Schönheits-OPs

18. Februar 2019 18:31; Akt: 19.02.2019 13:12 Print

«Schönheit-OPs können süchtig machen»

von Sulamith Ehrensperger - Apfelpo und Wespentaille: Die Zahl der Schönheits-OPs ist auf hohem Niveau. Schönheitschirurg Christian Köhler über 91-jährige Kundinnen und Kim-Kardashian-Pos.

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Wenn es um die Schönheit geht, gehört die Schweiz im Pro-Kopf-Vergleich zu den operationsfreudigsten Ländern. In der Bildstrecke erfahren Sie mehr. Schönheitskliniken suchen längst nicht mehr Frauen und Männer ab 35 Jahren auf. Heute legen sich schon 18-Jährige für den perfekten Körper unters Messer oder lassen sich mit Botox- oder Filler-Eingriffen behandeln. Brustvergrösserung und Fettabsaugen sind die häufigsten Gründe, weshalb sich Schweizerinnen operieren lassen. Diese Eingriffe gehören auch zu den Top drei des Schönheitschirurgen Christian Köhler. «Die Patienten suchen mich mit unterschiedlichen Intentionen auf. Manche, weil sie in einer Zeitschrift oder bei Instagram ihren Traumkörper gesehen haben, andere haben seit vielen Jahren ein tiefliegendes Problem.» Etwa 15 Prozent seiner Kunden seien Männer, so Köhler. «Die meisten sind zwischen 35 und 55 Jahre alt. Die Zahl bleibt im Verhältnis ungefähr gleich, weil gleichzeitig immer mehr Frauen kommen.» Über 2000 Brustvergrösserungen hat Christian Köhler durchgeführt. Vor allem in der Fitnessszene sei es heute populärer, sich ein Implantat machen zu lassen. «Fitnessbewusste Frauen investieren viel in ihren Körper und haben meist ein gutes Körperbewusstsein. Sie wollen nicht auf weibliche Körpermerkmale verzichten wie eine Brust.» Die durchschnittlich eingesetzte Grösse bei Brustimplantaten ist in Europa zirka 280 bis 320 Milliliter. Redaktorin Sulamith Ehrensperger nimmt die verschiedenen Implantate in Augenschein. In Europa seien die Menschen punkto OPs zurückhaltender. «In Amerika hingegen sind Schönheitsoperationen fast schon selbstverständlich – etwa wie ein Date beim Coiffeur. Schönheits-OPs gelten als Statussymbol. Es muss also auffallen: ein überdimensionierter Po oder grosse Brüste und eine schmale Taille.» «Meinem Ideal entspricht das nicht», sagt Christian Köhler im Gespräch mit Redaktorin Sulamith Ehrensperger. «Ich habe schon Poimplantate eingesetzt, aber das ist eher die Ausnahme. Auch Sixpack- oder Bizepsimplantate sind bei uns nicht verbreitet. Die Leute sind körperbewusster geworden und ernähren sich gesünder.» Schönheitsoperationen können süchtig machen, bestätigt Köhler. «Wenn alles gut verlaufen ist: Ja. Sie geben einem das Gefühl, dass es eine einfache Sache ist. Man bezahlt dafür und kriegt innerhalb von einer kurzen Zeit einen schöneren Körper oder ein besseres Selbstwertgefühl.» Doch der Körper brauche Zeit, um sich zu regenerieren.«Manchmal muss ich tatsächlich Kunden ausbremsen», sagt der Schönheitschirurge, «Es gibt sicher einen Suchtfaktor, was manche Negativbeispiele zeigen. Wenn man Eigenfett unterspritzt, wie beim Po von Kim Kardashian oder auch bei grossen Brustimplantaten, wird das Gewebe überdehnt. Das muss in Folge-OPs wieder gestrafft werden.» «Ich lehne die Hälfte der Männer ab, die Fett am Bauch absaugen wollen», erläutert Köhler. «Männer haben das sogenannte viszerale Fett, das braune Speicherfett, innen drin hinter der Muskulatur. Da hilft nur eine Diät und ergänzend Sport.» «Auch wenn ich das Gefühl habe, es passt irgendwie nicht, lehne ich ab», sagt der Schönheitschirurg. «Einmal sagte eine Kundin direkt vor der OP, sie sei unsicher, und ich habe sie nach Hause geschickt. Skeptisch bin ich auch, wenn sich jemand gerade getrennt hat und sich gleich die Brüste vergrössern lässt.» Manche unliebsamen Pölsterchen wird man auch mit striktem Ernährungs- und Trainingsprogramm nicht los. «Reiterhosen oder Lovehandels, das sogenannte Hüftgold, sind zwei Klassiker. Manche meiner Kunden arbeiten wirklich hart an sich. Doch teilweise sind solche Fettpolster genetisch bedingt, da hilft auch kein Sport. Beim Eingriff gleichen wir die Körperproportionen aus.» «Und was haben Sie an sich verschönert, Herr Köhler?», möchte Sulamith Ehrensperger wissen. «Ich habe Angst vor Operationen und habe an mir noch nichts machen lassen. Ich denke ganz oft, dass ich mir Fett absaugen lassen sollte, doch müsste ich erst strenger mit Sport und Ernährung sein.»

