Katastrophe in Japan

28. Juni 2011 11:45; Akt: 28.06.2011 13:07 Print

Wütende Aktionäre heizen Tepco ein

Der Betreiber des japanischen Atomkraftwerks Fukushima musste sich der Kritik von 9000 Anteilseignern stellen. Die Aktionäre beklagen, dass der Tsunami nicht einkalkuliert wurde.

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Sind wütend, da der Wert der Tepco-Aktie stark gefallen ist: Aktionäre auf dem Weg zur Tepco-Hauptversammlung. (Bild: Reuters)

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Wütende Aktionäre sind dem Betreiber des Atomkraftwerks im japanischen Fukushima am Dienstag mit scharfer Kritik begegnet. Vor mehr als 9000 Anteilseignern musste sich das Management des Energiekonzerns Tepco auf der Hauptversammlung bittere Vorwürfe gefallen lassen.

Der Tsunami, der die Kühlsysteme des AKW am 11. März zerstörte, hätte einkalkuliert werden müssen, meinte ein wütender Aktionär. Die Krise sei ein «von Menschenhand gemachtes Desaster», wurde der Mann von der Agentur Kyodo zitiert.

Tepco muss Entschädigungen zahlen

«Es tut uns aufs Tiefste leid, dass wir ihnen Ärger und Sorgen bereitet haben», sagte der Präsident des Konzerns, Tsunehisa Katsumata. Auf das Unternehmen kommen gewaltige Entschädigungszahlungen zu.

Wegen der entwichenen Radioaktivität mussten Tausende von Menschen ihre Häuser und Arbeitsplätze aufgeben. Bauern und Fischer können ihre verseuchten Produkte nicht mehr absetzen. Auch andere Firmen Tepco-Aktien leiden unter der Furcht im In- und Ausland, ihre Produkte könnten verstrahlt sein.

Keine Abkehr von der Atomenergie

Ein Antrag von Aktionären scheiterte, der einen Ausstieg des Energiekonzerns aus der Atomenergie forderte. Obwohl der Antrag auch in den vergangenen Jahren gestellt worden war, gewann er diesmal mehr Unterstützung. Für eine Abkehr des Energieriesen wäre eine Zwei- Drittel-Mehrheit erforderlich gewesen.

Katsumata versprach, die andauernde Katastrophe in den Griff zu bekommen und den Konzern drastisch zu reformieren. Die Aktionäre sind zudem stinksauer, weil der Wert der Aktie in Folge der Krise nur noch ein Siebtel dessen beträgt, was das Papier vor der Katastrophe kostete.

Ende Mai hatte Tepco einen Nettoverlust in Höhe von 1,3 Billionen Yen (13 Milliarden Franken) für das am 31. März beendete Geschäftsjahr ausgewiesen. Das ist der höchste je von einem japanischen Konzern ausserhalb des Finanzsektors erlittene Fehlbetrag.

Tepco-Aktie taucht

Tepco benötige eine hohe Summe, um die Opfer des Desasters zu entschädigen und die Reaktoren zu stabilisieren, zitierte die Wirtschaftszeitung «Nikkei» den scheidenden Konzernchef Masataka Shimizu. Der Konzern stecke in einer noch nie dagewesenen Krise. Shimizu übernimmt mit seinem Rücktritt die Verantwortung dafür.

Als Nachfolger wurde der bisherige Direktor Toshio Nishizawa nominiert. Derweil gab der Kurs der Tepco-Aktie an der Börse in Tokio zwischenzeitlich nach, nachdem der Konzern ein neues System zur Kühlung der Reaktoren mit dekontaminiertem Wasser stoppen musste. Am Ende schloss das Papier unverändert bei 316 Yen.

(sda)