Einfach gut essen

20. November 2018 16:24; Akt: 09.01.2019 13:58 Print

Sich gesund essen mit der Anti-Entzündungs-Diät?

von Diana Studerus - Beeren, Kurkuma und weitere Lebensmittel sollen Entzündungen lindern. Leserin Stephanie fragt, ob antientzündliche Diäten wirklich helfen.

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Beeren, Nüsse, Früchte und Gemüse enthalten Tausende sekundäre Pflanzenstoffe, die auch entzündungshemmend wirken sollen. Viele davon sind allerdings noch kaum erforscht. (Bild: Rasulovs)

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Liebe Diana

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Leiden Sie unter einer Autoimmunerkrankung?

Bei mir würde kürzlich eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert und ich würde gern auch etwas mit der Ernährung dagegen tun. Im Internet finde ich viele Dinge zu «antientzündlichen Diäten», mein Arzt aber sagte, dass das nichts bringe. Was ist deine Meinung oder Erfahrung? Danke für jeden Hinweis!

Stephanie (34)

Liebe Stephanie

Das tut mir sehr leid zu hören. Ich hoffe und wünsche, dass die Erkrankung einen günstigen Verlauf nimmt. Du sprichst mit deiner Frage ein Thema an, von dem ich in meiner Sprechstunde auch immer häufiger höre und über das auch vonseiten der Forschung in den letzten Jahren zunehmend neue Erkenntnisse gewonnen wurden.

So aus Erfahrung würde ich sagen, die Wahrheit liegt zwischen den Behauptungen des Internets und der Haltung deines Arztes: Einen Versuch ist es wert, und die Ernährung leistet sicher einen Beitrag zum Verlauf. Jedoch sind Autoimmunerkrankungen ziemlich komplexe Geschehnisse, die nicht nur von der Umwelt (Ernährung etc.) abhängig sind. Der aktuelle Wissensstand zeigt aber auch, dass unser Darm und insbesondere die Darmschleimhaut, die von unserer Ernährung beeinflusst wird, eine wesentliche Rolle in dem Geschehen spielen.

Stell dir die Darmschleimhaut wie ein Ziegeldach vor: Die Ziegel schützen den Estrich vor allerhand Einflüssen. Wenn das Dach aber undicht ist oder Ziegel fehlen, dann geht langsam, aber sicher der ganze Dachstock kaputt und/oder er muss dauernd irgendwo repariert werden, was aber meistens nur ungenügend gelingt. Ähnliches passiert im Darm: Die oberste Schicht ist verändert, und es können Substanzen in unseren Körper gelangen, die dort eigentlich nicht hingehören und das autoimmune Geschehen verstärken.

In der Fachsprache nennen wir das dann «leaky gut» (durchlässiger Darm). Und obwohl wir das Geschehen verstehen, sind wir uns über die Therapie und die Frage, was das für die Ernährung bedeutet, noch nicht einig. Auch wenn du im Internet etwas anderes liest, eine wissenschaftlich fundierte anti-entzündliche Ernährung gibt es (noch) nicht!

Es wird aber Verschiedenes diskutiert: Gluten, Emulgatoren, Konservierungsmittel (Lebensmittelzusatzstoffe) und Milcheiweiss scheinen eine eher ungünstige Wirkung zu haben – das Dach geht weiter kaputt. Auch mögliche schützende Faktoren werden diskutiert: Beeren, Kurkuma und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die wir vor allem in Obst, Gemüse und Gewürzen finden.

Bevor du jetzt aber glutenfrei isst und Kurkuma-Kapseln kaufst: Auch Stress und Schlaf haben einen Einfluss! Und eine solche Ernährungsanpassung ist oft am Anfang sehr stressig. Such dir also eine gute Ernährungsberatung und lass dich auch hier – wie bei jeder anderen Therapie – begleiten.

Alles Gute für dich!

Diana

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian am 20.11.2018 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arthritis mit Ernährung im Griff

    Ich habe seit ca 14 Jahren Psoriasis Arthritis (Autoimmun Erkrankungen) und Ärzte wollten mir Cortison geben, was ich zum Glück ablehnte und stattdessen im Feb'18 zu einer Ernährungsberatung mit Schwerpunkt Autoimmunprotokoll ging. Es ist ein Ausschlussverfahren, das grosses Durchhaltevermögen und Eigendisziplin abverlangt. Es gibt kein fertiger Plan, der für jeden funktioniert. Bei mir hat sich schon mal ergeben, dass die Rohkost hauptverantwortlich für die Arthritis war. Im Spätsommer ging ich beschwerdenfrei auf Alpinwanderungen bis Stufe T5 und habe begonnen zu klettern. -Das wäre in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen. Fazit: Mir hats bereits enorm geholfen, jedoch bin ich weiterhin in der Einführungs-Phase. Diese Ernährung sollte nur in professioneller Begleitung gemacht werden, um Syptome, wie auch Mangelerscheinungen erkennen und reagieren zu können. Alles andere wäre fahrlässig.

