Eat this!

09. März 2019 15:06; Akt: 09.03.2019 15:06 Print

Eiweiss ist doch kein Allheilmittel

von Jürg Hösli - Proteine liegen schon länger im Trend. Sie gelten als Muskelbooster und Fettkiller. Doch sind sie das wirklich?

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Sind Extra-Proteine nötig oder nur gutes Marketing? Immer mehr Hersteller bringen Proteinprodukte in die Regale. (Bild: Millefloreimages)

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Manchmal komme ich mir auch bei der Ernährung vor wie auf dem Sensationsmarkt. Einer schreit, alle rennen. Protein ist heute das Zauberwort: Es gibt Proteinmilch, Proteinbrot, Proteinjoghurt und vor allem viele Pülverchen und Drinks.

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Ernähren Sie sich proteinreich?

Protein ist wichtig für die Gesundheit, macht schlank und hebt den Stoffwechsel. Dies hören wir in der Werbung der Nahrungsergänzungsfirmen, keiner scheint es heute mehr zu hinterfragen. Schon an der Uni haben wir gelernt, dass es eine Übermenge nicht gibt, da bei einem Überschuss die Niere lernt, mehr Harnstoffe zu entsorgen, einfach ein bisschen grösser wird und dann alles gut ist. Ist es das aber wirklich?

Wenn jeder Schritt zum Krafttraining wird

Nein, das ist es überhaupt nicht. Warum, zeige ich am Beispiel aus unserer Beratung: Peter ist 45 Jahre alt, 180 Zentimeter gross und bringt 135 Kilo auf die Waage. Bei ihm verteilt sich die Masse auf den ganzen Körper. Wenn wir seine Körperzusammensetzung sehen, hat er eine sehr gute Muskulatur. Peter hat vor drei Jahren seine Ernährung auf proteinreich und kohlenhydratarm gewechselt. Trotzdem hat er in dieser Zeit nochmals deutlich zugenommen. Aber warum?

Peter macht mit jedem Schritt ein Krafttraining. Wenn wir bei ihm von einem Normalgewicht von circa 85 Kilo ausgehen, trägt er den ganzen Tag eine 50-Kilo-Hantel auf seinen Schultern. Mit genügend Eiweiss hat er natürlich so auch einen richtig guten Muskelaufbau. Gut, denken nun viele. Doch was passiert wenn der Körper immer mehr Muskulatur hat, das Herzkreislaufsystem im Verhältnis aber schwächer wird?

Wenn der Körper Kohlenhydrate fordert

Es wäre, wie wenn wir in Zürich 100 Prime Towers bauen würden, aber nicht mehr Strassen. Die Folge: Stau ohne Ende! Für den Körper heisst das: Der Blutdruck steigt, der Sauerstofftransport sinkt, auch die Fettverbrennung wird tiefer und anaerobe (stressprozesse) Prozesse steigen. Das bedeutet mehr Entzündungen, noch schlechtere Durchblutung, mehr Gelenkprobleme usw.

Die Energie, die Peter bei einer eingeschränkten Zufuhr von Sauerstoff und bei hohen Kraftbelastungen braucht, sind Kohlenhydrate. Darum hat er auch dauernd Heisshunger auf Süsses, Salziges oder Brot. Er versucht, diese zu vermeiden, unterliegt dann ab und zu seinem Körper, der Kohlenhydrate fordert. Je grösser das Gewicht, desto grösser der Heisshunger. Und natürlich nimmt Peter so auch zu.

Darum ist Protein kein Allheilmittel

Bei Peters Ernährung haben wir nun das Nahrungsprotein auf das Minimum reduziert und ihm deutlich mehr Kohlenhydrate gegeben. Die Ergebnisse waren schnell da: Deutlich besserer Schlaf, weniger Schweissausbrüche, mehr Energie im Alltag und vor allem deutlich weniger Wasser im Körper. Er nahm in der Folge sehr gut ab – ohne jegliche Essattacken und das mit rund 3000 Kilokalorien pro Tag, also nichts mit Hungern!

