Fragen und Antworten

23. September 2014 22:01; Akt: 24.09.2014 12:53 Print

Wie geht der Luftkrieg in Syrien weiter?

Unterstützt von fünf arabischen Staaten fliegen die USA Luftangriffe auf Einrichtungen des IS und eines Al-Kaida-Ablegers in Syrien. Was wurde bewirkt, und wie geht es weiter?

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In der Nacht auf Dienstag hat US-Präsident Barack Obama seine Ankündigung von vor zwei Wochen wahrgemacht und den Luftkrieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vom Irak auf Syrien ausgeweitet. «Dies ist nicht allein ein Kampf Amerikas», sagte Obama am Dienstagmorgen vor dem Weissen Haus und lobte die Teilnahme von fünf sunnitisch-arabischen Staaten an den Bombardierungen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dieser neuen Wendung im Kampf um die Zukunft des Nahen Ostens:

Wer war an den Luftschlägen beteiligt?

Zum ersten Mal machten bei den Luftangriffen arabische Länder mit. Zusammen mit US-Kampfflugzeugen flogen Jets aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus Saudi-Arabien und aus Bahrain. Auch das Königreich Jordanien beteiligte sich an der Aktion, die um 3:30 MESZ begann. Zu der arabischen Koalition zählt sich sogar Katar, das im Verdacht steht, radikal-islamische Gruppen wie die Muslimbrüder oder eben den IS finanziell zu unterstützen.

Wer blieb aussen vor?

Keiner der europäischen Alliierten der Vereinigten Staaten schickte Kampfjets nach Syrien. Frankreich flog zwar schon Angriffe auf IS-Ziele im Irak, verzichtete aber auf eine Teilnahme an der Aktion. Das Vereinigte Königreich zögert.

Was wurde getroffen?

Die Angriffe galten Einrichtungen in verschiedenen vom Islamischen Staat kontrollierten Städten Syriens, allen voran in Rakka, der «IS-Hauptstadt». Insgesamt seien 14 Ziele getroffen worden, meldet das US Central Command: Kommandozentralen, Trainingseinrichtungen, Lagerstätten und Fahrzeuge. Daneben griffen US-Flugzeuge die Khorasan-Gruppe an, ein Netzwerk von Al-Kaida-Veteranen, das in Syrien Zuflucht gefunden hat. Laut Centcom habe die Gruppe «Pläne für unmittelbare Angriffe auf die Vereinigten Staaten und westliche Interessen» geschmiedet.

Welche Schäden und Opfer gab es?

Das Pentagon beschrieb die Angriffe am Dienstagmorgen als «sehr erfolgreich». Die Einrichtungen seien schwer beschädigt oder zerstört worden. Die meisten waren jedoch in den letzten Tagen vom IS evakuiert worden. Laut dem «Syrischen Observatorium für Menschenrechte» wurden mindestens 70 IS-Kämpfer getötet. Die Schläge gegen die Khorasan-Gruppe bei Aleppo sollen 50 Terroristen das Leben gekostet haben. Von hochrangigen IS-Opfern wurde nichts bekannt.

Welche Waffen wurden eingesetzt?

Die USA feuerten 47 Tomahawk-Marschflugkörper von zwei Schiffen ab, den Zerstörern USS Arleigh Burke im Roten Meer und USS Philippine Sea im Persischen Golf. Kampfbomber vom Typ F/A-18 starteten vom Flugzeugträger USS George H.W. Bush, und über Syrien flogen ferngesteuerte Drohnen. Zum ersten Mal überhaupt wurden Tarnkappenbomber vom Typ F-22 eingesetzt, die je über hundert Millionen Dollar kosten.

Wie geht es weiter?

Obama machte klar, dass die Angriffe bloss ein Anfang seien. Experten glauben allerdings nicht, dass sie mit der Intensität der vergangenen Nacht lange fortgeführt werden können, da sich der IS versteckt und deshalb die Ziele fehlen. Die Erfahrung nach bisher 194 Bombenangriffen auf Ziele im Irak zeigt, dass sich der IS allein aus der Luft nicht besiegen lässt. Wer in Syrien die Bodenangriffe übernimmt, ist vorerst unklar. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird der IS jetzt auf Rache sinnen.

(sut)