Eat this!

01. Dezember 2018 13:47; Akt: 09.01.2019 13:56 Print

Sind Früchte gesund oder nicht? Die süsse Wahrheit

von Jürg Hösli - Lange war Fruktose die gesunde Zuckeralternative. Inzwischen warnen Experten sogar davor. Wie gesund sind Früchte wirklich?

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Jedes Kind weiss, dass Apfel und Co. gesund sind. Allerdings stellen immer mehr Menschen die gesundheitlichen Vorteile von Früchten in Frage. (Bild: Alfimimnill)

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Früchte sind Teufelszeug, das steht schon in der Bibel. Frei nach diesem Spruch werden heute Bananen aus Schulen und Äpfel von Ernährungsplänen verbannt. Laut Pülverchenverkäufern sind Kapseln sowieso gesünder, da sie ohne Kalorien alle Vitamine und Mineralstoffe liefern.

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Die Verunsicherung ist gross, man weiss ja, dass Fruktose ganz schlimm ist. Zudem darf der Blutzuckerspiegel auf keinen Fall angehoben werden, da sonst die Fettverbrennung gleich dahin ist, das weiss ja jedes Kind heute. Aber ob das alles richtig ist so?

«Was du sagt, ist Blödsinn»

Auch ich bin im Studium getrimmt worden, bei den Zwischenmahlzeiten Früchte nach Möglichkeit wegzulassen. Das Argument mit der Fettverbrennung, da ja ein erhöhter Blutzuckerspiegel den Fettabbau und die Fettverbrennung herunterreguliert, leuchtete mir ein. So habe ich das auch in den Beratungen angewendet. Bis eines Tages ein Freund in meine Beratung kam, der ein phantastisches Körpergefühl hatte. Sein Ziel war es, fitter zu werden.

Auf die Empfehlung hin, keine Früchte zwischendurch zu nehmen, sagte er mir: «Was du sagst, ist Blödsinn. Ich fühle mich viel fitter und verliere schneller Fett, wenn ich zwischendurch Früchte esse.» Da ich meine eigenen Grundsätze gern hinterfrage und von Kunden mindestens so viel gelernt habe wie an der Uni, machten wir die Probe aufs Exempel.

Fettverbrennung stieg deutlich an

Wir haben in der Praxis die Möglichkeit, über indirekte Kalorimetrie (Messverfahren) zu testen, wie hoch die Fettverbrennung ist. Nachdem wir mit vielen Personen Früchte als Zwischenmahlzeiten ausprobiert hatten, kam das Spannende. Mein Freund hatte absolut recht. Bei allen stieg die Fettverbrennung innerhalb eines Monats deutlich an.

Da wir ebenfalls Schlafqualität, mentale Erholung und Belastung über einen Standardfragebogen messen, erhielten wir weitere spannende Resultate. Die Schlafqualität wurde bei fast allen deutlich besser, die Lust auf Süsses zum Teil massiv weniger und die innere Ausgeglichenheit deutlich höher. Bei Diabetikern senkte sicher der Langzeitzucker (HbA1c), aber nicht wegen der Früchte, sondern weil sie viel weniger zu Chips griffen oder sonst «sündigten».

Was ist mit der Fruktose?

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre gibt es für uns heute absolut kein Argument, dass Früchte von unserem Teller verschwinden sollten. Wenn wir bedenken, dass weniger Früchte auch weniger naschen bedeutet, weniger Haushaltszucker zwischendurch, dann müsste ich doch Früchte als Heilsbringer sehen und nicht als Gefahr! Was ist nun mit der Fruktose, die überall so angeprangert wird?

Wenn die Leber zu viel Fruktose erhält, dann ergibt sich eine Leberverfettung, das ist richtig. Aber wenn ich mich «normal» ernähre, dann fülle ich die Leber auch nie ganz (Füllmenge von rund 90 bis 150 g Kohlenhydrate). Dann bringt mich auch ein Apfel nicht ins Grab, sondern eben sogar etwas später dahin. Wenn ich natürlich vorher drei Hamburger, eine grosse Tüte Pommes und einen Liter Cola getrunken habe, müssen wir auch nicht mehr über die eine Frucht diskutieren.

In der heutigen Zeit ist es üblich, ein Lebensmittel mit dem Beelzebub gleichzusetzen. Dieses bringt uns umgehend in die ewige körperliche Hölle und Verdammnis. Doch, liebe Leser, wenn Ihnen je ein Berater ein Lebensmittel, das sie mögen und das ihnen guttut, madig macht, ist es definitiv an der Zeit, den Berater zu hinterfragen und nicht das Lebensmittel.