Jürg Hösli

24. Dezember 2018 07:55; Akt: 09.01.2019 13:55 Print

«Weihnachten ist fast wie ein Vielfrontenkrieg»

von Sulamith Ehrensperger - Festessen und Weihnachtsstress schlagen ganz schön auf Waage und Bauch. Doch Kilofalle Weihnachten – die muss nicht sein. Das Interview mit Jürg Hösli.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Gesamtpaket gegen Jahresende birgt sehr viele Stressoren, dazu kommen die Weihnachtsessen und der Alkohol. Stress stellt unser Hungergefühl auf den Kopf. Wir kompensieren mit Essen.Im Stress lagert der Körper viel schneller Fett ein. Die vielen Kalorienbomben zur Weihnachtszeit gehen in die Leber oder in den Bauchraum. «Schon muss man wieder von Januar bis Dezember mit dem Gewicht kämpfen», sagt Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli. Die Tipps vom Experten: Verhindern können wir dies nur, wenn wir achtsam sind, den Alkohol reduzieren und Entspannung in unseren Alltag bringen. Viele klagen, sie würden in der Weihnachtszeit zunehmen. Eine Studie zeigt, dass die Gewichtszunahme zwischen Weihnachten und Neujahr nur 370 Gramm beträgt. «Es gibt Menschen, die in dieser Zeit emotional gestresst sind und die nehmen dann gerne mal fünf Kilo zu», erklärt Jürg Hösli, «Oft sind es Menschen, die ein gezügeltes Essverhalten haben, ständig versuchen ein bisschen weniger zu essen und während der Festtage überborden.» Stehen abends Festessen auf dem Programm, besser nicht über den Tag Kalorien einsparen, sonst wird der Appetit umso grösser. «Wer abends zu viel isst, lagert mehr Körperfett ein. Es ist also wichtig, dass wir auch in dieser Zeit ein normales Verhältnis zu Genuss haben», sagt Hösli. Für manche sind die Festtage wie ein Dammbruch: «Endlich darf ich mir was gönnen, weil ich sonst das ganze Jahr hindurch streng mit mir war.» Aber nicht nur die vielen Süssigkeiten schlagen auf die Waage. Auch der Alkohol: Champagner, Weisswein und Co. enthalten viel Zucker, was zusammen mit einem grossen Teller zur Kalorienbombe wird. Das Jahresende bringt manche emotional aus der Balance. Auch die Gefühlslage beeinflusst unser Essverhalten. Jürg Höslis Tipp: «Trotz all den Festessen und Einladungen regelmässig über den Tag verteilt essen, dass abends nicht der Heisshunger zuschlägt und statt jedesmal ein Cüpli zu bestellen, lieber mal wieder ein Wasser.» Genuss gehört zur Weihnachtszeit dazu, muss aber nicht in Völlerei enden. Wichtig ist, dass man sich keinen Stress macht und unter Druck setzt. Ein bisschen mehr Bewegung in den Alltag einbauen, auch mit der Familie zusammen, dann ist man Kalorien und schlechtes Gewissen schnell wieder los. Trotz Kälte und vollem Terminkalender hilft es Figur und Gemütslage, wenn man den Sport nicht ganz vergisst. Eine Walking- oder Joggingrunde einlegen – zu zweit gelingt es leichter.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jürg Hösli, viele sind in der Weihnachtszeit gestresst. Was tun, wenn ich unter Dauerstrom stehe – und sich dieser auch auf der Waage bemerkbar macht?
Wenn wir Stress haben, wird unser Hungergefühl verschoben und wir kompensieren mit Essen. Wir essen mehr, als der Körper braucht, um uns zu belohnen. Stehen abends Festessen auf dem Programm, besser nicht über den Tag Kalorien einsparen, sonst wird der Appetit umso grösser. Ich gönne mir dann zwei Desserts und esse jedes Stück Brot, das auf den Tisch kommt. Wer abends zu viel isst, lagert mehr Körperfett im Bauchbereich ein. Es ist also wichtig, dass wir auch in dieser Zeit ein normales Verhältnis zu Genuss haben. Dieser gehört zu unserem Leben. Genuss muss aber nicht in Völlerei enden.

Umfrage
Nehmen Sie über die Festtage zu?

Nicht nur die kalorienreichen Festessen schlagen zu Bauche, viele trinken auch mehr Alkohol.
Für manche sind die Festtage wie ein Dammbruch: Endlich darf ich mir was gönnen, weil ich sonst das ganze Jahr hindurch streng mit mir war. Auch beim Alkohol kann man mal Nein sagen und nicht bei jeder Bestellung ein Cüpli nehmen, sondern mal wieder ein Wasser. Champagner, Weisswein und Co. enthalten viel Zucker, was zusammen mit einem grossen Teller zur Kalorienbombe wird. Das geht in die Leber oder lagert sich am Bauch ab, und schon muss man wieder von Januar bis Dezember mit dem Gewicht kämpfen. Das muss nicht sein.

Wie schaffe ich die Balance zwischen Gewicht und Genuss leichter?
Trotz all den Festessen und Einladungen regelmässig über den Tag verteilt essen, dass abends nicht der Heisshunger zuschlägt. Nehmen Sie sich Zeit für Bewegung, für Abend- oder Verdauungsspaziergänge. Ich weiss, es ist dunkel draussen und für viele nicht gerade die erfreulichste Zeit, dennoch ist es wichtig, den Sport nicht ganz zu vergessen. Viele Fitnessstudios haben offen oder vielleicht auch mal eine kurze Walking- oder Joggingrunde einlegen.

