Vornehme Zurückhaltung

12. Mai 2011 07:47; Akt: 12.05.2011 08:48 Print

Wo bleiben Obamas Herausforderer?

von Kian Ramezani - Wer 2012 gegen US-Präsident Obama antritt, ist völlig offen. Die aussichtsreichsten Republikaner drücken sich um eine klare Ansage. Die Nervosität im konservativen Lager nimmt zu.

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Gute Zeiten für Barack Obama: Seine Umfragewerte haben steigen seit der Tötung Bin Ladens und die Republikaner verschlafen gerade den Auftakt des Wahlkampfes. (Bild: Keystone/Horacio Villalobos)

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«Viel Feind, viel Ehr», sagt das Sprichwort. So gesehen macht die republikanische Partei US-Präsident Barack Obama derzeit wenig Ehre. Ein klarer Spitzenreiter, der 2012 gegen ihn antreten könnte, fehlt. Und selbst unter jenen, die als mögliche Herausforderer gehandelt werden, hat kaum einer offiziell seine Kandidatur erklärt. Zum Vergleich: Barack Obama hatte im Februar 2007 angekündigt, im November 2008 anzutreten. Sein späterer Gegenspieler John McCain tat es ihm zwei Wochen darauf gleich. Als Faustregel gilt: Zu Beginn des Jahres vor der eigentlichen Wahl muss die Katze aus dem Sack gelassen werden.

Gefühlt liegt die Präsidentschaftswahl im Herbst 2012 noch in weiter Ferne, dennoch wird es für die Republikaner langsam aber sicher eng. Karl Rove, George W. Bushs ehemaliger Chefstratege, warnte unlängst, irgendwann bleibe möglichen Kandidaten schlichtweg zu wenig Zeit, um genug Geld zu sammeln und eine schlagkräftige Wahlkampforganisation auf die Beine zu stellen. Das Zeitfenster schliesst sich seines Erachtens diesen Juni oder Juli.

Donald Trumps kurzer Höhenflug

Aktuelle Meinungsumfragen bestätigen die unvorteilhafte Ausgangslage der Republikaner. Die beiden ehemaligen Gouverneure Mitt Romney und Mike Huckabee, die sich 2008 erfolglos um die Nomination der Republikaner bemühten, schneiden zwar im Direktvergleich mit Barack Obama passabel ab. Beide liegen derzeit nur einige Prozentpunkte hinter dem Amtsinhaber. Das Ausmass der Krise wird aber deutlich, wenn nach den Namen möglicher republikanischer Herausforderer gefragt wird: Jedem zweiten Amerikaner fällt kein einziger ein.

Auch die Volatilität der Umfragen spricht Bände. Gelang es Medienmogul Donald Trump noch vor wenigen Wochen, vom Vakuum im republikanischen Kandidatenfeld zu profitieren, sind seine Umfragewerte inzwischen zusammengebrochen. Da er wie kein anderer auf die Birther-Debatte um Präsident Obamas Herkunft gesetzt hatte, verpuffte sein Vorsprung, nachdem dieser seine Geburtsurkunde veröffentlichte.

Vergangene Woche trafen sich fünf mögliche republikanische Kandidaten zur ersten innerparteilichen TV-Debatte in South Carolina. Bezeichnenderweise machte der zuvor gänzlich unbekannte Herman Cain die beste Figur. Der ehemalige Chef einer Fastfood-Kette unterschiedet sich stilistisch und inhaltlich aber kaum von Trump, weshalb auch sein Höhenflug schon bald wieder vorbei sein dürfte.

Angst vor Obama und der Tea Party

Die Unruhe im konservativen Lager, das Obama leidenschaftlich verachtet und ihn 2012 unbedingt abwählen will, nimmt zu. Galionsfiguren wie die Radiomoderatorin Laura Ingraham bezichtigen valable Kandidaten wie den ehemaligen Gouverneur von Florida und Präsidentenbruder Jeb Bush sowie den aktuellen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, sich um eine klare Zu- oder Absage zu drücken.

Dass sich aussichtsreiche Kandidaten bisher auffallend zurückhielten, könnte verschiedene Gründe haben. Einerseits wissen sie, dass sie nach der Nominierung die furchterregende Wahlkampfmaschine des Obama-Teams erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass der Amtsinhaber dieses Mal bis zu einer Milliarde Dollar an Spenden einsammeln könnte. 2008 waren es 745 Millionen gewesen – gut doppelt soviel wie sein Widersacher John McCain.

Wen das nicht abschreckt, der sorgt sich möglicherweise um die Vorwahl selbst. Der gewachsene Einfluss der ultra-konservativen Tea Party hat die republikanische Partei verändert und stark nach rechts gerückt. Die Gefahr ist real, dass aus den sogenannten «Primaries» ein Kandidat als Sieger hervorgeht, der mit seinen radikalen Positionen die Mittewähler verprellt und deshalb gegen Obama letztlich den Kürzeren zieht. Dass die Tea-Party-Ideologie nicht massentauglich ist, zeigen die Umfragewerte ihrer Aushängeschilder: Sarah Palin liegt im direkten Vergleich knapp 20 Prozentpunkte hinter Obama, bei der Tea-Party-Abgeordneten Michelle Bachmann sind es 15 Prozentpunkte.

