Nahost-Konflikt

02. Juli 2014 16:29; Akt: 03.07.2014 10:27 Print

Wohin führt Israels Rache-Feldzug?

Die drei entführten israelischen Schüler sind tot. Wie weit geht Israel, um sich zu rächen? Was bedeutet das für den Friedensprozess? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Die israelische Armee hat die am 12. Juni gekidnappten israelischen Jugendlichen tot aufgefunden. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu droht der Hamas mit Vergeltung – Stunden später fliegen Bomben auf den Gaza-Streifen. «Die Tore zur Hölle werden geöffnet», wenn Israel einen neuen Krieg mit dem Gazastreifen anfängt, warnt die Palästinenserorganisation Hamas. Bedeutet das das Ende des Friedensprozesses? Fragen und Antworten zum Nahostkonflikt.

Was ist passiert?

Am 12. Juni verschwanden die drei 16 bis 19-jährigen Religionsschüler in der Nähe von Halhul im Westjordanland spurlos. Sie waren auf dem Heimweg von einer Talmud-Hochschule. Alle drei lebten in den umstrittenen Siedlungen im Westjordanland.

Israel beschuldigte umgehend Mitglieder der Hamas und startete die grösste militärische Bodenaktion seit knapp einem Jahrzehnt, um die Jugendlichen zu finden. Mehrere Palästinenser kamen bei den Suchaktionen in den folgenden Tagen ums Leben, rund 400 wurden festgenommen. Zwei mutmassliche Drahtzieher sind noch auf der Flucht.

Am 30. Juni wurden die drei Jugendlichen tot aufgefunden. Sie waren offenbar schon kurz nach der Entführung erschossen worden.

Wer ist verantwortlich für die Entführungen?

Bis jetzt hat sich niemand zu der Entführung und Ermordung der Teenager bekannt. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu machte die Palästinenserorganisation Hamas verantwortlich und drohte mit schwerer Vergeltung. Letzte Woche veröffentlichte der israelische Geheimdienst die Namen und Bilder zweier angeblicher Täter, so die «Süddeutsche Zeitung».

Wie geht es jetzt weiter?

Bereits vor dem Fund der Leichen war die Spannung zwischen den Ländern gestiegen – die Hamas feuert seit Sonntag Raketen auf israelischen Boden ab. Wenige Stunden nach dem Fund der Leichen flog die israelische Armee Luftangriffe auf den Gazastreifen und das Westjordanland. Erneut starben mehrere Palästinenser.


Auch die Elternhäuser der zwei mutmasslichen Kidnapper wurden beschossen, so die «Times of Israel».


Was passiert jetzt im Friedensprozess?

Der Friedensprozess stagnierte schon vor der Entführung der Jugendlichen. Ende April hatte sich der Palästinenserpräsident Mahmud Abbas mit der radikalen Hamas versöhnt und eine Einheitsregierung gebildet. Israel, die EU und die USA stufen die Hamas als «Terrororganisation» ein. Seit der Versöhnung wurden Friedensgespräche unter Vermittlung von US-Aussenminister John Kerry erfolglos abgebrochen, so die «Süddeutsche Zeitung». Israel baut weiterhin Siedlungen im Westjordanland – einer der grössten Streitpunkte im Friedensprozess.

Der Tod der Teenager wird den Konflikt weiter anheizen. So stand Abbas in der Kritik, weil er die Entführung der Teenager klar verurteilte und Ressourcen für die Suchaktion zur Verfügung stellte, so die «New York Times». In Gaza randalierten Jugendliche aus Protest gegen diese Kooperation mit Israel.

Die Hamas hingegen streitet jede Beteiligung an den Morden ab. Sie beschuldigen Israel, den Tod der Jugendlichen als Rechtfertigung für weitere militärische Angriffe gegen die Palästinenser zu instrumentalisieren, so die «Neue Zürcher Zeitung».

(cfr)