Nach dem Erdbeben

21. Mai 2012 17:10; Akt: 21.05.2012 17:27 Print

Wieder streitet Italien über Risiko-Neubauten

Nach dem Erdbeben vom Sonntag werden in Italien Erinnerungen an das Drama von L'Aquila vor drei Jahren wach. Eines haben beide Tragödien gemeinsam: Auch diesmal sind viele Neubauten eingestürzt.

Bildstrecke im Grossformat »
Nach dem heftigen Erdbeben vom 20. Mai und den Nachbeben vom 21. Mai suchen Feuerwehrleute nach Überlebenden. Bild: Rettungskräfte bei der Arbeit in Sant'Agostino. Die Erdbeben haben sieben Menschen das Leben gekostet. Aus Angst vor Nachbeben suchen am 20. Mai viele Menschen in einer kleinen Tennishalle in Finale Emilia Zuflucht. Hier warten die Menschen, bis sie wieder in ihre Unterkünfte gehen können - sofern diese nicht durch das Erdbeben komplett zerstört worden sind. Diese Familie erholt sich in einem Kindergarten in Mirabello von den Strapazen. Die Menschen sind geschockt und getrauen sich nicht mehr in ihre Häuser zurück. Besonders heftig hat des den Ort Finale Emilia getroffen. Nicht nur die Kirche wurde stark beschädigt. Auch der alte Turm stürzte ein. Zunächst «nur» teilweise ... ... nach einem heftigen Nachbeben der Stärke 5,1 am Sonntagnachmittag krachte der Turm komplett zusammen. Dieses Bild des einstigen Turms in Finale Emilia wird wohl nicht so schnell vergessen. Auch der Turm der Stadthalle von Finale Emilia ist zerstört. Das zerstörte Castello Delle Rocche in Finale Emilia. Ein weiteres havariertes Gebäude in Finale Emilia. Nicht nur historische Bauten, auch Autos ... ... und Läden wurden beschädigt. Die meisten Menschen - wie hier in Finale Emilia - können nicht mehr zurück in ihre Häuser. Sie werden in Zelten untergebracht. Es ist ungewiss, wie lange sie hier wohnen müssen. Manche müssen zurzeit in Massenschlägen wohnen - riesige Zelte, die rudimentär mit Campingbetten, -tischen und -stühlen ausgerüstet sind. Auch in Sant' Agostino, rund 12 Kilometer nordwestlich von Finale Emilia, hat das Beben grosse Schäden hinterlassen. Im Bild ist das Rathaus nach dem ersten Beben ... ... und nach den Nachbeben. Ein Keramikfabrik in Sant' Agostino ist völlig in sich zusammengebrochen. In Santuario wurde der Glockenturm der Kirche beschädigt. Die Kirche von San Carlo ist beinahe vollständig zerstört. Der Blick auf eine Heiligenstatue der Kirche von San Carlo. Bloss ein paar Mauern und ein paar Statuen stehen noch. Oriano Caretti betrachtet die Schäden an seiner Käserei in San Giovanni in Persiceto. Noch kann er den Schaden nicht beziffern. In Burana sind Silos eingestürzt. Bilder des Schreckens auch aus San Felice sul Panaro. Das Dach dieses Gebäudes und ein Teil der Fassade in San Felice Sul Panaro sind eingestürzt. In Ferrara hat es alte und neue Bauten gleichermassen erwischt. Das Epizentrum lag 35 Kilometer nord-nordwestlich von Bologna in San Felice sul Panarao.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die schlimme Erinnerung an das Erdbeben vom 6. April 2009 in L'Aquila sitzt immer noch tief. Damals bebte die Erde mit einer Stärke von 6.3 auf der Richterskala und zerstörte mehrere Neubauten. Insgesamt waren 300 Menschen ums Leben gekommen. Schon bei dieser Gelegenheit war die Debatte über die schlechte Bauqualität der relativ neuen Hochhäuser aufgekommen. Ein leises Versprechen, dies zu korrigieren, wurde aus verschiedenen politischen Ecken ausgesprochen.

Doch geändert hat sich nicht viel: Auch diesmal wurden sowohl alte, als auch viele neue Häuser beim Erdbeben in Emilia Romagna, das nicht zu den stärksten gehört, zerstört. Die Seismologen haben allerdings für die grosse Zerstörung der Gebäude eine Erklärung: «Alle Erdbeben, die das Epizentrum genau unter einer Stadt haben, richten grosse Schäden an», meinte Gianluca Valensise gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA. Als Beispiele nannte er das Erdbeben von L'Aquila, jenes von Messina in Sizilien oder von Reggio Calabria, bei dem im Jahr 1908 100 000 Menschen starben.

Grosser wirtschaftlicher Schaden

Die Behörden bemühen sich unterdessen, den entstandenen Schaden an Wohnhäusern, Verwaltungsgebäuden, Schulen und Kirchen abzuschätzen. Die Bewohner der Region fürchten sich derzeit vor Nachbeben. «Das macht den Menschen Sorgen», sagte der Präsident der Region Emilia Romagna, Vasco Errani, dem Fernsehsender Sky TG24. «Damit müssen wir umgehen, weil es auch einen psychologischen Aspekt gibt. Als Folge beschleunigen wir die Überprüfungen der Gebäude.»

Derzeit versucht man zudem die Schäden in der Landwirtschaft zu beziffern. Der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti erklärte, bei dem Erdbeben seien rund 300 000 Käselaibe zerstört worden. Der Verband sprach von einem Schaden in Höhe von 50 Millionen Euro für die Hersteller.

(kle)