Unnötiger Trend?

23. Januar 2020 13:59; Akt: 23.01.2020 14:24 Print

Hafermilch ist nur auf den ersten Blick perfekt

Vegan, glutenfrei, umweltverträglich und richtig fein: Der Milchersatz aus Hafer wird immer beliebter. Aber so gesund ist er gar nicht unbedingt.

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Welche Milch du trinkst, ist ganz alleine dir überlassen. Wieso nicht einfach abwechseln?

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«Oat Milk»: Schäumt und schmeckt

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Welche Milch trinkst du?

Ob aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen: Immer mehr Menschen verzichten auf Kuhmilch. Hafermilch ist mittlerweile ein richtiges Trendgetränk geworden, das aufgrund seiner Schäumbarkeit und seines neutralen Geschmacks auch gern für Cappuccino und Lattes verwendet wird. In den USA sorgte der Hype um Haferdendrink (Oat Milk) im vergangenen Jahr sogar für Lieferengpässe.

Kein Wunder: Hafermilch ist für Veganer eine gute und gesunde Alternative. Und wer Milch nicht verträgt, hat bei Haferdrinks und anderen Getränken auf Getreidebasis keine Probleme mit seiner Laktoseintoleranz. Nur für Zöliakie-Patienten und Menschen, die auf Gluten verzichten müssen oder wollen, ist der Drink nicht geeignet.

Auch in Umweltfragen punktet der Pflanzendrink. Er hat eine bessere Ökobilanz als Kuhmilch oder andere pflanzliche Drinks wie Soja- oder Mandelmilch, deren Anbau viel mehr Wasser benötigt und oft längere Transportwege mit sich bringt.

Wenig Kalzium und Eiweiss

Haben wir also die ideale pflanzliche Milch gefunden? So einfach ist es nicht: Wer per sofort auf Kuhmilch verzichtet, muss seinen Speiseplan ergänzen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht besitzt Kuhmilch zwei besonders wertvolle Inhaltsstoffe: Protein und Kalzium. Die Eiweisse aus der Kuhmilch sind wichtig für den Aufbau von Muskelmasse. Kalzium stärkt die Knochen und Zähne und unterstützt das Nervensystem.

Hier kann Hafermilch nicht mithalten. In einem Deziliter stecken weniger als ein Gramm (Kuhmilch hat etwa 3,4 Gramm). Und auch der Kalziumgehalt ist kaum erwähnenswert. Für eine ausreichende Kalziumversorgung sollten also kalziumreiche Lebensmittel wie frisches grünes Gemüse, Früchte und Kräuter (zum Beispiel Beeren, Brokkoli, Kohl, Spinat sowie Kresse und Peterli) zusätzlich auf dem Speiseplan stehen.

Wer auf eine figurbewusste Ernährung achtet, wird sich zudem nicht über die Kohlenhydrate freuen, die in Hafermilch stecken. Zwar sättigen die Ballaststoffe, aber eine Tasse ungesüsster Hafermilch alleine enthält etwa 30 Gramm Kohlenhydrate, was etwa zwei Scheiben Brot entspricht.

Die meisten Baristas verwenden zudem gesüsste Hafermilch, was den Kaffee besonders fein macht, aber eben zusätzlichen Zucker und somit Kalorien hinzufügt. Wie die meisten anderen pflanzlichen Milchersatzprodukte besteht Hafermilch vor allem aus Wasser, etwa 4 bis 5 Prozent Ersatzprodukt (also Hafer, oder in anderen Fällen Soja oder Mandeln), der Rest sind Öle (Sonnenblumenöl) und eventuell zugefügte Vitamine oder auch chemische Stärkemittel, um eine milchige Konsistenz zu erreichen. Da ist Kuhmilch einiges natürlicher.

Wenn du dich also in Zukunft für Hafermilch entscheidest, solltest du dies nicht tun, weil du denkst, dass es viel gesünder als Kuhmilch ist, sondern einfach, weil du Lust darauf hast oder der Umwelt etwas Gutes tun willst.