Osama bald vergessen

Es gibt aber auch Lichtblicke für die Republikaner. Am Mittwoch hat der ehemalige Sprecher des Abgeordnetenhauses Newt Gingrich offiziell seine Kandidatur bekannt gegeben. Er bringt vielleicht Dynamik in die Lethargie. Und Obama bleibt aufgrund der nach wie vor schwierigen Wirtschaftslage angreifbar, zumal der Glanz seines Fahndungserfolgs gegen Osama Bin Laden bald verblassen dürfte.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • egal am 12.05.2011 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Kennedy come pls back..

    Die wahre Entscheidung findet am 9(-12).6 statt.. Leider leider in der Schweiz.. wir wissen es dann 2012, aber es wird ganz bestimmt kein Kennedy mehr sein..

  • Henri Wyler am 12.05.2011 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Rand Paul, guter Kandidat

    Die Republikaner haben guten Kandidaten wie etwa Rand Paul, sind also nicht auf Sarah Palin angewiesen. Obama hat doch das Ding mit Osama allein aus einer Machtgier heraus gedreht, ohne viel Risiko n.b.. Jetzt erreicht Obama imagemässig republikanisches Niveau, aber ob's haften bleibt und was nützt...? Bei einem Terror-Anschlag, kommt genau das Argument aufs Tapet (wäre nicht nötig gewesen), geht's gut aus, wird die Wirtschaftslage den Ausschlag geben..... Palin ist noch nicht draussen!

  • Ron Paul am 13.05.2011 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Obama 2012

    Es gab ausser Lincoln und Kennnedy keinen der so viel in gutes in so kurzerzei geschaft hat wie Barack Obama. Lest doch mal seine Buch: Barack Obama : Ein Amerikanischer Traum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • de wo seit dases es Wort zvill het am 13.05.2011 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    peinlich

    Gute Zeiten für Barack Obama: Seine Umfragewerte haben steigen seit der Tötung Bin Ladens und die Republikaner verschlafen gerade den Auftakt des Wahlkampfes. Bildunterschrift. Bitte Grammatik überarbeiten

    • Monique am 15.05.2011 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      Noch peinlicher

      ist die Tatsache, dass die Geburtsurkunde Obamas die auf der Seite des Weisses Hauses in pdf-Format abgebildet ist, unter der Lupe (mit Adobe Illustrator) betrachtet einige "Korrekturen aufweist. Schaut auf youtube.

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  • Ron Paul am 13.05.2011 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Obama 2012

    Es gab ausser Lincoln und Kennnedy keinen der so viel in gutes in so kurzerzei geschaft hat wie Barack Obama. Lest doch mal seine Buch: Barack Obama : Ein Amerikanischer Traum.

    • Micha am 13.05.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      "Ron Paul"

      Das MUSS sarkastisch gewesen sein. Obama hat schon viel geleistet. Mehr Schulden als Reagan, Bush I, Clinton und Bush II...und das in 2 1/2 jahren. Tolle Leistung. Übrigens RON PAUL ist einer der grössten Gegner von Obamas Schuldenmacherei

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  • Michael Palomino (*19649 am 13.05.2011 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    Herausforderer: Kriege und Schulden

    Die Herausforderer für Obama heissen: Kriege und Schulden. Er wird gegen beides verlieren. Die Republikaner würden es nicht besser machen. Beide Seiten verdrängen die Wahrheit: Man kann nicht Leute zu Terroristen stempeln, wenn man selber dauernd Kriege anfängt und den Haushalt dauernd immer mehr unter Wasser setzt.

  • egal am 12.05.2011 22:34 Report Diesen Beitrag melden

    Kennedy come pls back..

    Die wahre Entscheidung findet am 9(-12).6 statt.. Leider leider in der Schweiz.. wir wissen es dann 2012, aber es wird ganz bestimmt kein Kennedy mehr sein..

  • Patrick Ryf am 12.05.2011 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    RON PAUL for PRESIDENT

    Wie wärs mit Ron Paul? Oder werden uns die Schweizer Massenmedien diesen tollen Kandidaten mit seinem erfrischenden, liberalen Gedankengut wieder vorenthalten oder durch das Schweizer Fernsehen nicht erwähnt. Sein Sohn Rand Paul ist auch nicht zu verachten.

    • Hermann Mettler am 12.05.2011 21:14 Report Diesen Beitrag melden

      RON PAUL for PRESIDENT

      Genau, der einzig passable Kandidat auf der anderen Seite des Teichs. Für ihn ist Change nicht nur ein Sloagan sondern er weiss was zu ändern ist. Gebt Paul eine Chance!

    • Politics am 12.05.2011 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      Liberal

      Ron Paul ist zwar liberal aber sehr konservativ und teilweise isolationistisch, das darf man nicht vergessen. Er ist auch Mitbegründer der Tea Party. Ich sage nicht dass er schlecht ist, ich würde als Amerikaner wohl republikanisch wählen, nur muss man auch beachten, dass seine Ansichten teils extrem sind. Unter anderem will er komplett auf staatliche Sozialversicherungen verzichten und ist für eine m.E. zu restriktive Einwanderungspolitik. Ein Republikaner der alten Schule. Durchaus interessant.

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