Journalistin erzählt

05. Januar 2020 14:38; Akt: 06.01.2020 09:19 Print

«An 5 von 7 Abenden war ich am Trinken»

von Geraldine Schläpfer - Eine Theorie der Journalistin Ruby Warrington (42) will unsere Trinkgewohnheiten untersuchen – und im besten Fall reduzieren.

Bildstrecke im Grossformat »
Schwanger oder trockener Alkoholiker? Wer nicht trinkt, muss sich oft rechtfertigen. Das Cüpli oder den Glühwein in der Gruppe abzulehnen, passt einfach nicht zu einer Gesellschaft, in der Alkohol in vielen Ritualen verwurzelt ist. Viele Wellnessfreunde, die lieber einen klaren Kopf als den ganzen Tag eine leichte Scheibe haben, stehen dem ständigen Anstossen aber zunehmend kritisch gegenüber und wollen mehr als bloss einen alkoholfreien Monat einlegen. Zu den Pionieren hinter der «Sober curious»-Idee (neugierig darauf, nüchtern zu sein) und als Erfinderin ihres Namens gilt die Journalistin und Autorin Ruby Warrington. Die New Yorkerin trank früher gemäss ihrem Buch an etwa fünf von sieben Abenden. «Das heisst nicht, dass ich ständig besoffen war, aber anzustossen gehörte nach einem stressigen Tag einfach dazu», schreibt sie. Der Kater danach, auch wenn es nur eine leichte Unkonzentriertheit am nächsten Tag im Büro war, ging ihr irgendwann so auf die Nerven, dass sie sich mit ihrem Trinkverhalten auseinandersetzte und ein Buch schrieb. «Heute trinke ich nur noch selten, ein Glas an Hochzeiten zum Beispiel. Ich fühle mich klarer und frischer denn je», sagt sie. Rubys Fans und Nachahmer schwärmen, fokussierter und glücklicher zu sein, seit sie weniger Alkohol trinken. Dabei geht es nicht darum, Alkohol zu verbieten, sondern achtsamer mit ihm umzugehen und sich somit, im besten Falle, öfter gegen ihn zu entscheiden. Dabei ist es egal, ob man sich anstatt einer durchtanzten Nacht mit Drinks mehr Ruhe daheim gönnt ... .. oder einfach ab und zu mit alkoholfreiem Bier (dessen Absatz in der Schweiz 2019 markant gestiegen ist) anstösst. Was hältst du davon, nicht ständig aus Gewohnheit anzustossen? Hast du auch Lust, im Jah 2020 weniger zu trinken um entspannter und fokussierter zu sein? Oder findest du das alles ein wenig übertrieben und gönnst dir weiterhin deine Drinks? Sag uns deine Meinung im Kommentarfeld.

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Ära des Selbstoptimierungswahns macht Alkohol nüchtern betrachtet zwar wenig Sinn. Dennoch ist er allgegenwärtig, wie die letzte Bastion des Genusses, die stillschweigend und verschwörerisch aufrechterhalten wird. Dabei beeinflusst schon eine kleine Menge Alkohol Aufmerksamkeit, Motivation und Emotionen, wie wissenschaftlich längst bestätigt ist.

Umfrage
Wie gehst du mit Alkohol um?

Wieso trinkst du eigentlich?

Alkohol gehört zum Feiern, zum gesellschaftlichen Abschalten und zum Freitagabend einfach dazu. Es hilft beim Abschalten, Spass, Small Talk, Einschlafen. Es macht fröhlich und entspannt. Doch wenn Alkohol irgendein Gefühl auslösen soll, muss man sich
dann nicht fragen, ob es dazu wirklich ein Nervengift braucht? Im Netz kursiert derzeit der Begriff «sober curious» (auf Deutsch: Neugierig darauf, nüchtern zu sein). Geprägt hat den Begriff Ruby Warrington, eine britische Autorin, die dem Trend ein eigenes Buch gewidmet hat. Das Konzept ist einfach: Anstatt einen alkoholfreien Januar einzulegen, um dann das restliche Jahr wieder zu trinken, geht es bei «sober curious» darum, sich nach der Motivation zu fragen, wieso man überhaupt zu Drinks greift, ohne sich diese zu verbieten.

