Daniela Steiner

17. September 2019 13:52; Akt: 18.09.2019 10:56 Print

«Mein Mann und ich kochen nie zusammen»

Das Start-up Felfel bringt gutes Essen an den Arbeitsplatz. Dabei helfen ihm frische Zutaten, Live-Messungen und ein hochintelligenter Kühlschrank.

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Keine Kompromisse in der Mittagspause: Das Team von Felfel hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betriebe ohne eigene Kantine mit frisch zubereiteten, gesunden und preiswerten Menüs und Snacks zu versorgen. Möglich macht es ein hochintelligenter Kühlschrank, Felfel genannt, der in den Firmen aufgestellt wird und täglich mit neuen Kreationen aufgefüllt wird. Mitarbeiter registrieren sich mit einem Badge, der das Öffnen des Kühlschrankes ermöglicht. Das ausgesuchte Produkt wird an einem Screen gescannt und per Kreditkarte verrechnet. Die Auswahl der Menüs ist breit, Veganer kommen genauso zum Zug wie Liebhaber von Züri Gschnätzlets oder Salmon-Poké-Bowls. Mehrere Food Scouts sind bei Felfel angestellt, um zusammen mit Köchen neue Trends aufzuspüren und Langeweile im Kühlschrank zu vermeiden. Wie die Gerichte beim Konsumenten ankommen, wird mittels einer eigens entwickelten Technologie in Live-Geschwindigkeit überprüft. Im ganzen Büro stehen Flachbildschirme, die zeigen, welches Gericht gerade am beliebtesten ist und wo was aufgefüllt werden muss. Das erlaubt, auch den Food-Waste möglichst tief zu halten. Der Gründer von Felfel, Emanuel Steiner, arbeitete ursprünglich in der Finanzbranche. Seine Liebe zum Essen und die eigene Frustration ob der mangelnden Verpflegung bei seinem alten Arbeitgeber inspirierten ihn zur Gründung seines Start-ups. Felfel heisst übrigens Pfeffer auf Persisch. Eine Hommage an seine Wurzeln. Schon bald nach der Gründung im Jahr 2013 stieg seine heutige Ehefrau Daniela Steiger ins Business ein, die vorher mit Heylife frisch gepresste Säfte anbot. Die beiden verbindet nicht nur die Liebe zu qualitativ gutem Essen. «Wir arbeiten extrem gerne zusammen und ergänzen uns perfekt.», sagen die beiden, die kürzlich Eltern wurden.

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Dein Ehemann und du habt beide lange in der Finanzbranche gearbeitet. Wie kam die Idee, ein eigenes Start-up im Foodbereich zu gründen?
Manu und ich haben eine grosse Leidenschaft für gutes Essen. Zudem sind wir beide Perfektionisten und hassen Mittelmässigkeit, speziell wenn es um den Service geht. An unseren früheren Arbeitsstellen waren die Optionen für die Mittagspause nicht ideal. Alle schwärmten aus, um sich mitten in der Stadt oftmals teuer, aber nicht immer qualitativ hochwertig verpflegen zu können. Das war der Auslöser für meinen Mann, ein Produkt zu kreieren, das Mitarbeitern erlaubt, zusammenzukommen und zu fairen Preisen eine feine Mahlzeit zu geniessen. Bald nach der Gründung stiess ich dazu.

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Wie ist es, mit dem eigenen Ehemann zu arbeiten?
Wir haben lange in der Corporate-Welt gearbeitet und empfinden es heute als sehr befreiend, gemeinsam etwas aufzubauen mit der Person, die man am besten kennt und der man am meisten
vertrauen kann. Wir sind mit Herzblut dabei, achten aber auch darauf, auch mal abstellen zu können. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, ohne Manu zu arbeiten. Wir schauen jedoch auch darauf, privat abstellen zu können. So haben wir daheim beispielsweise Räume, in denen wir nicht über das Geschäft sprechen.

Wie unterscheidet ihr euch?
Mein Mann ist der Stratege, er sieht das Ganze aus der Vogelperspektive. Ich bin detailversessen und setze gern um. Manu kümmert sich um die Technologie und Logistik, ich um die Produktentwicklung und die Kundenbetreuung, aber bei uns fliesst alles ineinander.

Ein Kühlschrank mit Fertig-Food ist praktisch. Aber wie sieht es mit der Abfallproduktion aus?
Die Verpackungsindustrie ist noch nicht da, wo sie heute sein könnte, aber das wird sich bald ändern. Wir sind im Gespräch mit unseren Partnern und freuen uns schon, in naher Zukunft Neuheiten einzuführen. Bis dahin ist jeder Felfel-Kühlschrank mit einer Recycling-Box ausgestattet, wir holen den Abfall ab und recyclen ihn. Unsere Technologie zeigt zudem, welche Menüs gern gegessen werden. Nur diese füllen wir wieder auf. So versuchen wir, Food-Waste zu minimieren.

Welche Menüs sind gemäss dieser Technologie im Trend?
Poké-Bowls sind und bleiben angesagt. Aber auch Züri Gschnätzlets kommt an kühleren Tagen immer super an. Mit Schoggi in allen Variationen als Zvieri kann man in Schweizer Unternehmen auch nie etwas falsch machen.

Wer kocht bei euch daheim, dein Mann oder du?
Wir beide kochen extrem gern, aber niemals zusammen. (lacht)

Was steht bei dir auf dem Menü, wenn du an der Reihe bist?
Ich liebe die Rezepte von Yotam Ottolenghi, mit viel Gemüse, die einfach vorzubereiten sind.

(gss)