ente

    Verstehe nicht weshalb man sich vor vier Plastikenten stellen sollte. Bitte um Erklärung

  • Tankman am 05.06.2013 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Panzer

    Seh ich einfach nicht richtig oder haben die Panzer (In der Bildstrecke) im Angrybird-Style kleine Adolfschnäuzer?

  • Lucky Luciano am 05.06.2013 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Begabung

    In Zensur und Wahrheitsunterdrückung sind sie eben Weltmeister und keine Spur besser als Nordkorea.

  • Pascal.Keller am 05.06.2013 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Länder und Ihre Geschichten

    Hier heisst es das China von seiner Geschichte nichts wissen will. Ja was dort geschehen ist mag unglaublich schrecklich gewesen sein. Doch wie siehr es mit anderen Ländern aus ? Solche Beiträge haben nicht die positive Wirkung die sie haben sollten. Sonst müssten wir auch wieder mal über die Millionen toten durch die USA sprechen oder auch den Genozig in Ruanda wie auch diverse Atomtests an den Menschen. Man sollte vergangenes auch ruhen lassen. Jedes Volk hat seine Schattenseiten.

    • Berner Bär am 05.06.2013 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      Da haperts auch in Europa

      @Pascal.Keller: Da müssen sie sich nur einmal in Europa herumhören: Die Franzosen sehen in Napoleon einen Friedensfürsten oder schämen sich nicht für die gezielte Unterdrückung der deutschen Sprache im Elsass und in Lothringen, die Spanier verdrängen ihre Vergangenheit bei der Eroberung Südamerikas, Polen und die Tschechei wollen nicht über die Vertreibung am Ende und nach dem 2. Weltkrieg sprechen. Die Italiener lernen ihre "Heldentaten" in Abessinien und Albanien nicht in der Schule. In Russland werden noch heute sowjetische Verbrechen geleugnet oder den Deutschen angedichtet.

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