Von Mali bis Syrien

18. Januar 2013 23:10; Akt: 19.01.2013 16:37 Print

Wie Gaddafis Erbe Nordafrika destabilisiert

Vor 15 Monaten starb Muammar Gaddafi nach der Rebellion in Libyen. Seine Waffenbestände sind aber immer noch da - und werden in zahlreichen Konflikten in der Region verwendet.

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Beim Krieg in Mali werden Waffen aus Libyen eingesetzt. Und nicht nur dort: Libysches Kriegsgerät findet sich heute an vielen Orten zwischen Syrien und dem Sahel. Die neue libysche Regierung ist allein nicht in der Lage, den Schmuggel zu unterbinden.

Seit dem Tod von Muammar al-Gaddafi vor 15 Monaten sind die Waffen aus den Beständen der Armee und der libyschen Revolutionsbrigaden weit gereist. Dass ein Teil der Raketen, Granatwerfer und Sturmgewehre bis nach Syrien und in den palästinensischen Gazastreifen gelangte, ist aus Sicht der meisten Libyer moralisch nicht bedenklich.

Denn sowohl die Bevölkerung als auch die Regierung Libyens sympathisiert mit den Zielen der syrischen Revolutionäre und mit dem palästinensischen Widerstand gegen Israel. Bedenklich finden die Libyer jedoch, dass die Waffen, die am Ende ihres Bürgerkrieges überall zu haben waren, heute von Terroristen in Mali und Algerien benutzt werden.

Ägypten fängt Lieferungen ab

Die Ägypter haben in den vergangenen zwölf Monaten einige Waffenlieferungen aus Libyen abgefangen, die in der Regel über den Umschlagplatz Marsa Matruh im Westen auf die Sinai-Halbinsel gebracht werden. Von dort aus geht es dann laut Erkenntnissen der ägyptischen Polizei weiter durch die Schmugglertunnel in den Gazastreifen.

Auch in Tunesien sind zuletzt geheime Waffenlager ausgehoben worden, in denen Militärgüter aus Libyen lagerten.

Dass die libysche Regierung den Schmuggel nicht unterbindet, liegt nicht etwa daran, dass sie mit militanten Islamistengruppen kooperiert. Die verschiedenen Übergangsregierungen, die seit dem Sturz des Langzeitmachthabers Gaddafi in Tripolis das Sagen haben, sind bislang einfach zu schwach, um den Schmugglern Paroli zu bieten.

Der Direktor der International Crisis Group für Nordafrika, William Lawrence, schrieb im September nach der Ermordung des mit ihm befreundeten US-Botschafters Chris Stevens durch Islamisten in Bengasi: «Das Hauptproblem in Libyen ist, dass es immer noch keinen vollständig funktionierenden Staat gibt, denn Gaddafi hatte alles daran gesetzt, um diesen Staat auseinanderzunehmen. Die Armee und die Polizei sind in einem desolaten Zustand.»

Hinzu kommt, dass einige der Rebellen, die 2011 ihr Leben riskiert hatten, um Gaddafi zu stürzen, der Meinung sind, der neue Staat schulde ihnen noch etwas. Geld mit dem Verkauf ihrer Waffen zu verdienen, erscheint ihnen da nur legitim.

Von Gaddafi bewaffnete Tuareg

Nach Erkenntnissen des US-Sicherheitsberatungsunternehmens Stratfor sind es jedoch nicht nur Waffen aus Libyen, die den Konflikt in Mali anheizen, sondern auch zwischen 2000 und 4000 Tuareg, die einst für Geld in Gaddafis Armee dienten.

Unter Mohamed Ag Najem, einem ehemaligen Oberst der libyschen Armee, kehrten sie 2011 nach Mali zurück, wo sie die Nationale Bewegung zur Befreiung von Azawad (MNLA) gründeten, die eine Zeit lang an der Seite der islamistischen Extremisten von Ansar al-Din kämpften, bevor es zu Rivalitäten zwischen den beiden Gruppen kam.

Die Geiselnahme in Algerien durch Terroristen, die sich mit den Islamisten in Mali solidarisch erklärt haben, wird zwar auch in vielen islamischen Ländern kritisiert. Die Regierungen dieser Länder sowie mehrere islamische Religionsgelehrte hatten sich jedoch in den vergangenen Tagen auch kritisch zum Militäreinsatz der Franzosen in Mali geäussert.

