Eat this!

19. Mai 2019 14:39; Akt: 20.05.2019 00:31 Print

Muss ich meine Wurst bald bei den Rauchern essen?

von Jürg Hösli - Es geht um die Wurst. Wer sie isst, muss sich beinahe dafür rechtfertigen. Warum Ideologien nichts auf den Tellern zu suchen haben.

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Es ist nicht Wurst: Essen soll verbinden und nicht ein neuer Kriegsschauplatz sein, sagt Kolumnist Jürg Hösli. (Bild: Fluxfactory)

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«Wenn das so weiter geht mit den Veganern, muss ich meine Wurst noch bei den Rauchern essen». Ich fand diesen Spruch so unglaublich treffend für die aktuelle Diskussion in der Ernährung und Umwelt, darum habe ich ihn auf meiner privaten Facebook Seite gepostet. Doch was dann geschah, hat selbst meine «kühnsten» Erwartungen übertroffen.

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Der Spruch zeigt doch so unglaublich klar auf, wie erfolgreich heute Medien, Influencer und natürlich auch verschiedene vegetarische Publikationsmittel für ihre Sache kämpfen und «aufklären». Drei Prozent der Schweizerinnen und Schweizer schreien so laut auf, dass die restlichen 97 schon das Gefühl haben, in der Minderheit zu sein und etwas Verbotenes zu tun. Und es ist sicher auch so, dass die Diskussion rund um eine Ethik und Ökologie in der Ernährung auch wichtig und richtig ist.

Wurstesser als «Massenmörder» beschimpft

Doch als ich den Spruch gepostet habe, da öffnete sich die vegane Hölle. Wer so etwas schreibe, der verteidige auch Massenmörder, Kinderschänder und sollte gevierteilt werden wie im Mittelalter, war noch etwas vom Mindesten, was gepostet oder als Nachricht geschickt wurde. Ich muss zugeben, ich war doch zuerst sehr erstaunt über eine solche Vehemenz.

Doch wenn man bedenkt, dass Veganismus keine Ernährungsweise, sondern eine ethische Grundhaltung ist, dann versteht man auch, warum einige als Kreuzritter ohne Rücksicht auf Verluste missionieren. Dass sie damit aber vor allem genau den Respekt mit Füssen treten, den sie eigentlich vertreten wollen, geht im allgemeinen Kampfgetöse unter. Sie vergessen, dass wir heute die grossen Probleme der Gesellschaft nicht gegeneinander lösen können, sondern nur miteinander.

Veganismus ist doch kein Kampfmittel

Doch hier liegt das Hauptproblem der heutigen Ernährung an sich. Sie ist heute nicht einfach essen. Genuss ist vorbei, die Funktion muss sein. Wir wollen uns ja von den anderen unterscheiden. Kleider machen Leute, Teller aber auch. Wenn an einem Tisch alle nach fünf Minuten «erfahren» müssen, dass er oder sie vegan ist und die einzig richtige Ernährung pflegt, wer würde dann nicht lieber den Tisch wechseln. Wir retten doch das Klima nicht mit dem anderen eine schlechte Ernährung vorzuwerfen und ihn zu beschuldigen.

Doch wer den veganen Gedanken nicht als Ethik versteht, sondern als Kampfmittel braucht, um die Welt auf den «richtigen Weg» zu führen, der sollte vielleicht einmal seine eigene Position überdenken. Er schadet mehr dem veganen Grundgedanken und vielen veganen Menschen, die den Lebensstil bewusst gewählt haben und nicht jeden Tag damit hausieren gehen müssen.

Essen ist mehr als Identitätsbildung

Wir alle sollten uns lösen von absoluten Verboten oder Wahrheiten in der Ernährung. Eine Ideologie hat schon gar nichts verloren am Küchentisch. Essen soll verbinden und nicht ein neuer Kriegsschauplatz sein, der in Gut und Böse einteilt. Natürlich sollten wir über Ethik, Ökologie und Respekt vor dem Leben nachdenken und dies natürlich auch bei unseren Lebensmitteln.

Schliesslich sollte aber jeder seine eigene Wahl treffen dürfen und dies ohne Druck von aussen. Denn Essen ist mehr als ein Teil der Identitätsbildung. Wenn jemand Lust hat auf ein bestimmtes Lebensmittel, kann das sehr wohl Sinn machen, auch wenn es sogar bei einem Veganer manchmal Fleisch ist.

