Sportarzt Kurt Mosetter

04. Februar 2019 19:01; Akt: 04.02.2019 19:01 Print

«Linsen sind das grosse Geheimnis der Sherpas»

von Sulamith Ehrensperger - Linsen machen satt, schlank und stark. Warum sie das Geheimnis der bärenstarken Sherpas sind, verrät Kurt Mosetter im Interview.

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Linsen sind ein Kraftpaket. Viele gute Gründe, warum wir mehr davon essen sollten, in der Bildstrecke. Schwarz, gelb, braun oder grün: Weltweit gibt es etwa 70 Linsensorten. Mittlerweile sind viele verschiedene Sorten auch bei uns zu haben. Für alle, die Linsensuppe mit einem Kindheitstrauma verbinden: Kaum ein Gemüse ist so sortenreich und vielseitig zubereitbar. Die Linsensorten unterscheiden sich im Geschmack und bezüglich Kochzeiten. Prinzipiell enthalten sie alle wertvolle Proteine und Kohlenhydrate. Linsen sind ein Geheimrezept, um ohne zu hungern satt zu werden. Sie haben einen hohen Gehalt an hochwertigem Eiweiss von fast 25 Prozent bei einem verschwindend geringen Fettanteil. «Vor allem enthalten sie den Einfachzucker Galaktose; er hilft den Zellen zu kommunizieren und er verbraucht kein Insulin», sagt Arzt und Heilpraktiker Kurt Mosetter, «Linsen liefern im Darm wertvolle Ballaststoffe; daraus bilden die Darmbakterien körpereigenes Superfood – also kurzkettige Fettsäuren. Diese wirken antientzündlich, schmerzhemmend und sie stellen die Weichen auf Reparatur.» Weitere Pluspunkte sind die Vitamine der B-Gruppe, Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Zink und Eisen. Deshalb sind Linsen in weiten Regionen der Welt zentraler Bestandteil der Ernährung. «Wer Probleme mit der Verdauung hat, kann die Linsen eine Stunde lang auf kleiner Stufe köcheln lassen, das macht sie verträglicher», sagt Kurt Mosetter. Der Sportarzt und Heilpraktiker schwört auf Linsen mit Sellerie: «Letzterer aktiviert das körpereigene Entgiftungssystem und stärkt das Immunsystem. Dieser Effekt wird in Kombination mit Linsen verstärkt.» Farbenfroh, sortenreich und vielseitig: als Salat, Eintopf, Suppe, Beilage mit Gewürzen und Kräutern ... ... oder als Brote oder Küchlein. Aus Linsenmehl lässt sich auch prima Pizza backen. Die biologische Wertigkeit lässt sich übrigens steigern, indem man Linsen mit schwarzem Reis kombiniert. Eine Kombination, die nicht nur gesund ist, sondern auch mundet. Die Linsensuppe ist ein Gericht, das lange sättigt und auch für sportliche Aktivitäten eine gute Grundlage bietet. «Linsen sind das grosse Geheimnis der Sherpas», verrät Mosetter, «Diese sind zäh, stark und ausdauernd – auch weil sie dreimal pro Tag Linsen essen.»

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Im Märchen muss Aschenputtel Linsen aus der Asche klauben, damit die Stiefmutter ihr erlaubt, auf den Ball zu gehen. Vom «Aschenputtel»-Image zum Superfood: Linsen sind heute für viele Gesundheitsbewusste ein Geheimtipp. Warum?
In Nepal, Tibet oder Indien, aber auch in Italien gehören Linsen zu den Nationalgerichten. Linsen haben richtig wertvolle Proteine, da braucht es gar kein Fleisch dazu. Ganze 20 Prozent Eiweiss haben die Hülsenfrüchte, etwa so viel wie in einem Schnitzel ist. Sie sind aber nicht nur ein prima Eiweisslieferant, die komplexen Kohlenhydrate wirken auch positiv auf den Blutzuckerspiegel und macht sie damit zu einem idealen Menü für Leute, die abnehmen wollen. Linsen sind schnell und vielseitig zubereitet, günstig, verträglich – für mich die Mahlzeit der Hundertjährigen.

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Sie sind rot oder grün, gelb oder schwarz, klein oder gross. Es gibt weltweit rund 70 Linsenarten. Wie unterscheiden sie sich?
Es gibt Leute, die plädieren für die roten, weil sie schnell gekocht sind, andere für die schwarzen oder gelben Linsen. Mein Tipp: Sich durch alle Farben essen, denn alle haben sie ihre eigene Geschmacksnote. Manche schmecken nussiger, andere scharf gewürzt besser, etwa mit Ingwer. Bei anderen passt Kurkuma besser. Auch die Kochzeit unterscheidet sich, manche muss man einiges länger kochen. Prinzipiell haben sie alle die wichtigsten Essenzen, also wertvolle Proteine und Kohlenhydrate. Die biologische Wertigkeit dieser Hülsenfrucht lässt sich übrigens steigern, indem man sie mit schwarzem Reis kombiniert.