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Christian Köhler, Sie kommen gerade aus dem OP. Wie haben Sie die Menschheit heute verschönert?
Meine Woche fängt immer streng an, aber mit dem, was ich am liebsten tue, dem Operieren. Auf dem Programm standen acht Eingriffe. Das waren alles Brustvergrösserungen.

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Wie stehen Sie zu Schönheitsoperationen?

In Ihrem Alltag dreht sich alles um die Schönheit. Ist Ihnen das nie zu oberflächlich?
Natürlich wirkt es für viele oberflächlich. Doch bei genauerem Hinschauen sehen Sie, wie viel Hingabe und Liebe zum Detail mit meinem Beruf verbunden ist. Die Patienten suchen mich mit unterschiedlichen Intentionen auf. Manche, weil sie in einer Zeitschrift oder bei Instagram ihren Traumkörper gesehen haben, andere haben seit vielen Jahren ein tiefliegendes Problem. Eine Kundin wünschte sich mit 60 Jahren eine Brustvergrösserung. Erst nach 40 Jahren, als ihr Partner verstarb, erfüllte sie sich ihn.

«Die Patientinnen werden immer jünger»

Was operieren Sie am häufigsten?
Meine Top drei sind Brustvergrösserungen, Augenlider und das Facelifting. In den letzten elf Jahren habe ich vom Spektrum her alles operiert – von Ohrenanlegen, Bauchdeckenstraffungen bis hin zur Intimchirurgie. Mittlerweile hat sich die Ästhetik derart spezialisiert, dass ein Schönheitschirurg gar nicht mehr alle Wünsche bedienen kann. Vielmehr operiert jeder das, was er gerne tut und besonders gut kann.

Wie viele Ihrer Kunden sind männlich?
Etwa 15 Prozent sind Männer, die meisten sind zwischen 35 und 55 Jahre alt. Die Zahl bleibt im Verhältnis ungefähr gleich, weil gleichzeitig immer mehr Frauen kommen. Die Kundinnen werden immer jünger. Heute legen sich schon 18-Jährige unters Messer, früher erst von 35 Jahren an aufwärts. Meine älteste Kundin war 91 Jahre alt. Sie wollte einmal in ihrem Leben Botox ausprobieren.

Es gibt Frauen, die hart trainieren, weil sie sich einen kurvigen Po à la Kim Kardashian wünschen. Wie verbreitet sind klassische Fitness-OPs bei uns?
In Europa sind wir zurückhaltender. In Amerika hingegen sind Schönheitsoperationen fast schon selbstverständlich – etwa wie ein Termin beim Coiffeur. Schönheits-OPs gelten als Statussymbol. Es muss also auffallen: ein überdimensionierter Po, grosse Brüste und eine schmale Taille. Meinem Ideal entspricht das nicht. Ich habe schon Poimplantate eingesetzt, aber das ist eher die Ausnahme. Auch Sixpack- oder Bizepsimplantate sind bei uns nicht verbreitet. Die Leute sind körperbewusster geworden und ernähren sich gesünder.

