Nigeria

24. Juni 2014 11:07; Akt: 24.06.2014 14:29 Print

Wieder 91 Menschen verschleppt

Die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram soll erneut zugeschlagen haben: Im Nordosten des Landes sind 60 Frauen und Mädchen sowie 31 Buben entführt worden.

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Am 17. Oktober sagte Boko Haram zu, die gefangenen Schülerinnen im April 2015 freizulassen. Ende Februar haben einige Mädchen nach Vergewaltigungen Kinder geboren. Islamisten der Gruppe Boko Haram erlangten internationale Beachtung, weil sie am 15. April 2014 mehr als 200 Schulmädchen in ihre Gewalt gebracht hatten. Mitte Juni wurden in Nigeria erneut 60 Frauen und Mädchen sowie 31 Buben verschleppt Er gilt als Chef der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram: Abubakar Shekau. Dieses Foto stammt aus einer Videobotschaft, die am 12. Mai 2014 veröffentlicht wurde. Es zeigt Dutzende der entführten Schulmädchen. Erst Anfang Juni sollen Boko-Haram-Kämpfer weitere 22 Frauen im Norden des Landes entführt haben. Hier protestieren einige Frauen der «Bring back our Girls»-Bewegung. Am 12. Juni hatte ein Gericht in Abuja das durch die nigerianische Polizei eingeführte Demonstrationsverbot wieder aufgehoben. Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan verspricht, die 270 entführten Schulmädchen in Sicherheit zu bringen. Die radikalislamistische Terrorgruppe Boko Haram solle für ihre Taten verantwortlich gemacht werden. Er ist seit 2010 Chef der nigerianischen Terrororganisation Boko Haram: . Er gilt als intelligent, präsentiert sich in Videobotschaften aber gerne als völlig durchgeknallt. Die USA, die Boko Haram 2013 als Terrorgruppe definierten, haben ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar auf Shekau ausgesetzt. Seit 2009 terrorisiert Boko Haram Nigeria. Die Organisation ist für den Tod von rund 10'000 Menschen verantwortlich. Erklärtes Ziel der Terrorgruppe ist es, den mehrheitlich muslimisch geprägten Norden Nigerias vom christlich dominierten Süden abzutrennen und ein strikt islamistisches Kalifat zu errichten. Am 6. Mai bot US-Aussenminister John Kerry Hilfe an: Er will ein helfen. Die Massenentführung von gegen 300 Schülerinnen seit dem 14. April 2014 setzt Staatspräsident zunehmend unter Druck. Ihm wird Untätigkeit, Unfähigkeit und Korruption vorgeworfen. Auch die steht unter Beschuss. Abgesehen davon, dass sie ebenfalls korrupt ist, soll sie mit Boko Haram zusammenarbeiten. Ausserdem wirbt die Terrororganisation Mitglieder der Armee ab und schleust eigene Mitglieder in die Armee. (Bild: Brigadegeneral Chris Olukolade versucht, Demonstranten zu beruhigen, 6. Mai) Seit Wochen fordern die Menschen in zahlreichen Städten Nigerias die Freilassung der fast 300 entführten Mädchen und demonstrieren gegen die Regierung und die Terrororganisation. (Bild: trauernde Mutter) «Keine Freilassung, keine Stimme»: Das Plakat bezieht sich auf die Wahlen, die im 2015 anstehen. «Das ist Terrorismus, nicht Islam»: Die Massenentführung hat die ethnisch gespaltene Bevölkerung zusammengeführt. Doch am 6. Mai verschleppte Boko Haram in Warabe im Norden weitere elf Mädchen. Am 5. Mai wurde bekannt, dass die First Lady zwei Protestführerinnen hatte verhaften lasssen. Patience Goodluck (Bild) warf den beiden vor, sie wollten den Ruf ihres Mannes zerstören. Die Proteste gegen die Untätigkeit der Regierung nehmen täglich zu. Christen und Muslime fordern die Freilassung der Mädchen und ein Ende der Entführungen. Am 5. Mai 2014 bekennt sich der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau (Mitte) in einem Video zur Entführung der gegen 300 Mädchen im Norden Nigerias. «Ich habe eure Mädchen entführt», sagt Shekau im Video, «ich werde sie auf dem Markt verkaufen, so Gott will.» Die Mädchen waren am 14. April 2014 im Norden des Landes entführt worden. Je nach Angaben gelang zwischen 43 und 52 Kindern die Flucht. 2.5. Die Vorstellung, dass die Mädchen als Sexsklavinnen missbraucht werden, ist unerträglich. Es ist nicht das erste Mal, dass Boko Haram Mädchen und junge Frauen entführt. Aber noch nie wurden so viele aufs Mal entführt: 276 Schülerinnen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren wurden am 14. April in Chibok im Norden Nigerias verschleppt. Rund 52 Schülerinnen gelang die Flucht.

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In Nigeria haben vermutlich Islamisten erneut mindestens 60 Frauen und Mädchen verschleppt.

Die Entführungen aus mehreren Dörfern im Bundesstaat Borno sollen sich in der vergangenen Woche zwischen Donnerstag und Samstag ereignet haben.

Das berichtete die Zeitung «Premium Times» unter Berufung auf örtliche Sicherheitskräfte. Unter den Geiseln sollen sich nach Zeugenangaben auch kleine Mädchen und Babys befinden.

Viele Bewohner hätten versucht zu fliehen. Mindestens vier von ihnen seien von den Angreifern erschossen worden. Es sollen auch 31 Männer gekidnappt worden sein. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht.

Es wird vermutet, dass Kämpfer der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram hinter der Tat stecken. Diese verübt seit Jahren immer wieder schwere Anschläge mit mittlerweile Tausenden Toten.

Die Extremisten hatten Mitte April über 200 Schülerinnen aus dem Ort Chibok in der gleichen Region entführt. Von ihnen fehlt trotz intensiver Suche auch mit internationaler Hilfe bisher jede Spur. Boko Haram hatte gedroht, die meist christlichen Mädchen als Sklavinnen zu verkaufen.


Über 70 Islamisten getötet

Unterdessen wurde bekannt, dass das nigerianische Militär bei einem Luftangriff im Norden mehr als 70 mutmassliche Boko-Haram-Mitglieder getötet hat. Unter den Opfern sollen auch zahlreiche Männer gewesen sein, die am vergangenen Wochenende ein Dorf in der Nähe von Chibok überfallen und zahlreiche Menschen getötet hatten. Ein Militärsprecher sagte der Nachrichtenagentur DPA, bei dem Angriff seien auch mehrere Fahrzeuge der Extremisten zerstört worden.

«Es handelte sich um eine Überraschungsattacke. Dies ist Teil unserer neuen Strategie», erklärte der Sprecher. Die Regierung wirkte lange hilflos im Kampf gegen die Terroristen, die seit 2009 ihre blutige Gewalt verbreiten. Zuletzt gab es zunehmend Kritik an Präsident Goodluck Jonathan. Die Boko Haram will im Norden des Landes einen islamistischen Gottesstaat aufbauen.

(pat/sda)