Wunderrettung

27. Oktober 2011 18:30; Akt: 27.10.2011 18:59 Print

Zwei Überlebende geborgen

Auch 100 Stunden nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei geben die Trümmer weitere Überlebende frei. Derweil stieg die Anzahl Todesopfer auf 532.

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Die 18 und 19 Jahre alten Opfer des Bebens vom Sonntag seien von Suchmannschaften aus der Türkei und Aserbaidschan lebend aus Trümmern befreit worden, berichteten türkische Fernsehsender.

Insgesamt seien bisher 185 Menschen lebend geborgen worden, teilte der Krisenstab der Regierung mit. Die Zahl der Toten erhöhte sich am Donnerstag auf 534. Die Hoffnungen schwanden, noch weitere Menschen lebend zu finden. Einsetzender Schneeregen erschwerte in der Provinz Van die Bedingungen für Überlebende des Bebens.

Tausende Menschen kämpfen in der klirrenden Kälte ums nackte Überleben. Die Versorgung läuft schleppend. Zelte fehlen. Frauen und Männer, Kinder und Greise müssen im Freien campieren. Und in der Nacht zu Donnerstag fiel der erste Schnee.

«Wir haben unter einem Stück Plastikplane geschlafen, das wir an ein paar Brettern festgemacht haben», klagt Fetih Zengin in Ercis, der am ärgsten getroffenen Stadt. «Wir haben zehn Kinder in unserer Familie. Sie werden alle krank, jetzt da der Schnee kommt.»

Der 38-Jährige steht in einer langen Schlange und wartet darauf, dass er endlich ein Zelt für seine Familie bekommt. Aber es gibt keines.

Weitere Suche nach Verletzten und Toten

Rettungsmannschaften suchten in den Trümmern weiter nach Verletzten und Toten. Bisher haben die Retter 2300 Verletzte registriert. Der am Donnerstag gerettete junge Mann wurde in der Stadt Ercis aus dem Schutt eines eingestürzten fünfstöckigen Gebäudes gerettet. Der 19-Jährige sei völlig entkräftet und ausgetrocknet in ein Spital gebracht worden.

Aus dem Ausland traf Hilfe für die Erdbebenopfer ein. Sechs EU- Länder boten zusammen 2300 winterfeste Zelte an. Israel lieferte am Donnerstag in einem Flugzeug Wohncontainer nach Ankara, die mit Lastwagen in die Provinz Van gefahren werden sollen.

Zudem wurden Hilfslieferungen der UNO erwartet, die Tausende Zelte sowie Decken und Matratzen einfliegen wollte. Das Schweizerische Rote Kreuz liefert Zelte, Decken und Heizöfen, wie die Organisation am Mittwoch mitteilte.

Gül verzichtet auf Besuch

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül kündigte zunächst für Freitag einen Besuch im Katastrophengebiet an, sagte diesen dann aber wieder ab. Türkische Medien berichteten, ihm sei davon abgeraten worden, weil dies die Rettungsarbeiten erschweren könne.

Das Erdbeben mit einer Stärke von 7,2 hatte am Sonntag in der Provinz Van fast 2300 Häuser zerstört. Unterdessen wurde die benachbarte Provinz Hakkari am Donnerstag von einem Erdbeben der Stärke 5,4 erschüttert.

Die Provinz Van liegt im Südosten des Landes und grenzt an den Iran. Sie wird mehrheitlich von Kurden bewohnt. Die Türkei wird immer wieder von heftigen Erdbeben heimgesucht.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte Baufirmen und Aufsichtsbehörden am Mittwoch schwere Versäumnisse vorgeworfen. Bei der Katastrophe sei der Beton einiger Gebäude wie Sand zerbröselt. Die Nachlässigkeit von Kommunen, Bauunternehmen und Kontrolleuren sei als ein Verbrechen zu betrachten.

(ap)