Eiweiss als Allheilmittel in der Ernährung darzustellen, ist schlicht fahrlässig. Wenn wir etwas über den Tellerrand schauen, sehen wir in der veganen Ernährung und ihren wissenschaftlichen Untersuchungen, dass eine Eiweissreduktion sehr viele gesundheitlich positive Eigenschaften hat. Diese ergeben sich aber definitiv nicht aufgrund von weniger Fleisch, sondern weniger Eiweiss und mehr Kohlenhydraten.

Wann sollten Sie Ihren Eiweissbedarf überdenken?

1. Sehr hohe Körpermasse, auch in den Extremitäten.
2. Sehr guter Muskelaufbau.
3. Bluthochdruck und sehr hoher Ruhepuls.
4. Viele Wassereinlagerungen insbesondere Ödembildungen an Armen und Beinen.

Bitte lassen Sie sich bei der Ernährungsumstellung von einer ausgewiesenen Fachperson beraten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Te Rasse am 09.03.2019 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na dann

    En Guete

  • Geissenpeter am 09.03.2019 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weniger Eiweiss für mehr Muskelaufbau?

    also sollen all die Jahre Training mit fettarmer und dafür eiweissreicher Nahrung für die Katz gewesen sein? Mein Muskelaufbau ist also nur zufällig entstanden? Totales Chaos mit den Wissenschaften. Mal wird dies mal jenes behauptet.

  • nur ihr selber erkennt was das richtige am 09.03.2019 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    ist, hört auf euren Körper

    Blödsinn!! Kommt immer darauf an was für ein Ziel man erreichen will. Definierter Body, Masse, muss man Ausdauer haben, will man einfach schlank werden oder Gewicht zu nehmen.....alles bla bla bla bla

Die neusten Leser-Kommentare

  • Satox am 11.03.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Eine langfristie Überdosierung von Protein hat weitaus andere und gefährlichere Konsequenzen für den Körper! Diese werden hier gar nicht angesprochen. So scheint mir die Quintessenz des Artikels, dass ein grosser Mann mit jedem Schritt Krafttraining macht (was basierend auf der Trainingslehre schlicht Schwachsinn ist) und er folglich einfach zunimmt... dafür dass dieser Herr Ernährungsexperte ist, ein schwacher Artikel

  • Jens am 11.03.2019 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Dumme laberei

    In der Natur hatte alles mehr eiweiß als alles andere Proteinreiche Ernährung ist immer noch gesund. Lass Die"Ernährungsberater"nur labern. Interessiert nicht.

  • Winfield Tuck am 11.03.2019 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaftlich

    Es gibt keine vegane Ernährung mit wissenschaftlichen Untersuchungen. Die vegane Ernährung besteht keine randomisierte dreifach verblindete wissenschaftliche Studien mit 500 oder mehr Personen. Es werden viele falsche Zusammenhänge verknüpft. Der Mensch ist generell zu viel Zucker und Monosacharide. Kohlenhydrate können auch keine Übergewichtsprobleme lösen.

  • Bizeps am 09.03.2019 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wiso Kohlenhydrate ADP geht doch auch

    Das kannst du auch über den aneroboben Adenosintryphosphat kreislauf lösen. Kreatin ist einiges besser als Kohlenhydrate. Ebenfalls können einige Aminosäuren als Energieträger fungiren. Ansonsten sind Mehrfachzuker wichtig wie etwa Matodextrin oder von mir aus auch Fruktose oder Dextrose. Am besten bestimmst du den Glykämischer Index deiner Lebensmittel.

  • Dr. med. am 09.03.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verallgemeinerung

    Einmal mehr: nicht wissenschaftlich! Nicht fundiert! Gerade bei Ödemen kann ein Proteinmangel vorliegen! Man kann keine generelle Empfehlung geben. Tatsächlich ist aber die Mehrheit der Menschen in unseren Breitengraden mit einem Zuviel an Kohlenhydraten belastet und nicht andersrum. Übergewichtige profitieren in den allermeisten Fällen von einer Reduktion der Kohlenhydratlast und einer erhöhten Proteinzufuhr.