Nach der Diktatur, Teil III

27. Juni 2011 09:05; Akt: 28.06.2011 12:42 Print

Wie das Militär seine Gefangenen entsorgte

von Karin Leuthold - Erstmals seit dem Ende der argentinischen Militärdiktatur kommen die Verantwortlichen vor Gericht – und Gräueltaten ans Licht.

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Die ehemaligen Piloten Alejandro D’Agostino, Enrique De Saint Georges und Mario Arru sind die ersten drei Angeklagten im Fall der sogenannten «Todesflüge». Erstaunlich eigentlich, denn der Verdacht, dass die Gefangenen während der Militärdiktatur in Argentinien aus Flugzeugen lebend in den Rio de la Plata geworfen wurden, besteht seit 1983.

Obwohl das argentinische Militär sich bisher weigert, die von 1976 bis 1983 begangenen Verbrechen anzuerkennen, hat es die Protokolle der Flüge aus dieser Zeit freiwillig an die Abteilung der Staatsanwaltschaft ausgehändigt, die für die Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur zuständig ist. Die Kommission benötigte zwei Monate, bis sie die 3000 Formulare durchgekämmt hatte. Doch schliesslich fanden sie, wonach sie suchten: Elf regelwidrige Einträge zwischen 1976 und 1978.

Hin und zurück – ohne Zwischenlandung

Bei der Untersuchung war den Ermittlern aufgefallen, dass viele Flüge nachts ausgeführt wurden. Die drei Piloten flogen meistens auf den Atlantik hinaus, bis zur 140 Kilometer entfernten Insel Punta Indio, und kehrten ohne Zwischenlandung zurück. Der Menschenrechtskommission fiel vor allem der Eintrag vom 14. Dezember 1977 auf: In jener Nacht sind vermutlich die zwei französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet verschwunden.

Die Ordensfrauen waren zwischen dem 8. und dem 10. Dezember festgenommen worden und wurden im Keller der Mechanikerschule der Marine in Buenos Aires festgehalten, der zum Knast umfunktioniert worden war. Am 14. Dezember waren die beiden Frauen noch am Leben: Ein Bild, auf dem sie die Ausgabe der Zeitung «La Nación» in der Hand halten, bezeugt dies.

Laut Logformular sind die drei angeklagten Piloten in jener Nacht um 21.30 Uhr mit dem Skyvan-Flieger vom Inlandflughafen Buenos Aires abgeflogen und um 0.40 Uhr wieder gelandet. Die Leichen der Nonnen wurden am 20. Dezember am Ufer des Rio de la Plata angespült.

Perverses Verhalten

Ein besonders perverser Aspekt bei diesen Todesflügen ist der Umgang der Vorgesetzten mit den Piloten: De Saint Georges wurde in der Phase, in der er gehorsam Befehle ausführte, gelobt. So vermerkte sein Chef Roberto Salinas in seinem Dossier «die Liebe zur Institution, die er mit Stolz vertrat». Er sei «bedingungslos loyal». Arru hielt er für «einen ausgezeichneten Offizier, der mit voller Verantwortung» seine Aufgabe erfüllt, «immer erfolgreich».

Doch als De Saint Georges ein Jahr später ankündigte, er wolle als Zivilpilot zur Luftfahrtgesellschaft «Aerolíneas Argentinas» wechseln, änderte sich die positive Meinung der Vorgesetzten. Nun hiess es, der Mann zeige «kein Engagement».


Teil I der Serie: «Argentiniens verlorene Kinder»

Teil II: «Gebt die Enkel zurück!»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Spiegel am 27.06.2011 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre zu wünschen,

    dass die Befehlsgeber auf die gleiche Weise entsorgt werden um ihnen die eigene Perversion nochmals kurz zu demonstrieren.

  • Hai max am 27.06.2011 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Weiss man schon längst!

    Man weiss, dass die argentinische Militärjunta ihre politischen Gegner betäubte und mit Flugzeugen tief im Atlantik entsorgte! Faschismuss in Reinkultur

    einklappen einklappen
  • Minnie Mouse am 27.06.2011 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Umgang

    Schon krass was Menschen alles ihren 'Artgenossen' antun können... aber das ist ja nichts neues :/

Die neusten Leser-Kommentare

  • benny aegerter am 28.06.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    paraguay

    in paraguay war das unter "präsident" stroessner auch gang und gäbe. dort wurde die leute (3000) einfach im "chaco"-gebiet aus dem flugzeug geworfen.

  • Monique am 28.06.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gräueltaten

    Graäueltaten (sprich unangenehme Wahrheiten) kommen stets erst nach Jahrzehnten ans Licht, oder besser gesagt wird man darüber berichtet.

  • Serious Sam am 27.06.2011 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Einsperren bis ans Ende der Zeit

    Einsperren bis ans Ende der Zeit. Ja keine Kuscheljustiz.

  • Spiegel am 27.06.2011 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre zu wünschen,

    dass die Befehlsgeber auf die gleiche Weise entsorgt werden um ihnen die eigene Perversion nochmals kurz zu demonstrieren.

  • Minnie Mouse am 27.06.2011 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Umgang

    Schon krass was Menschen alles ihren 'Artgenossen' antun können... aber das ist ja nichts neues :/