US-Experte

08. November 2016 05:43; Akt: 08.11.2016 08:27 Print

«Trump hat Öl ins Feuer gegossen»

von O. Fischer - Akzeptiert Donald Trump eine mögliche Niederlage? Oder kommt es bei einer Niederlage zu Ausschreitungen? Wann steht der Präsident fest?

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Manfred Elsig, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Bern, begleitet die US-Wahlnacht für 20 Minuten. Am Tag der Wahl beantwortet er die letzten drängenden Fragen zu den Umfrageergebnissen, dem Kopf-an-Kopf-Rennen und den umkämpften Bundesstaaten.

Umfrage
Wer wird US-Präsident: Hillary Clinton oder Donald Trump?
65 %
26 %
9 %
Insgesamt 97152 Teilnehmer

In den letzten Umfragen liegen Trump und Clinton praktisch Kopf-an-Kopf. Ist das Rennen an den Urnen tatsächlich so eng?
Das Rennen bleibt eng, obwohl die meisten Umfragen Clinton vorne sehen.

In den Battleground-Staaten Florida und Pennsylvania liegt Clinton in den Umfragen vorn. Werden diese beiden Staaten das Rennen entscheiden?
Es gibt ein paar Battleground-Staaten, die zu beachten sind. Pennsylvania tendiert zu Clinton, aber der Ausgang in Florida ist wie auch in North Carolina, Nevada, New Hampshire und Ohio offen.

Kommentatoren in Europa sprechen zum Teil schon von einem bevorstehenden Erdrutschsieg Clintons. Realistische Einschätzung, masslose Übertreibung oder reines Wunschdenken?
Hier fliesst auch ein gewisses Wunschdenken mit ein. Eine Präsidentschaft Trump löst in vielen Teilen Europas ein Unbehagen aus. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass der Sieg Clinton höher ausfällt als prognostiziert. In dem Fall wird es interessant sein zu beobachten, wie die Kandidaten der Demokratischen Partei für den Einzug in den Senat und ins Repräsentantenhaus von diesem Effekt profitieren könnten.

Die beiden Kandidaten jagen bis zuletzt von Wahlveranstaltung zu Wahlveranstaltung. Was versprechen sie sich davon und können diese Last-Minute-Auftritte wirklich noch Wähler überzeugen oder mobilisieren?
Die letzten Wahlauftritte sind nur noch in Battleground-Staaten und -Bezirken. Hier geht es vor allem um die Schlussmobilisierung der Wählerschaft und um einen letzten Motivationsschub für die Wahlhelfer.

Trump hat angekündigt, seine Niederlage womöglich nicht zu akzeptieren. Droht uns ein juristisches Nachspiel wie anno 2000?
Es muss damit gerechnet werden, da Trump nicht aufgehört hat, die Wahlen als manipuliert zu bezeichnen. Florida könnte hier wiederum eine wichtige Rolle zukommen. Aber auch in anderen Staaten ist ein juristisches Nachspiel möglich, vor allem wenn der Stimmenunterschied gering ist und irgendwelche Gerüchte zu Wahlfälschungen auftauchen. Beide Parteien sind sicherlich vorbereitet und ihre Juristen auf der Startlinie.

Das FBI hat bekannt gegeben, dass es – erneut – nichts Relevantes gegen Hillary Clinton gefunden hat. Gibt ihr das jetzt den entscheidenden Boost?
Die Aktion des FBI-Direktors ist schwer nachzuvollziehen. Er wollte es sich wahrscheinlich bei den Republikanern nicht verspielen. Für Clinton ist die erneute Bestätigung, dass nichts Relevantes gefunden wurde, sicherlich eine gute Nachricht; aber der FBI-Direktor hat mit seiner Ankündigung nach weiteren Untersuchungen Clinton in den letzten Tagen geschadet, weil die Thematik wieder aufgekocht wurde. Man sollte nicht vergessen, dass viele Leute in der letzten Woche zur Wahl gingen, als das Thema präsent war.

Bei einem Sieg von Clinton gibt es Befürchtungen, dass es zu Ausschreitungen von Trump-Anhängern kommen könnte. Eine reale Gefahr oder bloss Panikmache?
Das ist eine reale Gefahr. Trump hat mit seiner Ankündigung, den Wahlausgang bei einer Niederlage nicht zu akzeptieren, Öl ins Feuer gegossen. Es wird daher darauf ankommen, ob Trump ein Sieg Clintons offiziell anerkennt. Man kann nur hoffen, dass seine Kinder ihn davon überzeugen können, eine Niederlage einzugestehen. Vielleicht kann aber sogar Trump eine kleine Gruppe von wutentbrannten Trump-Wählern nicht mehr kontrollieren.

