Chatten für den Dschihad

13. September 2014 10:38; Akt: 13.09.2014 10:38 Print

Werben die Wiener Mädchen jetzt für den IS?

Die beiden vermissten Wiener Schülerinnen sollen auf einschlägig bekannten Plattformen chatten. Laut Ermittlern haben sie bereits zwei weitere Teenager für den IS rekrutiert.

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Samra Kesinovic (16) und Sabina Selimovic (15) sind am Morgen des 10. April aus ihrem Zuhause in Wien verschwunden. In einem Abschiedsbrief hatten sie den Eltern mitgeteilt: «Wir gehen nach Syrien, kämpfen für den Islam.» Von den beiden fehlt jede Spur. Interpol fand jedoch Bilder im Internet, auf denen die beiden Teenager in Burkas mit Kalaschnikows posieren.

Österreichische Ermittler vermuten jetzt, dass Samra und Sabina von der Terrororganisation «Islamischer Staat» als Werbefiguren verwendet werden. Ein Insider erzählte der «Kronen-Zeitung»: «Samra und Sabina chatten auf einschlägigen Plattformen mit Jugendlichen. Sie schildern, wie toll das Leben an der Front sei und verherrlichen die Massaker an Ungläubigen.»

Die Ermittler glauben zudem, dass die Mädchen auch zwei weitere Österreicherinnen im Alter von 14 und 15 Jahren inspirierten, sich der Terrororganisation IS anzuschliessen. Vergangenen Samstag waren die Schülerinnen an ihrer Ausreise nach Syrien gehindert worden. Nach einer Vermisstenanzeige der Eltern hatte sie die Polizei in Graz aufgegriffen, sagte Innenministeriumssprecher Alexander Marakovits.

Vielleicht werden sie dazu gezwungen

Ob es sich bei den Mädchen auf den Fotos tatsächlich um Samra und Sabina handelt, ist schwer zu sagen. Ausserdem: «Man muss vorsichtig sein mit Verurteilungen. Wir wissen nicht, ob die Mädchen alles aus freien Stücken machen oder sie von der IS instrumentalisiert und gezwungen werden», sagte ein Ermittler zu «Krone».

Man könne auch nicht mit Sicherheit sagen, ob die Mädchen, die vergangene Woche flüchten wollten, mit Samra und Sabina in Kontakt standen, schreibt die britische Zeitung «Daily Mail».

Verfassungsschützer in Österreich warnen inzwischen vor einem regelrechten «Dschihad-Tourismus». Immer mehr Jugendliche würden aufgrund des Propagandafeldzugs der IS in den Gotteskrieg nach Syrien gelockt. Laut «Daily Mail» kämpfen derzeit rund 130 Österreicher als Dschihadisten im Mittleren Osten. «Wenn wir sie erwischen, bevor sie das Land verlassen, haben wir die Möglichkeit, gemeinsam mit den Eltern und anderen Institutionen die meist Minderjährigen aus diesem Kreis, in den sie hineingeschlittert sind, wieder herauszuholen», sagte Marakovits. Aber: «Aber sobald sie das Land verlassen, auch wenn sie danach ihre Meinung ändern, ist es fast unmöglich, wieder nach Hause zu finden.»

(kle)