In diesem Sinne wünschte ich mir etwas mehr Toleranz beim Essen und vor allem weniger Verbote, welche nur Druck und Unfrieden schaffen. Denn dann hören wir auch einander zu und können gemeinsam auch ökologisch etwas bewegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Häschrecht am 19.05.2019 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WIE?

    Wie erkennt man einen Veganer? - - - Er sagt es dir! :D Ich finde jeder soll sich ernähren wie er will. Wertvoll ist es sich bewusst zu ernähren. Aber Andern etwas aufzwingen zu wollen, ist einfach kontraproduktiv.

  • Daisydream am 19.05.2019 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Ein Mann, der verstanden hat, was das Wort Toleranz wirklich bedeutet.

  • Cptorion am 19.05.2019 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Wow, das finde ich ein super Artikel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • popi am 20.05.2019 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Verfehlt, genervt

    Wer Vegan leben will, soll das, vegane Prediger brauchen wir so sehr wie Minarette. Was spielen eigentlich Pflanzen für eine Rolle in unserem Ökosystem? Ach ja, die produzieren den Sauerstoff, den auch wir zum leben brauchen. Ich sage Veganer verstossen gegen Menschenrecht, denn sie rotten mit der Vernichtung der Pflanzen das Leben aus. So, genug Blödsinn erzählt. Es ist eine Sache der Einstellung, vegan ist trendy, das waren früher andere Sachen auch. Ich will nicht vegan missioniert werden, nicht in den Printmedien, nicht mit Fernsehwerbung, nicht hier.

  • Marco am 20.05.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Da Herr Hösli

    sich als Experte aufspielt, ohne eine Ahnung von Ernährungswissenschaft zu haben, darf es auch nicht allzusehr erstaunen, dass er als Nichtveganer zu glauben meint, als einziger den "veganen Grundgedanken" verstanden zu haben und diesen sogar anderen erklären will. Bei jedem seriösen Medium dürfte dieser Hochstapler keine Zeile veröffentlichen, hier wird er als Spezialist gefeiert...

  • Kevin am 20.05.2019 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilig

    Veganer denken sie beschützen Lebewesen, doch es ist eine Frechheit dass Veganer behaupten Pflanzen seien keine Lebewesen nur weil sie kein Herz haben oder keine Laute machen können. Jeder halbwegs intelligenter Mensch weiss, dass Pflanzen ein sehr komplexes Nervensystem haben und ebenfalls fühlen können. Ein Fleischfresser weiss dass für seine Wursr Tiere getötet werden und steht dazu. Ein Veganer tötet auch Lebewesen aber steht nicht dazu

  • Dr. Freiheit Respekt am 20.05.2019 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Verbrecher!

    Ich finde es übrigens auch schockierend, dass der Raucher hier mal so im Vorbeigehen, zwischen den Zeilen als legitim diskriminiert bezeichnet wird. In etwa so: "Nur weil ich Bratwurst esse, bin ich noch lange nicht so schlimm wie diese Raucher. Diese Raucher sind nämlich der absolute Teufel in Person. Fleischesser nicht." Und das ist anscheinend überhaupt kein Problem. Schade, dass es soweit gekommen ist. Lasst die Leute leben; Fleisch, Rauch, whatever. Wenn alle gegenseitigen Respekt zeigen, lässt es sich gut leben. Auch wenn man sich dafür nicht lieben muss. Respekt ist das Wichtigste.

  • Ernährungsbewusster am 20.05.2019 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Tatsache ist, dass der ganze Öko-Hype für viele Lebensmittelhersteller ein riesiges Geschäft ist, womit man viel Geld machen kann. Eine gesunde, ausgewogene Ernährungsweise mit einheimischen Produkten schneidet in der Ökobilanz sicher besser ab, als das gluten- und laktosefreie- Zeug, das viel zu teuer und für die meisten Menschen unnötig ist. Bio Produkte kosten in der Regel auch viel zu viel, weil die Grosshändler den Bio-Bauern nur einen kleinen Prozentsatz mehr geben und den grössten Teil in die eigene Tasche stecken.