«Schönheits-OPs gelten als Statussymbol»

Wie oft werden Sie von Kundinnen gefragt: Kann ich den Po von Kim Kardashian haben?
Es gibt Kundinnen die Fotos zur Sprechstunde mitbringen. Damit habe ich kein Problem. Im Gegenteil, es ist schon vorgekommen, dass ein B-Cup geplant war und die Kundin dann Fotos von Doppel-D-Körbchen gebracht hat. Schwieriger wird es für mich als Chirurg, wenn bei Instagram schlicht alles gepostet wird. Fotos unmittelbar nach der OP oder wenn der Narkosearzt vor dem Eingriff vorbeischaut, werden gepostet. Ich denke, solche Momentaufnahmen vermitteln falsche Eindrücke.

Für ihren Traumkörper quälen sich manche mit strengen Diäten und Trainings. Bei welchen unliebsamen Pölsterchen hilft nur noch der Schönheitschirurg?
Die Reiterhosen und die Lovehandels, das sogenannte Hüftgold, sind zwei Klassiker. Manche meiner Kunden arbeiten wirklich hart an sich. Doch teilweise sind solche Fettpolster genetisch bedingt, da hilft auch kein Sport. Beim Eingriff gleichen wir die Körperproportionen aus.

Frauen, die viel trainieren oder abnehmen verlieren an Oberweite. Wie verbreitet sind Brustvergrösserungen bei sportlichen Frauen?
Ich glaube, es ist heute viel populärer, ein Implantat zu machen. Fitnessbewusste Frauen investieren viel in ihren Körper und haben meist ein gutes Körperbewusstsein. Sie wollen nicht auf weibliche Körpermerkmale verzichten wie eine Brust. Die durchschnittlich eingesetzte Grösse von Implantaten in Europa ist bei 280 bis 320 Millilitern. Es gibt aber auch dezentere Wünsche. Wir operieren oft nach der Dual Plane Methode, die Implantate setzen wir für ein natürlicheres Aussehen zum Teil unter den Brustmuskel.

«Wenn ich das Gefühl habe, es passt nicht, lehne ich die OP ab»

In welchen Fällen lehnen Sie eine Operation ab?
Ich lehne die Hälfte der Männer ab, die Fett am Bauch absaugen wollen. Männer haben das sogenannte viszerale Fett, das braune Speicherfett, innen drin hinter der Muskulatur. Da hilft nur eine Diät und ergänzend Sport. Auch wenn ich das Gefühl habe, es passt irgendwie nicht, lehne ich ab. Einmal sagte eine Kundin direkt vor der OP, sie sei unsicher, und ich habe sie nach Hause geschickt. Skeptisch bin ich auch, wenn sich jemand gerade getrennt hat und sich gleich die Brüste vergrössern lässt.

Erst die Brüste, dann die Nase: Können Schönheitsoperationen süchtig machen?
Wenn alles gut verlaufen ist: Ja. Sie geben einem das Gefühl, dass es eine einfache Sache ist. Man bezahlt dafür und kriegt innerhalb von einer kurzen Zeit einen schöneren Körper oder ein besseres Selbstwertgefühl. Doch der Körper braucht Zeit zum Regenerieren. Manchmal muss ich tatsächlich Kunden ausbremsen. Es gibt sicher einen Suchtfaktor, was manche Negativbeispiele zeigen. Wenn man Eigenfett unterspritzt, wie beim Po von Kim Kardashian oder auch bei grossen Brustimplantaten, wird das Gewebe überdehnt. Das muss in Folge-OPs wieder gestrafft werden.

«Es gibt sicher einen Suchtfaktor bei Schönheits-OPs»

Was verschönern Sie an sich?
Ich habe Angst vor Operationen und habe an mir noch nichts machen lassen. Ich denke ganz oft, dass ich mir Fett absaugen lassen sollte, doch müsste ich erst strenger mit Sport und Ernährung sein. Vor kurzem bin ich nach Russland geflogen, um eine neue Hormontherapie auszuprobieren. Auch alle möglichen Softtreatments teste ich an mir selbst. Die tun manchmal richtig weh. Doch nur so kann ich meinen Patienten hautnah berichten, was sie erwartet.