Malaysia Airlines

18. Juli 2014 01:50; Akt: 18.07.2014 10:07 Print

Zweimal eine Boeing, zwei Tragödien

von Chris Brummitt, AP - Es scheint unglaublich: Nur Monate nach dem Verschwinden einer Passagiermaschine im März wird Malaysia Airlines wieder von einer Tragödie getroffen.

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Zwei Flugzeugtragödien eine Fluggesellschaft: Bereits im März verschwand ein Flugzeug der Malaysia Airlines spurlos. (Bild: Keystone/Fred Neeleman)

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Zwei Mal eine Boeing 777. Zwei Tragödien innerhalb kurzer Zeit, die sonst in der Luftfahrt selten vorkommen. Und es trifft ein und dieselbe Fluggesellschaft. Es scheint ein schier unglaublicher Zufall zu sein, dass es wieder die Malaysia Airlines waren, die eine Passagiermaschine verloren - diesmal möglicherweise durch einen Abschuss über der Ukraine. Erst am 8. März war eine Boeing verschwunden, ein Rätsel, das bis heute ungelöst ist.

«In beiden Fällen ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas vorkommt, unglaublich gering», sagt John Cox, ein früherer Pilot und jetziger Chef der Beraterfirma Safety Operating Systems in Washington. «Zwei solche Vorfälle innerhalb von nur wenigen Monaten zu erleben - das hat es wirklich bisher noch nie gegeben.»

Das erste Unglück hat in Malaysia tiefe Narben hinterlassen, die ganze Welt war sozusagen sprachlos. Wie konnte eine Boeing 777-200ER spurlos verschwinden? Die Maschine, die nach Peking fliegen sollte, hatte ihren Kurs verlassen, und es wird davon ausgegangen, dass sie über dem Indischen Ozean abstürzte.

Flugzeug über Kampfgebiet

Aber wo genau? Das Suchgebiet wurde mehrere Male geändert, aber keine Spur von Wrackteilen oder den 239 Menschen an Bord. Was sich nach dem Start abspielte, warum die Maschine abstürzte, wird wahrscheinlich ein Rätsel bleiben.

Anders war es am Donnerstag. Die Wrackteile der Boeing, die auf dem Flug von Amsterdam nach Kuala Lumpur war, wurden in der Ukraine gefunden. 280 Passagiere und 15 Besatzungsmitglieder waren an Bord. Die USA zeigten sich am Donnerstag überzeugt davon, dass die Maschine abgeschossen wurde, ukrainischen Beamten zufolge in einer Flughöhe von 10 000 Metern. Die Region wird von schweren Kämpfen zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und prorussischen Separatisten erschüttert.

Die Gesellschaft Malaysia Airlines war nach dem Verschwinden von Flug 370 im März heftiger Kritik über die Art und Weise ausgesetzt, wie sie die Suche und die Ermittlungen handhabte. Einige Angehörige der verschollenen Passagiere warfen der Airline vor, die Hintergründe der Tragödie zu verschleiern. Es gab Verschwörungstheorien zuhauf, auch Spekulationen, dass die Maschine abgeschossen worden sein könnte. Es gab aber zumindest am Donnerstag keinerlei Hinweise auf eine Verbindung zwischen den beiden Tragödien.

Airline vor weiterem finanziellem Schaden

Cox sagte, nach seiner Kenntnis gebe es trotz der Kämpfe keine Restriktionen bei Flügen über die östliche Ukraine. Wenn die Maschine von einer Rakete abgeschossen worden sei, habe der Pilot wahrscheinlich nichts davon mitbekommen. «Eine solche Rakete nähert sich meistens von hinten. Es gibt keinen Grund, warum er sie hätte sehen können.»

Der Airline war in den Wochen nach der Tragödie vom März schlechte Kommunikation angelastet worden. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass die Angehörigen der Passagiere so lange im Ungewissen über das Schicksal ihrer Lieben blieben. Diesmal gibt es diese Ungewissheit nicht. Aber die Untersuchung wird genauso kompliziert und heikel sein - mit rechtlichen und diplomatischen Implikationen abhängig davon, wer die Verantwortung für den Absturz trägt.

Auf jeden Fall wird der Vorfall Malaysia Airlines weiteren finanziellen Schaden zufügen. Schon vor der Tragödie im März hatte das Unternehmen Verluste vermeldet. Danach sagten Passagiere ihre Flüge ab, und obwohl die Airline versichert ist, herrscht Unklarheit über Entschädigungszahlungen an die Angehörigen der Opfer.