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  • Angela K. am 20.11.2018 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Alle machen mit - keiner weiss wirklich

    Bescheid! Liebe Stephanie, als Betroffene rate ich Dir auf deinen Körper zu hören. Fang damit an vernünftig zu essen. Das heisst frisches Gemüse und Obst, wenig Zucker und Fett, wenig Fisch und Fleisch, wenig Kohlenhydrate. Verzichte auf hochverarbeitete Lebensmittel mit vielen Hilfsstoffen, wie auch auf Würste und Gepökeltes. Streich auch Alkohol und Süssgetränke vom Ernährungsplan. Und führe Tagebuch, was Dir gut bekommt und was nicht. Und wie Diana schreibt, nimms mit Gemütlichkeit, schlafe gut und lass Dich mit der Therapie begleiten.

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  • Eli am 20.11.2018 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autoimmunprotokoll

    Die Aussage, dass die Ernährungsumstellung bei einer Autoimmunkrankheit nichts bringen würde, ist einfach falsch. Der Fokus sollte auf 2 Aspekte gelegt werden. 1. entzündungsfördernde Nahrungsmittel wie Kuhmilchprodukte, rotes Fleisch und Getreide weglassen 2. antientzündliche Nahrungsmittel hernehmen,v.a. auch Omega 3 Fettsäuren. Siehe Autoimmunprotokolle. Es gibt genügend Studien, die dies belegen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • MS Patient am 22.11.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    MeinWeg

    Ich habe MS und das seit 26 Jahren. Enzündungs hemmende Ernährung ist super, aber Mein Motto laut wieso nicht alternative und klassische Medizin kombinieren. Bin bis jetzt gut damit gefahren. e

  • Heidi Heidnisch am 21.11.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Worüber niemand sprechen will

    Der Darm. Paracelsus sagte dass alle Krankheit im Darm beginne. Charaka, Verfasser eines der Grundlagenwerke des Ayurveda, beschreibt 850 verschiedene Möglichkeiten, um den Darm zu reinigen und/oder zu heilen. Einfache Methoden sind Bentonite Lehm, Psyllium (Flohsamen) Husk als Reinigungsdrink, verbunden mit zumindest tagsüber Fasten. Sanfte Einläufe mit Kaffee und Apfelessig, oder Kräuterölen sind auch zu empfehlen. Die westliche Schulmedizin ist leider so sehr gefangen in der Symptombehandlung, dass sie den Darm als Ursache oft sträflich vernachlässigt.

    • Franz Dumb am 23.11.2018 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Basische (Teil)Ernährung hilft!!!

      @Heidi Gute Anregungen))) Auch ein weiteres Problem sollte erwähnt werden...das Ungleichgewicht säurehaltig oder basisch...Säuren führen zu Entzündungen! Zu viel rotes Fleisch beispielsweise. Spannend ist es auch zu wissen, dass gewisse Produkte, die wir als Säure empfinden, im Körper basisch wirken, so zum Beispiel Zitronen Saft oder Apfel Essig (besonders der 'Naturtrübe')! Aus persönlicher Erfahrung empfehle ich allen, die unter Entzündungen leiden, sich mal generell über diese Zusammenhänge informieren zu lassen. Allen ein Gutes Wiikend))))

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  • Aof am 21.11.2018 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gueti Besserig

    Intressant , das kannte man vor fünfzig Jahren noch nicht . Ich wundere mich wie ich schaffte Alt zu werden und immer noch Gesund bin.

  • Nina am 21.11.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ernährungsdocs

    Auf NDR kam eine Sendung namens Ernährungsdocs,ist auch auf YouTube. Sieh dir das mal an und staune. Aber es gibt natürlich nicht DIE Lösung. Das erfordert Geduld, Selbstdisziplin und Mut zu Neuem.

  • Alexandra am 21.11.2018 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ernährung ist das A & O

    Durch sie beeinflussen wir definitiv unsere Gesundheit. Ich kenne mich nicht mit Autoimmunkrankheiten aus, da ich nicht betroffen bin, aber die Ernährung ist so oder so wichtig. Ich versuche meine Gesundheit mit meiner Ernährung auch so zu erhalten: Bewusst Essen, Keine Fertigprodukte (Künstliche Stoffe, Stärke, Emulgatoren - Alles was für unseren Körper NICHT vorgesehen ist), Zucker reduzieren, Frische unverarbeitete Lebensmittel (Gemüse, Obst, Nüsse, Salat), Milchprod., Fleisch (regional), Fisch, Verzicht auf Getreide komplett, gesunde Fette (Fett macht NICHT Fett), wenig Kohlenhydrate etc.