«Charlie Hebdo»

29. April 2015 17:25; Akt: 29.04.2015 19:13 Print

Zeichner verzichtet auf Mohammed-Karikaturen

Nach dem Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» im Januar will Karikaturist Luz künftig keine Mohammed-Figuren mehr zeichnen. Es interessiere ihn nicht mehr.

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Am Mittwoch, 14. Januar, erschien in Frankreich die erste Ausgabe der Zeitung «Charlie Hebdo» nach den Terroranschlägen, natürlich mit einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite. In der Deutschschweiz war die Zeitung ab Freitag, 16. Januar, erhältlich. In der Ausgabe vom 7. Januar 2015 widmete sich «Charlie Hebdo» dem neuen Roman des französischen Skandalautors Michel Houellebecq, der darin die Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022 beschreibt. Mit ihren provokativen Mohammed-Karikaturen hat die Satirezeitschrift in der Vergangenheit schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Aus Angst vor einem Anschlag überwachte die Gendarmerie das «Charlie Hebdo»-Gebäude nach dem Skandal um die dänischen Karikaturen schon 2006. Nicht unbegründet, wie sich später zeigte. Nach der Veröffentlichung der Sonderausgabe mit dem Titel «Scharia Hebdo» wurde am 2. November 2011 auf die Redaktion der Zeitung am Boulevard Davout in Paris ein Brandanschlag verübt. Der Stein des Anstosses: Diverse Karikaturen, die den Propheten Mohammed zeigen. Die Karikaturen lösten immer wieder wütende Reaktionen von Muslimen aus, die Abbildungen des Religionsgründers ablehnen. Im Januar 2013 wurde dann ein Comicheft mit dem Titel «Das Leben Mohammeds» an den Kiosken verkauft. Religionen stehen immer wieder im Visier der Satirezeitung. Dabei werden nicht nur Muslime auf die Schippe genommen. Auch vor dem Beschuss des Korans wird nicht zurückgeschreckt.

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Der «Charlie Hebdo«-Zeichner Luz will künftig keine Karikaturen des Propheten Mohammed mehr anfertigen. «Ich werde die Persönlichkeit Mohammed nicht mehr zeichnen, sie interessiert mich nicht mehr», sagte Luz dem Magazin «Les Inrockuptibles» vom Mittwoch.

«Ich bin ihrer überdrüssig, wie bei Sarkozy. Ich werde sie nicht mein ganzes Leben lang zeichnen», wurde Luz weiter zitiert. Luz hatte unter anderem eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf die «Charlie Hebdo«-Redaktion mit zwölf Toten die Titelseite einer neuen Ausgabe der Satirezeitung gestaltet.

Zu sehen war ein weinender Mohammed, der ein Schild mit der weltweit bekannten Solidaritätsbekundung «Je suis Charlie» («Ich bin Charlie») in den Händen hält. Die Überschrift der Ausgabe lautete «Alles ist vergeben». Der neuerliche Abdruck einer Mohammed-Karikatur hatte zu teils gewaltsamen Protesten von Muslimen in mehreren Ländern geführt.

Zwölf Tote bei Anschlag auf Redaktion

Zwei islamistische Terroristen hatten am 7. Januar die Redaktionsräume der Satirezeitung gestürmt, die immer wieder mit Mohammed-Karikaturen für Aufsehen gesorgt hatte. Sie erschossen dort und auf ihrer Flucht zwölf Menschen.

Ein Gesinnungsgenosse der beiden tötete in den folgenden Tagen eine Polizistin und bei einer Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris vier weitere Menschen. Die drei Täter wurden schliesslich bei Polizeieinsätzen erschossen.

(sda)