Hervé Gourdel

24. September 2014 20:23; Akt: 24.09.2014 20:24 Print

Wer war der enthauptete Franzose?

Verbündete der Terrormiliz IS haben den in Algerien entführten Hervé Gourdel enthauptet. Der Franzose war ein leidenschaftlicher Bergsteiger – und politisch überhaupt nicht engagiert.

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Der Schock in Frankreich ist gross. Am Mittwochabend veröffentlichte die Terrorgruppe Dschund al-Khilafa ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der 55-jährige Franzose Hervé Gourdel von seinen Geiselnehmern enthauptet wird. Die Extremisten hatten Gourdel am Sonntag in Algerien entführt und Frankreich ultimativ aufgefordert, binnen 24 Stunden die Angriffe auf IS-Stellungen im Irak zu stoppen.

Doch die französische Regierung hatte es abgelehnt, auf das Ultimatum einzugehen. Premierminister Manuel Valls sagte nach Bekanntgabe der Ermordung Gourdels nur knapp: «Unsere Werte stehen auf dem Spiel.» Ähnlich reagierte Präsident François Hollande, der die Nachricht kurz vor seiner Rede an der UNO-Vollversammlung in New York erhielt: «So schlimm die Situation auch sein mag: Wir werden keiner Erpressung, keinem Druck, keinem Ultimatum nachgeben.» Gourdel sei enthauptet worden, weil er Franzose ist, so Hollande weiter. Frankreich hatte sich Ende vergangener Woche als erstes europäisches Land den US-Luftangriffen auf Stellungen des IS im Irak angeschlossen.

Er verabschiedete sich von seiner Mutter am Samstag

Laut der US-Organisation SITE ähnelt das jüngste Terrorvideo denen von der Enthauptung zweier US-Journalisten und eines britischen Entwicklungshelfers, die vor einigen Wochen von IS-Extremisten umgebracht worden waren.

Im Unterschied zu den drei früheren Opfern war Gourdel jedoch nicht politisch engagiert. Der Franzose arbeitete seit über 20 Jahren als Bergsteiger beim Nationalpark Mercantour, nördlich von Nizza. Gourdel sei zudem ein leidenschaftlicher Fotograf gewesen, berichtet die französische Zeitung «Le Parisien».

Auf seiner Website schreibt der Franzose: «Das Bergsteigen ist eine langjährige Leidenschaft. Dieser Job hat es mir erlaubt, ein Leben am Rande von Büros zu führen.» Die Bilder, die er im Internet veröffentlichte, dienen als Beweis seiner Reisen durch Marokko, Nepal, Vietnam oder Jordanien. «Er liebte die Berge», sagt sein Kollege Eric Ciotti. Hervé Gourdel sei ein «Mann, der nicht nur für seine Fähigkeiten, sondern auch für seine menschlichen Qualitäten geschätzt» wurde.

Vergangenen Samstag verabschiedete sich Gourdel von seiner 82-jährigen Mutter und seinem 88-jährigen Vater. Er gehe für rund 10 Tage nach Algerien, sagte er zu ihnen. Nach Angaben der Wochenzeitung «L'Express» war Gourdel am Sonntag in der Region Kabylei angekommen. Dort habe er eine zwei Tage lange Wandertour vorgehabt, erzählt seine Mutter. «Er warnte uns noch, dass er schwer zu erreichen sei.»

(kle)