Schockierendes Titelbild

06. August 2010 19:04; Akt: 07.08.2010 09:03 Print

Zeigen oder nicht zeigen – das war die Frage

Das Bild der 18-jährigen Aisha in der kommenden Ausgabe des renommierten «Time»-Magazins wirkt verstörend. Das weiss auch der Chefredaktor. Trotz allem liess er es veröffentlichen und löste damit eine heftige Debatte aus.

Fehler gesehen?

Die 18-jährige Aisha ist – ohne es zu ahnen – zu einem Symbol für den Widerstand der Frauen gegen die Taliban geworden. Die junge Frau war im vergangenen Jahr von ihrem Ehemann, einem Talibankommandanten, grausam zugerichtet worden, weil sie vor ihren gewalttätigen Schwiegereltern geflohen war. Diese hatten Aisha gefoltert und misshandelt. «Die Familie meines Mannes hielt mich wie eine Sklavin, sie schlugen mich», erzählt sie nun amerikanischen Medien.

Als ihr Ehemann sie wieder fand, schnitt er ihr Ohren und Nase ab. Aisha überlebte und wurde in einer Zufluchtsstätte für Frauen in Kabul aufgenommen. Sie soll in den nächsten Wochen in die USA ausgeflogen werden, wo ihr Gesicht mit einer kosmetischen Operation wiederhergestellt werden soll.

Die Debatte ist lanciert

Doch das dramatische Bild, begleitet von der prägnanten Aussage «Das passiert, wenn wir Afghanistan verlassen», löste in den USA eine hitzige Debatte aus. Der Chefredaktor nahm vor wenigen Tagen erstmals Stellung: «Das Bild ist verstörend, aber aufklärend», schrieb er in einem Editorial. Man habe die Sache sogar mit Kinderpsychologen abgeklärt. «Einige meinten, viele Kinder seien es gewohnt, Gewaltbilder zu sehen, während andere verängstigt reagieren könnten. Bei allen Lesern, die das Bild anstössig finden, möchte ich mich entschuldigen.»

Tatsächlich diskutierten prompt Blogger und Experten über die Wirkung des Bildes auf die Leser. Das Magazin hat nach eigenen Angaben doppelt so viele Leserzuschriften bekommen wie sonst bei anderen kontroversen Ausgaben. Der Polit-Blog «ricochet» liess seine Benutzer über das Thema debattieren: Die meisten sind zwar damit einverstanden, dass es die Aufgabe des Magazins sei, «die schlechten Dinge, die den Menschen passieren, zu zeigen und zu erklären», doch der Fall Afghanistan sei anders.

Es geht doch gar nicht um die Frauen

«Time» wird unter anderem Manipulation vorgeworfen. Das Magazin plädiere mit seiner Schlagzeile für die weitere Besetzung des Landes am Hindukusch durch US-Truppen. Beim US-Einsatz in Afghanistan gehe es aber gar nicht um die Frauen, ärgert sich die Kommentatorin Kirstin Power in ihrem Blog «Daily Beast». Es sei vor neun Jahren, als die USA in Afghanistan einmarschierten, «nicht um die Frauen gegangen, es geht auch heute nicht um die Frauen». An deren prekärer Situation habe sich nichts geändert, «also gibt es in dieser Hinsicht keinen Grund, das Land nicht zu verlassen.»

Auch Menschenrechtsorganisationen kritisierten die neue «Time»-Ausgabe, schreibt «Spiegel» online. Die Lage der Afghaninnen sei «noch immer sehr besorgniserregend». Die Frauen würden «häufig bedroht, eingeschüchtert und angegriffen, Mädchenschulen ins Visier genommen sowie Politikerinnen und Aktivistinnen angegriffen und getötet, ohne rechtliche Konsequenzen». Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass gerade jetzt, wo über eine Versöhnung mit den Taliban gesprochen werde, mühsam erworbene Fortschritte geopfert würden.

(kle)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noldi am 07.08.2010 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das hat mit Glaube nichts mehr zu tun.

    Das ist pervers! Solche Meldungen machen es nicht gerade einfach den Islam und dessen Glaubensrichtung zu begreifen. Diese Extremen Bestrafungen, wie Hände abhacken, Steinigungen, jetzt diese, da wundert ihr euch warum wir dagegen sind, dass sich eine solche Glaubensrichtung in der Schweiz vermehrt? Wie unterscheiden sich gemässigte Moslems? Ich glaube an eine Positive höhere Macht, aber Religionen sind mir ein Gräuel, wegen ihrer Machtansprüche.