Du hast keine Lust auf künstliche Inhaltstoffe? In der Bildstrecke verraten wir dir, wie du selber Hafermilch herstellen kannst.


(gss)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 23.01.2020 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Unwahrheit über Kuhmilch und Kalzium

    Auch wenn ich immer mal wieedr Kuhmilch trinke habe ich nichts gegen Hafermilch einzuwenden. Sie kostet leider etwas viel, schmeckt aber ganz ordentlich und gerade geschäumt vertrag ich sie wesentlich besser als Kuhmilch (letztere empfinde ich tweilweise als leicht aufstossend). Das Contra Argument Kalzium lasse ich aber nicht gelten, da man inzwischen durch viele Studien zeigen konnte, dass man über Kuhmilch leider kaum Kalzium aufnimmt. Das Phosphor in der Milch ist das Problem. Durch diese Bindung wird die Kalziumaufnahme verhindert... :(

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  • Askforit am 23.01.2020 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer profitiert wohl von diesem Artikel?

    Wär ja spannend von wem dieser Beitrag wieder gesponsert ist, letztens ein Artikel über Mandelmilch wo ähnlich unbestätigte Fakten drin stand. Der Milchindustrie gefällt wohl ihr Verlust dadurch nicht...

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  • kritikerin am 23.01.2020 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    bitte besser recherchieren

    naja also das mit dem kalzium stimmt so nicht ganz. und dass man nur der umwelt zuliebe keine kuhmilch trinken sollte, finde ich etwas kurzsichtig. nicht zu vergessen ist nämlich auch das tierleid und die ausbeuterische industrie, welche hinter tierischen produkten steckt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seppelpeter am 28.01.2020 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Der Irrglaube mit dem Calcium

    Calcium und Kuhmilch stimmt so wie im Artikel dargestellt nicht. Da Kuhmilchtrinker in der Regel viel zu sauer sind (tierische Produkte machen den Körper sauer), löst sich bei ihnen der Kalk aus den Knochen. Ist der Körper basisch (wie der eines frischgeborenen Babys), kann sich kein Calcium lösen. Die Folge diese Irrglaubens, der Arzt verschreibt z.B. Kuhmilch zu trinken und dies verschlimmert das Problem nur noch. Es ist ein sich selbstverstärkendes Phänomen. Wegen dieser Tatsache erkranken Kuhmilchtrinker viel häufiger an Osteoporose wie langjährige Veganer. Siehe Chemieunterricht.

  • Seppelpeter am 28.01.2020 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hafer wäre glutenfrei, aber ....

    Ein Fehler ist im Artikel aufgetreten, respektive es wurde nicht genügend recherchiert. Hafer ist von Natur aus glutenfrei und nicht glutenhaltig. Das Problem ist nur, dass er in den gleichen Mühlen gemahlen wird wie das andere Getreide. Man kann auch das ganze Korn kaufen und Hafermilch daraus machen, funktioniert einwandfrei. Es gibt auch glutenfreie Haferflocken bei deren Herstellung darauf geachtet wird, dass kein anderes, glutenhaltiges Getreide dazu kommen und keine Kreuzkontamination auftreten kann (meist separate Anlage).

  • Seppli am 28.01.2020 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weit haben wirs gebracht

    Jahrzehntr lang war die gute Kuhmilch gesund und stets die 1.Wahl. Heute,im Zeitalter der Selbstinszenierung und Ökowahnsinns,ist sie dann plötzlich nichts mehr wert.

    • Ensi am 28.01.2020 18:29 Report Diesen Beitrag melden

      Werbespots

      Ich erinnere mich Werbespots von damals über Zucker und Zigaretten gesehen zu haben. Beides wurde als gesund vermarktet...

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  • Wolfgang am 28.01.2020 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    So ein Schwachsinn. 100 g Milch haben 3,4 g Protein. Um Protein zu mir zu nehmen, gibt es weit aus bessere Lebensmittel.

  • Bluvampir am 27.01.2020 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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