Medizin-Nobelpreis

07. Oktober 2013 17:38; Akt: 07.10.2013 17:38 Print

Wie Zellen miteinander kommunizieren

Ein gebürtiger Deutscher und zwei Amerikaner entdeckten, wie Hormone und Enzyme in menschlichen Zellen transportiert werden. Dafür erhalten sie den Nobelpreis für Medizin.

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Die Gewinner des diesjährigen Nobelpreises (von links): Randy Schekman, Thomas Südhof und James Rothman. (Bild: Reuters)

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Der in Deutschland geborene Wissenschaftler Thomas Südhof sowie die beiden Amerikaner James Rothman und Randy Schekman erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Medizin. Damit werden ihre Forschungen zum sogenannten Vesikelverkehr, einem Transportsystem in den menschlichen Zellen, gewürdigt. Dies gab das Nobelkomitee am Karolinska-Institut in Stockholm am Montag bekannt.

Vesikel sind kleine Bläschen, die wie eine Art Frachtträger agieren. Die Forschungen von Südhof, Rothman und Schekman hätten Wissenschaftlern dabei geholfen zu verstehen, wie Transportgut innerhalb Zellen «an den richtigen Ort zur richtigen Zeit» geliefert werde, hiess es in der Begründung des Nobelkomitees. Störungen in diesem Transportsystem könnten unter anderem zu Diabetes oder neurologischen Erkrankungen beitragen.

«Stellen Sie sich Hunderttausende Menschen vor, die durch Hunderte Meilen von Strassen reisen», sagte der Sekretär des Nobelkomitees, Göran Hansson. «Wie werden sie den richtigen Weg finden? Wo wird der Bus anhalten und seine Türen öffnen, damit Menschen aussteigen können?» So ähnlich würden die Probleme in einer Zelle aussehen, erklärte Hansson.

Kinder profitieren

Die Entdeckungen von Südhof, Rothman und Schekman hätten Ärzten geholfen, eine schwere Form von Epilepsie und Immunschwächekrankheiten bei Kindern zu diagnostizieren, sagte Hansson. Wissenschaftler hoffen, dass die Forschung zur Entwicklung von Medizin gegen gängigere Arten von Epilepsie, Diabetes und anderen Stoffwechselstörungen beiträgt, wie Hansson erklärte.

Schekman entdeckte in den 70er Jahren einen Satz Gene, die Voraussetzung für den Vesikeltransport sind. Rothman fand in den 80ern und 90ern heraus, wie Vesikel ihr Transportgut an den richtigen Ort bringen. Und Südhof identifizierte in den 90er Jahren den Mechanismus, der steuert, wann die Vesikel chemische Botenstoffe von einer Gehirnzelle freigeben, wodurch die Kommunikation mit einer anderen Zelle ermöglicht wird.

«Dies ist nicht über Nacht passiert», sagte Rothman über die Forschung. «Das meiste davon ist über viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte hinweg geleistet und entwickelt worden.»

Südhof ist auch Amerikaner

Der 57-jährige Südhof lehrt seit 2008 an der Stanford University in Kalifornien. Der 62 Jahre alte Rothman ist Professor an der Yale University (US-Staat Connecticut), der 64-jährige Schekman lehrt an der kalifornischen Berkeley-Universität.

Südhof, der seit 1983 in den USA wohnt und auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat, sagte, das Nobelpreiskomitee habe ihn angerufen, als er in die südspanische Stadt Baeza unterwegs gewesen sei, um einen Vortrag zu halten. «Um ehrlich zu sein, dachte ich zuerst, es sei ein Witz», sagte er der Nachrichtenagentur AP auf Englisch. «Ich habe viele Freunde, denen derartige Streiche zuzutrauen wären.»

Schekman sagte, er sei um 1.00 Uhr morgens zu Hause in Kalifornien vom Vorsitzenden des Nobelpreiskomitees geweckt worden. Er habe noch unter Jetlag gelitten, da er gerade erst von einer Reise nach Deutschland zurückgekehrt sei. «Ich habe nicht allzu klar gedacht», sagte er der Nachrichtenagentur AP. «Alles was ich sagen konnte war 'Oh mein Gott' und das war's.»

Literaturpreis kommt morgen Dienstag

Der Nobelpreis sei eine wunderbare Anerkennung der Arbeit, die er und seine Studenten geleistet hätten, sagte Schekman weiter. «Ich habe meinen Labor-Manager angerufen und ihm gesagt, er solle ein paar Flaschen Sekt kaufen und damit rechnen, mit meinem Labor zu feiern», sagte er.

Mit der Bekanntgabe der Preisträger im Fach Medizin wurde die diesjährige Nobelpreiswoche eingeläutet. Am (morgigen) Dienstag wird bekanntgegeben, wer den Nobelpreis für Physik erhält, am Mittwoch folgt die Bekanntgabe im Fach Chemie. Der Gewinner des Literaturnobelpreises wird am Donnerstag mitgeteilt. Am Freitag wird bekanntgegeben, wer neuer Friedensnobelpreisträger wird.

Die Preise sind nach ihrem Stifter, dem Schweden Alfred Nobel, benannt und werden jährlich am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, verliehen. Die Preisträger werden von den Preiskomitees in Stockholm bekanntgegeben, nur der Friedensnobelpreis am Freitag wird in Oslo verkündet. Am Montag, 14. Oktober, folgt der von der Schwedischen Reichsbank zum Gedenken an Alfred Nobel gestiftete Preis in Wirtschaftswissenschaften.

Jeder Nobelpreis ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (gut 900 000 Euro) dotiert.

(sda)

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