  • entsetzt am 10.08.2010 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    islam und krieg

    immer wieder wird der islam mit dem krieg gleichgestellt. wann hören wir auf die religion zu kritisieren und wann frangen wir an die politik in frage zu stellen? wenn die politiker in besagten ländern ehrlich wären und sich endlich um ihr volk kümmern würde anstatt auf den eigenen geldbeutel, dann würde all das sicher nicht geschehen. Und noch was, gleichberechtigung hat nichts mit religion zu tun, die gläubigen wissen das. ich bin zu tiefst entsetzt über die gräueltaten, endlich wird darüber gesprochen und hoffentlich wird diesen frauen kindern und männern geholfen.

  • Steffi am 10.08.2010 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Englische sprache schwierige sprache

    Ich wollte nur darauf aufmerksam machen , dass die Schlagzeile uebersetzt "WAS passiert, wenn wir Afghanistan verlassen" und nicht "DAS passiert, wenn wir Afghanistan verlassen". Dies ist wein kleiner aber erheblicher Unterschied! ! !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frage am 16.08.2010 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Fake?

    Könnte es sein, dass diese Bild via Photoshop bearbeitet wurde? Zumal ist es schon komisch, dass immer dann, wenn im Land langsam der Rückhalt für die Kriegsführung bröckelt, solche Bilder auftauchen. Und schwups, ist die Stimmung im Volk wieder da. Sicherlich ist es schlimm was dort passiert, die andere Seite sollte man nicht ausser acht lassen.

    • linda am 16.08.2010 21:21 Report Diesen Beitrag melden

      Fake

      welche andere Seite ?????

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  • Steffi am 10.08.2010 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Englische sprache schwierige sprache

    Ich wollte nur darauf aufmerksam machen , dass die Schlagzeile uebersetzt "WAS passiert, wenn wir Afghanistan verlassen" und nicht "DAS passiert, wenn wir Afghanistan verlassen". Dies ist wein kleiner aber erheblicher Unterschied! ! !

    • Kayly am 16.08.2010 17:24 Report Diesen Beitrag melden

      Englische Sprache schwierige Sprache 2

      Steffi, Du hast zum Teil recht, es kann sowohl "WAS passiert, wenn wir Afghanistan verlassen" und "DAS passiert, wenn wir Afghanistan verlassen" heissen. Vermutlich ist das vom Autor auch beabsichtigt.

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  • J. Keller am 10.08.2010 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Religion als Opium der Menschheit...

    Ich stimme Frau Reich zu. Die Religion seit seit je her der bedeutendste Grund, vor allem für Krieg. Aber auch andere Verbrechen haben oftmals mit Glaube und Hingabe zu etwas grösserem zu tun. Ich würde mir die Welt gerne ohne Religion vorstellen. Denn mit verschiedenen Religionen leben - und das miteinander - können wir anscheinend nicht! Und was das TIME veröffentlicht ist keineswegs anstössig, sondern nur "zeigend, aufklärend, traurig und vor allem Wirklichkeit"!

  • entsetzt am 10.08.2010 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    islam und krieg

    immer wieder wird der islam mit dem krieg gleichgestellt. wann hören wir auf die religion zu kritisieren und wann frangen wir an die politik in frage zu stellen? wenn die politiker in besagten ländern ehrlich wären und sich endlich um ihr volk kümmern würde anstatt auf den eigenen geldbeutel, dann würde all das sicher nicht geschehen. Und noch was, gleichberechtigung hat nichts mit religion zu tun, die gläubigen wissen das. ich bin zu tiefst entsetzt über die gräueltaten, endlich wird darüber gesprochen und hoffentlich wird diesen frauen kindern und männern geholfen.

  • Susanne Reich am 09.08.2010 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    wir machen uns das Leben schwer

    Manchmal wünschte ich, man würde alle Religionen abschaffen, denn unter dem Deckmantel der "Religion" - welcher Art auch immer - wird viel Leid angerichtet. Wenn nur jeder versuchen würde, für sich zu schauen, nicht versuchen anderen Menschen seine eigene Meinung resp. Lebensweise aufzuzwingen sondern vielmehr man miteinander sprechen würde und um ein friedliches Miteinander - und nicht Gegeneinander - bemüht sein. Die Welt ist schön, doch wir machen uns das Leben gegenseitig schwer.