Manche verzichten wegen Blähungen auf Hülsenfrüchte. Welche Tricks machen Linsen verträglicher?
Viele der vorbereiteten Linsengerichte wie Salate oder Fastfood sind mit Geschmacksverstärkern, Zwiebeln oder Knoblauch angereichert. Linsen sind verträglicher, wenn man sie selber kocht und möglichst einfach zubereitet. Das Geheimnis liegt in der Einfachheit: nicht zu viele Zutaten zusammen kochen. Ich selbst bereite sie mit ein bisschen Sellerie und einem Gewürz zu. Wer Probleme mit der Verdauung hat, kann die Linsen eine Stunde lang auf kleiner Stufe köcheln lassen, das macht sie verträglicher. Mit Linsen kann man fast alles zaubern – Eintopf, Suppe, Brote, Küchlein – und aus Linsenmehl lässt sich prima Pizza backen.

Sie schwören auf Linsen kombiniert mit Sellerie. Verraten Sie mir weshalb?
Sellerie aktiviert das körpereigene Entgiftungssystem und stärkt das Immunsystem. Dieser Effekt wird in Kombination mit Linsen verstärkt. Miteinander bringen sie den Darm auf Touren, sie schützen und nähren die Mikroflora und wirken antientzündlich. Das Milieu im Darm profitiert also ungeheuer von dieser Kombination.

Kann man sagen, dass Linsen eine Art gesundes Doping für den Körper sind?
Linsen sind das grosse Geheimnis der Sherpas, die ewig laufen und grosse Lasten tragen. Sie essen dreimal am Tag Linsen. Vor allem als Suppe, die morgens zäh und richtig klebrig ist, abends wässriger. Die Reste kochen die Sherpas ein, lassen sie zu einer Art Küchlein trocknen und tragen sie dann im Hosensack als Proviant mit. Wer weiss, vielleicht wäre ein Linsensportriegel mit einem guten Geschmack eine Alternative zu den vielen Proteinriegeln mit künstlichen Zutaten.


Liebe Leser, wie kochen und essen Sie Linsen am liebsten? Wir freuen uns über Ihre Tipps im Kommentarfeld.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pryja am 04.02.2019 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bengalisches Daal

    Rote Linsen in Wasser mit Kurkuma und gewürfelten Tomaten sehr weich kochen. salzen und mit dem Schneebesen weich schlagen (breige Konsistenz). In einer Bratpfanne genügend Oel ( Raps) heiss werden lassen, fein gewürfelte Zwiebeln ganz weich braten lassen, dann in feine Scheiben geschnittener Koblauch mit so viel getrockneten Chillis wie man mag langsam goldbraun braten. Diese Masse in das noch heisse Daal tun und nochmals aufkochen. Mit normalen Reis, oder Basmatireis geniessen.

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  • Nina am 04.02.2019 20:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weisse Linsen (Urid Dal)

    In indischen Läden gibt es auch weisse Linsen. Fertig gekocht sehen sie wie Kartoffelpurreé aus. Man mischt in Butter, leicht angergeröstete Knoblachscheibchen darunter und isst es mit Tshapati (Dünne warme Fladen, ähnlich wie Wrap's)

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  • mcoptic am 04.02.2019 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    superguut

    linsen sind auch gut für die augen;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gusto Misto am 11.02.2019 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Lalulinse

    Die Linsen aus der Dose mit Speckwürfelchen haben uns Singels schon vor manchem Hungerast bewahrt!

  • Joe Perez am 11.02.2019 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Augenzeinkernde Analyse

    Yep, Linsen geben Blähungen, und die wirken wie ein Düsentriebwerk und schieben sie den Berg hoch.

  • Stern am 09.02.2019 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zubereitung

    Die Schweizer Zubereitung von Linsensuppe ist wiederlich... Probierz die Türkische variante um einiges besser, lecker!

  • Robert Kuster am 09.02.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Linsen je nach dem....

    Wer unter Gicht leidet sollte Linsen und andere Hülsenfrüchte meiden. Nicht alles was für die einen gut ist, ist für andere auch gut.

  • P. Reisbrecher am 07.02.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    "Golden Sun"

    Gerste und Linsen im 250g Beutel von Lidl ist perfekt für die Mikrowelle und in 90 Sec. zubereitet