Zu den Staaten, die eine politische Lösung des Konflikts forderten, gehört unter anderem Ägypten, das im Gegensatz zu Libyen derzeit von Islamisten regiert wird.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Meier am 19.01.2013 00:14 Report Diesen Beitrag melden

    "Seine Waffenbestände?"

    HAHAHAHAHA, das sind die der NATO!

  • Stefan B. am 19.01.2013 00:13 Report Diesen Beitrag melden

    Shaira Powerplay

    Krass. Die Bildfolge mit der Werbung 18/19 Bild Shariah und dann die Werbung Shakra Powerplay kurz danach. Hab zuerst Shaira Powerplay gelesen.......

  • Patrick am 19.01.2013 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Ja genau Gaddaffis Erbe, eher der Westen der das wissentlich(wahrscheinlich auch mit Absicht) zuliess und selbst auch noch mehr Waffen geliefert hat, immer dieses scheinheilige getue..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hamlet am 19.01.2013 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Erschöpfung

    Lasst sie doch die Köpfe bis zum Schluss einschlagen. Nur dann siegt die Vernunft das nur ein miteinander funktioniert. Bei allen Varianten wird es jedoch viel Leid geben.

  • Stee am 19.01.2013 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Genau!!

    Zit: keinen vollständig funktionierenden Staat gibt, denn Gaddafi hatte alles daran gesetzt, um diesen Staat auseinanderzunehmen. Ich glaube wircklich langsam ich Spinne, glaubt ihr wircklich wir sind so vergesslich und naiv? Die Nato hat den Saat in Grund und Boden gebompt, an vordester Front die Franzosen und Amerikaner.. Jetzt gibt es sogar mehrere Übergangsregierungen in Lybien, habe ich das richtig gelesen, suuper, nie habt ihr etwas erwähnt von Lybien, jetzt weiss ich auch warum. Wäre schwierig geworden eine Intervention in Syrien durchzubringen, wenn man die Resultate anschaut.

  • Pit Rorschach am 19.01.2013 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die Geister, die ich rief....

    Es sind nicht nur Gaddafi's Waffen, die ja teilweise total veraltet waren. Es sind mehrheitlich Waffen, die Frankreich selbst - und andere westliche Staaten auch - damals den Aufständischen gegeben hat. Genau diese Waffen richten sich nun gegen die, de sie geliefert haben. Irgendwann rächt sich eben jedes unsaubere Tun.

    • Gerold am 19.01.2013 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      Frankreichs Interventionen

      Exakt. Es war falsch, in den Bürgerkrieg in Libyen einzugreifen. Und es war ein katastrophaler Fehler, Waffen zu liefern. Was solches Tun mit "Landesverteidigung" zu tun hat, soll mir bitte mal jemand erklären!

    • nordi am 19.01.2013 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau!

      es gibt doch noch leute die etwas mehr hinter die kulissen schauen...

    • leme am 19.01.2013 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      gerechtigkeit

      hast recht

    • Peter Meier am 19.01.2013 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Rebellen? 

      Super Kommentar von Pit Rotschach. Er hat es auf den Punkt gebracht.

    • Steff am 19.01.2013 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      Schuld?

      Ja, es ist einfach die Schuldigen wo anderst zu suchen. Zum Glück gab es in Europa nie Leid oder Leibeigenschaft. Und zum Glück gab es bei uns nie Bürgerkriege etc. ... oder sind wir einfach schon weiter als gewisse andere Regionen die es vielleicht einfach noch nicht begriffen haben? Wie gesagt, es ist einfach den anderen die Schuld zuzuweisen :)

    einklappen einklappen
  • Abu dabi am 19.01.2013 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Korrektur 

    Gaddhafi ist nicht gestorben, er wurde umgebracht. Und was gerade passiert, ist unsere Schuld, weil wir ja dachten, jetzt kommt Demokratie im Norden Afrikas.

  • Martin am 19.01.2013 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst schuld

    Selbst schuld. Ihr wollt ja alle machthaber stürzen. Vorher haben die länder super funktioniert, nun gibt es dort überall nur noch chaos