«#occupygezi»

13. Juni 2013 10:54; Akt: 13.06.2013 11:09 Print

Zahl der Toten bei Protesten steigt auf fünf

Bei den seit zwei Wochen andauernden Protesten in der Türkei ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen. Ein Demonstrant, der von einem Tränengaskanister am Kopf getroffen worden war, verstarb heute.

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Abbrucharbeiten im Gezi-Park am 27. Mai waren Auslöser für die ersten Proteste in der Türkei. Anwohner demonstrierten vorerst friedlich gegen die Zerstörung der letzten grünen Oase in der Millionenmetropole Istanbul. Hunderte von alten Bäumen sollten einem Einkaufszentrum Platz machen, dessen Bau Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan persönlich vorantrieb. Der (Kreis oben) befindet sich in Istanbul in der Nähe des Taksim-Platzes (Kreis unten) am Ende der Shoppingmeile Istiklalstrasse (Linie). Am 31. Mai räumen die Behörden den Park mit einem brutalen Einsatz. und greift die Menschen mit Tränengas, Pfefferspray und Wasserwerfern an. Die Demonstranten wehren sich mit Steinen. Rund Tausend Menschen werden – zum Teil schwer – verletzt. Mit wird die darauf stattfindende Demonstration aufgelöst. . Die Auseinandersetzungen dauern bis in die Nacht an. Die türkischen Fernsehstationen ignorierten die Ereignisse über Stunden. Doch das ist erst der Auftakt der Demonstrationen. Aus dem Protest gegen die Zerstörung des Gezi-Parks in Istanbul wird ein . Vor allem säkular eingestellte Menschen werfen Erdogan eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft vor – zum Beispiel mit dem Ende Mai 2013 durchs Parlament gepeitschten Alkoholgesetz. Andere kritisieren den Versuch der Regierung Erdogan, in die Krise in Syrien einzugreifen und die Türkei in einen Krieg hineinzuziehen. Auch das brutale Vorgehen der Polizei bei Demonstrationen stösst vielen auf. Zu Beginn der Proteste verschwiegen die grossen Nachrichtensender die Ereignisse noch. Erst am Wochenende gab es vereinzelte Berichte. Das bewog viele Menschen dazu, sich am Sonntag und Montag vor den Gebäuden der Privatsender NTV und HaberTurk zu demonstrieren. Am Sonntag stürzten wütende Demonstranten auf dem Taksim-Platz in Istanbul zudem einen Übertragungswagen des Privatsenders NTV um und demolierten ihn. In der Folge gehen die Menschen Ankara (Bild) oder Izmir gegen die ihrer Meinung nach selbstherrliche Politik des Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der islamischen Regierungspartei AK auf die Strasse. Mehrmals spricht war. Gleichzeitig bekräftigt er aber seine Absicht, das Einkaufszentrum zu bauen. Am Nachmittag des wolle. Am Morgen des gewertet werden. Am Montag, 3. Juni, brach der Leitindex der Istanbuler Börse um bis zu 8,1 Prozent auf 79'047,74 Punkte ein. Das ist der tiefste Stand seit Anfang März und der grösste Tagesverlust seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008. Auch die tükische Währung ging auf Talfahrt. Die Proteste gegen die Politik Erdogans gehen weiter und finden . Und die Polizei reagiert mit unverminderter Härte. Immer wieder machen Geschichten von die Runde. Diese Szene fand Tage vor den eigentlichen Unruhen, am 28. Mai, statt. Rund um die Auseinandersetzungen gab es bis zum 5. Juni laut Angaben von Ärzteverbänden und Menschenrechtsorganisationen Verletzte. Die Regierung gibt lediglich 173 an. In Ankara und Izmir wurden je über 400 Menschen verletzt. Nach Angaben des Türkischen Menschenrechtsverbands wurden seit Beginn der Proteste bis zum 5. Juni rund 3300 Menschen festgenommen. In der Nacht zum 5. Juni nahm die Polizei in verschiedenen Städten Menschen fest, die via soziale Netzwerke wie zum Widerstand aufgerufen haben sollen. Bis am 5. Juni sind offiziell zwei Menschen im Umfeld der Proteste ums Leben gekommen: Am 2. wurde ein Mann von einem Taxi angefahren und tödlich verletzt und am 3. wurde ein Mann von einem Unbekannten erschossen. Inoffiziell ist von vier weiteren Toten die Rede. Auch am Donnerstag, 6. Juni demonstrieren Menschen in vielen Städten der Türkei. Aber in Istanbul versammeln sich rund 3000 Anhänger Erdogans, um den Ministerpräsidenten nach seiner viertägigen Reise durch den Maghreb am Flughafen willkommen zu heissen.

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Die Zahl der Toten bei den seit zwei Wochen andauernden Protesten in der Türkei ist heute auf fünf gestiegen. Ein Demonstrant, der sich bei Auseinandersetzungen mit der Polizei Verletzungen zugezogen hatte, wurde am Donnerstag für tot erklärt, wie Anwältin Sema Aksoy sagte. Der 26-Jährige war offenbar bei Protesten in der Hauptstadt Ankara am 1. Juni von einem Tränengaskanister am Kopf getroffen worden. Er wurde tagelang künstlich am Leben erhalten.

Die jüngsten Unruhen in der Türkei hatten am 31. Mai begonnen. Die Polizei hatte eine kleine, friedliche Demonstration gegen die Abholzung des Gezi-Parks am Taksim-Platz in Istanbul aufgelöst. Wegen des harten Vorgehens kam es seitdem zu landesweiten Massenprotesten, die sich gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und dessen als autoritär empfundenen Regierungsstil richten. Auf Twitter gingen die teils schockierenden Bilder unter dem Hashtag «#occupygezi» um die Welt.

Es wurde erwartet, dass die Proteste ungeachtet eines Beschwichtigungsversuchs der Regierung am Donnerstag fortgesetzt würden. Erdogans Partei hatte am Mittwoch den Vorschlag unterbreitet, ein Referendum über die umstrittenen Umgestaltungspläne für den Gezi-Park abhalten zu lassen.

(sut/sda)