Kundgebung

27. März 2011 14:04; Akt: 27.03.2011 14:39 Print

Wilde Schlachten auf Londons Strassen

In London sind mehr als eine Viertel Million Menschen gegen den Sparkurs der Regierung auf die Strasse gegangen. Am Rande der Kundgebung kam es zu Zusammenstössen mit der Polizei.

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Polizisten und Demonstranten lieferten sich in London Strassenschlachten. (Bild: AFP)

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Maskierte bewarfen Polizisten mit Flaschen, Farbe und mit Ammoniak gefüllten Glühbirnen. Sie zerschlugen im Stadtzentrum Fenster, brachen in eine Bank ein und legten ein Feuer in der Haupteinkaufsstrasse Oxford Street. Mehr als 200 Menschen wurden festgenommen.

Zu der Demonstration hatten die Gewerkschaften aufgerufen. Sie sprachen von der grössten Kundgebung in London seit den Protesten gegen den Irak-Krieg 2003. Gewerkschaftsangaben zufolge kamen mehr als 250 000 Menschen, um gegen Sparmassnahmen, steigende Arbeitslosenzahlen, Steuererhöhungen und Pensionsreformen zu demonstrieren.

Bereits im Dezember war es bei einer Demonstration zu Zusammenstössen zwischen Studenten und der Polizei gekommen. Am Rande einer Parlamentsabstimmung über die Erhöhung von Studiengebühren hatten damals Demonstranten die Beamten attackiert und das Finanzministerium gestürmt.

Zerstörungswut

Diesmal bot sich ein ähnliches Bild: Nachdem zunächst hunderttausende Menschen friedlich protestiert hatten, kam es in der Nacht zu Sonntag zu schweren Ausschreitungen.

Mehrere hundert maskierte Randalierer zerstörten in der Innenstadt die Fenster von Banken und Geschäften und besetzten das Luxus-Kaufhaus Fortnum and Mason. Sie warfen Glasflaschen und Farbbeutel, schlugen Schaufenster ein, attackierten das Hotel Ritz mit Geschossen und beschmierten es mit Farbe.

Nach Polizeiangaben wurden zudem Ammoniak-Kapseln auf Sicherheitskräfte geworfen. Die Polizei, die mit 4500 Beamten im Einsatz war, schätzte die Zahl der Randalierer auf etwa 500. Als diese am historischen Trafalgar Square Feuer legten, wurden sie schliesslich von der Polizei gestoppt.

«Absolut inakzeptabel»

«Es handelt sich leider um eine Gruppe von Kriminellen, die nichts mit dem Protestmarsch zu tun haben», sagte der Scotland-Yard- Beamte Bob Broadhurst dem Sender Sky News. Nach Polizeiangaben wurden 53 Demonstranten und 31 Polizisten verletzt. Dutzende mussten zur Behandlung ins Spital eingeliefert werden.

Schatzmeisterin Justine Greening verurteilte die Gewalt: «Das ist wirklich eine Schande und absolut inakzeptabel, dass eine Minderheit kriminelle Taten begeht». Im Grossen und Ganzen blieb die Demonstration friedlich.

«Starke Botschaft»

Die Organisatoren der Demonstration vom Gewerkschafts-Dachverband TUC distanzierten sich von der Gewalt. TUC-Chef Brendan Barber sagte, er bedaure die Gewalt zutiefst.

«Dennoch sollten die Aktionen von ein paar hundert Leuten nicht den Blick auf die hunderttausenden Menschen versperren, die heute eine starke Botschaft an die Regierung gesendet haben», sagte Barber. «Es war das Herz Grossbritanniens, das sich ausgedrückt hat.»

Der Protest richtete sich gegen geplante Budgetkürzungen von rund 81 Milliarden Pfund (knapp 120 Milliarden Franken) bis zum Jahr 2015. Das Sparprogramm sieht unter anderem ein Einfrieren der Bezüge von Staatsbediensteten sowie den Abbau von rund 300 000 Stellen im öffentlichen Dienst vor.

(sda)