Kein Verbot, aber eine andere Denkweise

So rät die Autorin beispielsweise, an Events, an denen man normalerweise als Erstes zum Weisswein greifen würde, in sich zu gehen und sich zu überlegen, ob und wieso man dieses Glas nun wirklich braucht. Ist es Gruppendruck, Angespanntheit, Stress, das Erleichtern eines Gesprächs? Nach diesem Scan des Trinkantriebs wird entschieden, ob sich Alkohol und seine Folgen am nächsten Tag in diesem Fall wirklich lohnen. Um dies auszuprobieren, muss man nicht ehemaliges Mitglied der Anonymen Alkoholiker sein, sondern einfach interessiert daran sein, einen klaren Kopf zu haben und im Einklang mit sich und seinen Gedanken zu sein. Ganz im Sinne von «mindfulness», dem Zustand, den wir sonst mit Yoga, Meditation und dem Schreiben von Journals anstreben.

Warrington, die früher gemäss eigenen Angaben an 5 von 7 Abenden pro Woche mindestens ein alkoholisches Getränk zu sich nahm, hat dem Alkohol übrigens fast ganz abgeschworen. Das, ohne sich selber komplett einzuschränken. So trinkt sie an Hochzeiten immer noch ein Glas Champagner oder geniesst hin und wieder am Strand ein Bier. Ganz verzichten wollen wir Millennials eben doch nicht, aber wenn schon Alkohol, dann bitte mit Bewusst-Etikett drauf. Das ist nur konsequent – und einen Versuch wert. Denn die allermeisten Drinks sind in einer simplen Erklärung begründet: Gewohnheit.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno am 05.01.2020 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch ohne

    Hatte schon viele schöne Abende auch ohne Alk.Muss aber auch sagen das mir das rechtfertigen warum ich jetzt nichts trinke schon ziemlich stört.Das heisst nicht das ich gar nichts trinke sondern seltener und auch bewusster.Geniesse dann auch ein frisches Bier oder einen guten Malt Whisky.

    einklappen einklappen
  • Paula am 05.01.2020 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebensqualität

    ich trinke nie Alkohol weil er mir nicht schmeckt und nicht gut tut und habe aufgehört mich deswegen zu rechtfertigen. Trotzdem habe ich immer viel Spass in Gesellschaft und ich übernehme immer das nachhause fahren. Dafür habe ich immer einen klaren Kopf um ein gutes Buch zu lesen. das ist für mich Lebensqualität!

    einklappen einklappen
  • Mitläufer am 05.01.2020 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommene Haltung

    Mir gefällt die Idee ausserordentlich. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich ohne gross zu überlegen das zweite oder dritte Bier anhebe. Manchmal wünsche ich mir, es gäbe gesellige Orte, bei denen man ohne gross zu überlegen nicht ein Bier, sondern irgendetwas anderes in den Händen hält. z.B. ein Tee oder vielleicht einfach auch nur Spielkarten... keine Ahnung. -> Das Bedürfnis nach mehr Nüchternheit wäre sicherlich vorhanden, wenn man die Gegebenheiten darauf "ausrichten" könnte.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Damian Meyer am 17.01.2020 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bye bye Seitenfett

    Ich bin auch gerade am Abstinentlen. Ist aber vor allem wegen dem Seitenfett an der Hüfte, welches ich auf Nimmerwiedersehen verabschieden will. Und auch die Bauchtrommel sollte höchstens ein kleines Trümeli sein, besser ein Waschbrett- als ein Waschbärbauch.

  • Manu J. am 16.01.2020 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    (8D

    Ohhh.. den Job will ich auch !!! Und ich dachte immer das seien die Cops die sowas tun.. Sind ja allein mit Grossmütterchen, der Verblödung der Menschen (Klapse) & der Selbstüberschätzung derer (Ambulanz) per Du. 1 hab ich von Nolan Bats 3 gelernt, wenn man wirk was erreichen will, Seil weg und entweder man kommt weiter oder der Nächste tuts! Dieses Rumgeheule nervt nur und hindert an zukünftigem.

  • Josue Amoros am 09.01.2020 20:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überzeugter Nicht-Akohol-Trinker

    Seit etwas mehr als 5 Jahren trinke ich keinen Schluck Alkohol. Vorher habe ich oft über den Durst getrunken. Daher kenne ich für mich beide Seiten. Ich fühle mich viel wohler ohne Alkohol. Kann lustig mit oder ohne sein, mit dem Unterschied immer zu wissen wo die Grenzen sind. Ich habe keinen Filmriss mehr und bin auch nach einer durchgemachter Partynacht am nächsten Tag einigermaßen wieder fit. Viele denken ohne Alkohol könne es nicht lustig sein.. dem ist nicht so.

  • Joe am 09.01.2020 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinke nichts mehr

    Ich trinke seit Jahren keinen Alkohol mehr. Gut, bis auf meine Bierchen am Abend. Aber das zählt ja nicht wirklich.

  • Krank am 09.01.2020 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    5 von 7 Tagen am Saufen

    Und an 7 von 7 Tagen am Rauchen. Alles wird gut.