Wann kennen wir den neuen US-Präsidenten?
Wahrscheinlich gegen 6 Uhr morgens, vorausgesetzt, die Resultate in den meisten umkämpften Staaten fallen eindeutiger aus als erwartet. In Florida wird es aufgrund der Grösse und Vorgeschichte bei der Auszählung der Stimmen womöglich etwas länger dauern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 08.11.2016 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    Fragend

    Ich frag mich immer noch, wie kann es sein, dass sämtliche Umfragen so knapp ausfallen, wenn an den Trump Rallies etwa 10x soviele Leute erscheinen und Hillary sogar mit Pharrell oder Madonna als Act kaum Publikum findet?

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  • Gebelesener am 08.11.2016 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich vorbei mit dem Wirbel

    Wurde als CH-Leser regelrecht überladen mit US-Wahlkampf. Bin ich froh hat diese Heuscherei ein Ende.

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  • Ernst Ruetimann , Trang am 08.11.2016 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hans was Heiri ......

    Gewinne wer will ! In vier Jahren sind wieder Wahlen mit hoffentlich endlich faehigeren Kandidaten .-

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nachdenker am 11.11.2016 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unsichere Zeiten

    Die Wahl Trumps bedeutet mehr Unsicherheit in Europa, da der amerikanische Schutz zurückgefahren wird.

  • C. Geisseler am 10.11.2016 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen...

    Es kann ja sein, dass unter Trump der Druck auf die CH- Banken gestoppt wird und auch die doppelte Besteuerung von US/CH-Doppelbürger aufhört. Obama hat in seinen 8 Jahren die Schweiz nie und nimmer in Schutz genommen oder unterstützt.

    • Böser Eugen am 10.11.2016 17:42 Report Diesen Beitrag melden

      wenn #AmericaFirst Programm sein soll

      ....was erwarten Sie denn überhaupt? Von den USA in Schutz genommen zu werden? - beklagen Sie sich in Bern, wo unser Etablishment fuhrwerkt. Oder wählen Sie entsprechend.

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  • Blonder Löwe am 10.11.2016 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kurve gekratzt!

    Wie kann man nur so gemein über Trump's vergangenen Wahlkampf berichten, seine Äusserungen wurden doch eh alle nur gefälscht. Nur gut waren genug Amerikaner rechtzeitig so intelligent, dass sie dies gerade noch bemerkt haben.

    • Checker am 10.11.2016 14:56 Report Diesen Beitrag melden

      Nun.

      Würden Sie Englisch sprechen wüssten Sie, dass seine Äusserungen nicht gefälscht wurden. Aber da haben wir es wieder.. Bildung und Trump Anhänger, gelle?!

    • Babalu am 10.11.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Checker

      Wenn man nicht immer alles so nimmt wie es gesagt wird könnte man evtl auch zwischen den Zeilen lesen aber die Logik der Anti-Trump Anhänger lässt halt zu wünschen übrig...

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  • HP am 10.11.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen und beten

    Ich hoffe, dass er seine Wahlversprechen einhalten kann! Leute wie er könnten auch wir gebrauchen!

    • Gustaff am 10.11.2016 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HP

      Du meinst sicher "wie ihn?" Da haben wir es ja schon!

    • Gustaff am 10.11.2016 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HP

      Genau! Da hilft nur Beten!

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  • Igel am 10.11.2016 05:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Also bin Ehrlich. Wenn Trump ein solcher Schuldenjonglierer ist im Privaten. Dann wird Er das auch mit Amerika Tun. Trump hat seine eingefleischte Einstellung welche Er nicht verlassen kann. Amerika wird in dem Falle noch schlechter zugerichtet.

    • Gustaff am 10.11.2016 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Igel

      Und ich garantiere, dass sich seine Wähler ihr eigenes Grab geschaufelt haben. (Sie sind allerdings zu dumm, um das zu merken.)

    • jk am 10.11.2016 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gustaff

      Nach dem gestrigen Tag sollte niemand mehr irgendwelche Untergangs-Prognosen machen.. 1. kommt es anders 2. als man denkt. Bin überzeugt, dass diese Veränderung an der Zeit und gut ist.

    • Böser Eugen am 10.11.2016 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      Schuldenjonglierer?

      Die Clintons waren am Ende der Legislaturen von Raping Bill bankrott. Die Gelder der ClintonFoundation gingen nie nach Haiti zu den Erdbebenopfern, sondern wurden privat verjubelt (die UN hat die CF zur Hilfsorganisation erklärt...). Wenn die geleakten Emails doch mal noch vom FBI untersucht werden dürfen, wandert die gesamte Clinton Crew inklusive Obama hinter Gitter. Im Kongress soll man ja bereits Anträge gestellt haben.

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