Expat-Chinesin

26. November 2019 17:10; Akt: 26.11.2019 17:10 Print

«Die Schweiz wirkte wie eine Märchenwelt»

Von Peking nach Urnäsch: Yu Hao erzählt in ihrem Dokfilm, wie sie im Appenzellerland ihre Heimat fand und zur inneren Ruhe kam.

In ihrer ersten Zeit in der Schweiz war die Filmkamera Yu Haos ständige Begleiterin. Diese Eindrücke verarbeitet sie im Dokumentarfilm «Plötzlich Heimweh». (Video: Youtube/Moviebizfilms)
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Hao, du bist in China geboren und hast als Reporterin die ganze Welt gesehen. Wann warst du das erste Mal in der Schweiz?
Im März 2002 war ich zum ersten Mal mit einem Fernsehteam hier. Wir haben Zürich, Davos und das Appenzellerland besucht.

Umfrage
Würdest du für die Liebe ins Ausland ziehen?

Was war dein erster Eindruck dieses Landes?
Die wunderschöne Schneelandschaft, die Ruhe im Dischmatal bei Davos, die Morgendämmerung in Flumserberg, die frische Luft und die klare Sicht in den Bergen, die Freude der Menschen beim Skifahren, die traditionellen Bauernhäuser im Appenzellerland, die kleinen Fenster mit ihren weissen Vorhängen – alles wirkte auf mich wie eine Märchenwelt. Und auch mein erstes Raclette ist mir geblieben – Liebe auf den ersten Biss!

Wieso bist du schlussendlich in die Schweiz gezogen?
Ich habe mich auf dieser Reise verliebt und bin schlussendlich wegen Ernst, meinem Mann, in die Schweiz gezogen. Zuerst dachten wir, dass ich nur für ein paar Monate bleibe und danach weiterschaue. Aus ein paar Monaten wurden schliesslich mehr als 13 Jahre.

Hast du nach 12 Jahren in der Schweiz mehr chinesische oder Schweizer Freunde hier?
Es gibt bestimmt grosse chinesische Gemeinschaften in der Schweiz, aber ehrlich gesagt weiss ich es nicht einmal genau. Durch meine Arbeit habe ich mehrheitlich Einheimische kennengelernt und habe heute vorwiegend Schweizerinnen und Schweizer als Freunde und Bekannte.

Was machst du, wenn du Heimweh nach China hast?
Ehrlich gesagt: Ich habe nie Heimweh nach China, obwohl ich die chinesischen Traditionen und die chinesische Kultur sehr schätze und ich meine Familie, meine Verwandten und Freunde in China habe. Das Wort «Heimweh» kannte ich früher nicht einmal, bis ich vor fünf Jahren auf einer Reise plötzlich Heimweh nach dem Appenzellerland verspürte.

«Heute bin ich in Urnäsch daheim»

Was bedeutet für dich Heimat?
Heimat ist für mich der Ort, wo ich meine innere Ruhe habe, wo ich mich nicht anders fühle, wo ich gerne alt werden möchte und wonach ich nach zwei oder drei Wochen Reisen Heimweh habe. Heute bin ich in Urnäsch im Appenzellerland daheim.

Hast du einen Ratschlag für Leute, deren Partner ebenfalls für sie in ihr Land gezogen sind?
Wenn man in ein fremdes Land zieht und nur der Liebe wegen dort lebt, funktioniert es meiner Meinung nach nicht. Man muss dazu bereit sein, sich den Menschen, der Kultur, den Sitten und Bräuchen gegenüber zu öffnen. Das heisst, nicht mit der eigenen Kultur zu vergleichen, nicht zu urteilen und einfach mit offenem Herzen akzeptieren und spüren, was vor Ort passiert.

Wie gelingt das am besten?
Das Mitmachen, Miterleben und Arbeiten sind zentral. Ob man sich mit den lokalen Sitten und der Kultur identifizieren kann, spielt gemäss meiner Erfahrung eine wichtige Rolle für die Integration. Auch die Landessprache verstehen und sprechen zu können, ist ein wesentlicher Punkt, da Sprache unsere Denkweise beeinflusst.

«Plötzlich Heimweh», ab 28. November im Kino

(gss)