Das Jahresende bringt manche emotional aus der Balance. Wie beeinflusst die Gefühlslage unser Essverhalten?
Das Gesamtpaket gegen Jahresende birgt sehr viele Stressoren, dazu kommen die Weihnachtsessen und der Alkohol. Wir haben eine Art Vielfrontenkrieg zur Weihnachtszeit. Im Stress lagert der Körper viel schneller Fett ein. Der Muskel ist schlechter versorgt, dafür der Bauch umso mehr. Darum wächst der Bauch in dieser Zeit so schön. Verhindern können wir dies nur, wenn wir achtsam sind, den Alkohol reduzieren und Entspannung in unseren Alltag bringen.

Viele klagen, sie würden in der Weihnachtszeit zunehmen. Eine Studie zeigt, dass die Gewichtszunahme zwischen Weihnachten und Neujahr nur 370 Gramm beträgt.
Ich sehe beides, das ist Typen abhängig. Es gibt Menschen, die in dieser Zeit emotional gestresst sind und die nehmen dann gerne mal fünf Kilo zu. Sie brauchen auch in der Weihnachtszeit eine Struktur beim Essen, damit sie sich nicht mitreissen lassen. Oft sind es Menschen, die ein gezügeltes Essverhalten haben, ständig versuchen ein bisschen weniger zu essen und während der Festtage überborden. Diejenigen, die ein natürliches Essverhalten haben, nehmen vielleicht ein bisschen zu, aber mittels Bewegung auch schnell wieder ab.

Was tun, wenn die Hose dann doch nicht mehr zugeht?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wer gesund ist, kann auch mal ein paar Tage fasten. Wichtig ist, dass man sich keinen Stress macht und unter Druck setzt. Ein bisschen mehr Bewegung in den Alltag einbauen, auch mit der Familie zusammen, wieder regelmässig trainieren, dann sind die Kilos schnell wieder weg.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mavic Pilot am 24.12.2018 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach mal lecker essen!

    So ein Quatsch. Man wird nicht von Weihnachten bis Neujahr fett, sondern von Neujahr bis Weihnachten. Wer sich davon stressen lässt, sollte sich mal therapieren.

    einklappen einklappen
  • Anony Mia am 24.12.2018 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wyhnachte allein muss nicht traurig sein

    ich zieh mein schönstes `Kleid`und Kuschelsocken an, setz die Weihnachtsmütze auf, tanze Weihnachstlieder trällernd durch mein Zuhaus, plündere nach Herzenslust den Frigo, trinke Champus aus der Cafètasse oder heisse Schoggi aus dem Proseccoglas, zappe nach Herzenslust durchs TV Programm, packe mein selbstgekauftes Geschenk aus, und werfe das Papier wie Konfetti in die Luft.. und niemand da, der sagt "so benimmt man sich heut nicht" (Null Stress) und Nein, Weihnachten allein muss nicht traurig sein... Frohe Wyhnacht Euch Allen

    einklappen einklappen
  • DFlex am 24.12.2018 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reinhauen!!!

    Es ist Weihnachten, also haut bitte rein. Wer jetzt noch Kalorien zählt, kann die Festtage unmöglich geniessen. En Guete!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel K. am 24.12.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studien

    Na ja die Studien. Für mich ist die Zeit zwischen Nejahr und Weihnachten für das Gewicht massgebend und nicht zwischen Weinachten und Neujahr...

  • The Grinch am 24.12.2018 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Anti

    Ich hasse weihnachten. Und alles was damit zu tun hat.

  • Ungeliebte Tochter am 24.12.2018 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Die nette Familie

    Ich höre mir einfach den ganzen Abend die Vorwürfe meiner Eltern an, was ich in meinem Leben Alles falsch gemacht habe und welch Enttäuschung ich doch bin. Da vergeht einem der Appetit ganz schnell.

    • Anony Mia am 24.12.2018 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      (un)geliebte Tochter

      mach dir dein schönstes Geschenk - welches da, Freiheit heisst ;-) sei es dir SelbstWert (-; Hör es dir ein letztes mal an, aber nicht zu lang ... dann erhebe dich, atme tief durch und sage mit ruhiger Stimme:`mit einem Menschen, der Euch soviel Sorge bereitet und so wenig wert ist, mit dem solltet ihr nicht den heiligen Abend verbringen` ... dann nimm deinen Mantel und geh mit Stolz erhobenem Haupt aus der Tür... tanze durch den Regen /Schnee und wünsche jedem den du triffst - fröhliche Weihnachten -

    einklappen einklappen
  • Karl Buechli am 24.12.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft ja, Manie nein

    Die Leute müssen wieder lernen zu geniessen. Der Blick auf die Waage ist ab und zu nicht falsch, aber es darf nicht zur Manie werden. Ich erinnere mich gut an meinen Hausarzt. Ich habe 35 Jahre lang "Kettengeraucht". Dann hörte ich von einem Tag auf den anderen auf. Mein Gewicht stieg von 65 kg auf 80 kg. Mein Arzt gratulierte mir dazu. "Nehmen Sie noch 20 kg zu, wenn Sie sich dabei wohl fühlen. Sie leben in jedem Fall länger als wenn sie weiter geraucht hätten!". Er hatte Recht. Ich habe heute 92 kg, bin putzmunter und 86 Jahre alt.

  • x-mas-Coach am 24.12.2018 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es liegt an Dir

    Der Stress ist selbstgemacht und damit alle Folgen auch. Nehmt aktiv etwas Spannung raus und lasst euch auf die Festtage ein. Ja und zusammen essen gehört dazu (ohne Kalorien zählen). Nehmt es für einmal gemütlich, lasst auch mal ereignislos Zeit verstreichen. Diese Tage sind gut um einfachmal sein. Von Mensch zu Mensch.