Ermittlung wegen Mord

12. September 2013 19:17; Akt: 12.09.2013 19:24 Print

Zoff um Strassenhunde in Rumänien

Der Streit um die Streunerhunde in Rumänien spitzt sich zu: Tierschützer wollen klagen, der Staat ermittelt wegen Mordverdacht.

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Am 2. September 2013 wurde der vierjährige Ionut Anghel in der rumänischen Hauptstadt Bukarest von Hunden zu Tode gebissen. Er hatte den Spielplatz in einem Park verlassen und hatte ein benachbartes, leerstehendes Gelände betreten. Dort hatten ihn Wachhunde attackiert. Zuvor hatte es geheissen, streunende Hunde hätten den Jungen zu Tode gebissen. Darauf forderte Rumäniens Präsident Trajan Baescu das Parlament auf, ein Gesetz zur Tötung von Strassenhunden zu verabschieden Das neue Gesetz soll ein schnelleres Töten von eingefangenen Strassenhunden ermöglichen. Dagegen wehrten sich Tierschützer. Ende September 2013 stufte das Verfassungsgericht das neue Gesetz als rechtens ein. Dieses wurde vom Verfassungsgericht als rechtens eingestuft. Für Tierschützer ein Verbrechen. Zuvor durften herrenlosen Hunde nur dann eingeschläfert werden, wenn sie nachweislich unheilbar krank oder aggressiv sind. Solche streundenden Strassenhunde waren für den Tod des vierjährigen Ionut verantwortlich gemacht worden. Allein in der rumänischen Hauptstadt Bukarest sollen etwa 65'000 herrenlose Hunde leben. Jährlich werden Tausende Menschen in ganz Rumänien von Streunern gebissen. Gemäss dem neuen Gesetz sollen streundende nach 14 Tagen in einem Tierheim eingeschläfert werden können. Eine Verpflichtung zum Töten besteht nicht - die Kommunen dürfen die Hunde weiter versorgen, falls deren Tierheime Kapazitäten haben. Anders als etwa in der Schweiz kastrieren rumänische Hundehalter ihre Vierbeiner in der Regel nicht. Um deren Nachwuchs kümmern sie sich oft nicht, häufig setzen sie ihn irgendwo aus. Um die Strassenhunde kümmert sich auch die Schweizer Tierschutzorganisation Netap - in Zusammenarbeit mit lokalen Tierschützern. Statt Tötungen sei eine Kastrationspflicht die Lösung für das Problem mit den streundenden Hunden, findet man bei Netap und hofft, dass das rumänische Parlament es ebenso sieht. Die Zustände in den rumänischen Tierheimen sind laut Tierschützern teilweise schockierend. Seit dem Tod des Kindes soll es vermehrt zu tödlichen Angriffen auf Strassenhunde kommen, berichten Tierschützer.

In Rumänien leben mehrere hunderttausend Streunerhunde (Bild: Netap).

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Nachdem anfangs September der vierjähriger Ionut in einem Park in Bukarest von einem Rudel Streunerhunde angefallen und totgebissen worden war, erliess die Regierung ein Gesetz, das das Einfangen und Töten herrenloser Hunde erlaubt.

Dagegen regt sich massiver Widerstand aus dem In- und Ausland. So sollen dieser Tage in mehreren Städten, darunter München und Wien, Demos gegen die Tötungen stattfinden.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten erwägt gar eine Klage: «Wir werden auf Schadenersatz klagen, denn immerhin haben wir jahrelang im Auftrag der Regierung Hunde kastriert und viel Geld investiert», so Heli Dungler, Gründer und Präsident von Vier Pfoten und redete von «Mord». Der Organisation wurde gestern nach eigenen Angaben widerrechtlich der Zugang zur Tierklinik in Bukarest verweigert.

Da Rumänien für Fang und Versorgung viel Geld von der EU erhalte, habe das Land gar kein Interesse, das Problem zu lösen, so ein weiterer Vorwurf.

Ermittlung wegen Mord

Doch auch die rumänische Justiz ermittelt – laut spiegel.de wegen Mordes: Einer der an der Attacke beteiligten Hunde trug einen Chip im Ohr – er war 2008 eingefangen und sterilisiert worden. Laut Angaben der Behörden ist er Eigentum der Tierschutzorganisation Caleidoscop und hätte nicht mehr ausgesetzt werden dürfen.

(trx)